Hartnäckigkeit Kann Sich Lohnen. Besonders, Wenn Es Der Traumpartner Ist

Wann lohnt sich Hartnäckigkeit?

Reisende soll man ziehen lassen. Aber gilt das auch für die Liebe? In der Kennenlern-Phase gehört ein – zeitlich überschaubarer – Rückzug dazu. Auszug aus einem Interview mit Eric Hegmann

Er meldet sich nicht mehr. Wann macht man sich lächerlich, wenn man seinem Schwarm hartnäckig hinterherläuft – ohne eine positive Resonanz?

Es heißt ja, Menschen könnten nicht NICHT kommunizieren. Insofern hat der Schwarm ganz sicher eine Resonanz gezeigt – wenn es keine positive war, dann vermutlich eine negative. In den meisten Fällen, in denen eine Person hartnäckig einen Schwarm verfolgt, hat dieser sehr wohl “Nein” gesagt. Vielleicht nicht so deutlich und vielleicht war es auch nur ein “Nicht jetzt”. Seien Sie ehrlich sich selbst gegenüber: wenn er nichts investiert und kein Interesse zeigt, hat er auch kein Interesse.

Wann lohnt sich Hartnäckigkeit? Welches Gefühl oder Indizien lassen darauf schließen, dass sich dranbleiben lohnt?

Liebe ist es immer wert, dass man sich um sie bemüht. Und auch wenn es beim ersten Zusammentreffen nicht sofort gefunkt hat, kann ja dennoch Zuneigung und Vertrauen noch wachsen, wenn sich denn beide eine weitere Chance geben wollen. Wichtig ist, dass beide diese Bereitschaft zeigen. Für viele Singles muss das beim ersten Date im Café geschehen. Oft sind es aber Kleinigkeiten wie eine verblüffende Reaktion, ein unerwartetes Interesse, die uns plötzlich gut gefallen. Da erscheint der Kontakt wie in einem neuen Licht und es macht “Klick”.

Kann man jemanden zu seinem ‚Liebesglück‘ zwingen? Oder gar verliebt machen?

Nein. Keine Chance. Sie können versuchen, Ihren Schwarm zu beeindrucken, ihn zu verführen – aber Sie haben keinen Einfluss darauf, ob er sich verliebt. Was Sie aber tun können ist die Situation so zu gestalten, dass Verlieben wahrscheinlicher wird. Manche Single-Eventanbieter arbeiten damit, dass sie die Teilnehmer einem Adrenalin- und Dopamin-Stoss erleben lassen wie bspw. in einem Kletterpark, weil diese Botenstoffe auch beim Verlieben aktiv sind. Für den Einzelnen ist die einfachere Strategie, dem Schwarm viele liebenswürdigen Seiten der eigenen Persönlichkeit zu zeigen und hoffen, dass er diese auch anziehend findet.

Wo verläuft die Grenze zum Stalking – wann wird das Verhalten ‚psycho‘ bzw. gesetzwidrig?

Den Schwarm zu kreativen und im Gedächtnis bleibenden Dates einzuladen ist kein Stalking. Auch nicht, sich immer wieder ins Gedächtnis zu bringen durch eine liebe Textnachricht. Wenn Sie das nicht aufdringlich tun, wird er das als Kompliment werten.

Stalking wird es, wenn Sie gegen seinen Willen Teil seines Lebens sein wollen. Ist es bereits Stalking, täglich sein Facebook-Profil aufzusuchen? Nein, wenn Sie es dabei belassen. Ja, wenn Sie beginnen, ihn auf seiner täglichen Laufstrecke abzufangen oder zu allen Veranstaltungen aufschlagen, zu denen er sich amgemeldet hat.

Wie wichtig ist ein gutes Timing für die Liebe?

Timing ist ausschlaggebend. Selbst wenn Herz und Bauch ja sagen, kann der Verstand immer noch abblocken, weil die Zeit nicht passt. Vielleicht weil der Beruf stresst, weil die Eltern krank sind oder die Ex noch nicht verarbeitet ist: wenn nicht beide gleichzeitig vereinbaren, wir wollen es miteinander versuchen, dann stehen die Chancen schlecht.

Doch es geht auch um das persönliche Timing beim Verlieben: extrem schicksalsorientierte Singles suchen und erwarten die Liebe auf den ersten Blick. Ihr Timing ist also jetzt und sofort. Es gibt aber auch das andere Extrem (und natürlich alles dazwischen), wenn nämlich wachstumsorientierte Singles erst Vertrauen und Zuneigung aufbauen, bevor sie sich verlieben können. Wenn diese Extreme beispielsweise aufeinander treffen, dann ist ein Konflikt vorbestimmt: der wachstumsorientierte Single kann nicht nachvollziehen, wie beim ersten Treffen bereits ernstzunehmende Gefühle enstehen können und der schicksalsorientierte Single ist sich sicher, dass es entweder sofort oder nie funkt. Dennoch sind genau diese Fälle diejenigen, bei denen Hartnäckigkeit Erfolg zeigen kann.

Kennen Sie Fälle, dass jemand auf einen „Partner“ lange gewartet hat, weil die Zeit einfach noch nicht reif war füreinander?

Ja, die kenne ich. Allerdings – und deshalb sind die vielleicht nicht ermutigend – sind dort zwischen erstem Kontakt und Beziehung meist einige Jahre verstrichen. Manchmal muss der Andere nämlich erst in eine neue Lebensphase eintreten. Da reicht es sicher nicht aus, sich nach drei Monaten wieder zu melden und einen neuen Versuch zu starten.

So ist auch ein romantisches Liebescomeback dank der sozialen Netzwerke gar nicht so unwahrscheinlich: Mehr als jeder Zehnte (13 Prozent) konnte über diesen Weg schon einmal eine alte Liebe wieder neu aufleben lassen. (Parship Studie 2014)

Können Sie ein paar Beispiele zum Thema aus Ihrem Praxisalltag nennen?

In der Praxis erlebe ich meist Fälle, die mit Beziehungsangst zu tun haben. Entweder ausgedrückt durch aktive Beziehungsverweigerung (“Ich bin nicht reif für eine Partnerschaft”) oder durch passive (“Ich gerate immer nur an Leute, die mich nicht wollen”). Die gehen in der Regel nicht gut ohne eine Verarbeitung der Ängste, die zur Verweigerungsstrategie führen.

Wenn es aber um die oben angesprochenen Timing-Fälle geht, dann stehen die Chancen gut. Voraussetzung sind etwas Reflektion und Hineinversetzen in die Wahrnehmung des Anderen.

Die Fälle, in denen das Timing nicht passte, weil beispielsweise einer noch eine Trennung verarbeiten musste, sind jedoch häufig Ausdruck passiver Beziehungsverweigerung: denn weil der Schwarm unerreichbar und damit unbewusst klar ist, dass daraus keine Beziehung entstehen wird, kann der andere alles investieren. Das würde er nie tun bei Kontakten aus denen mehr werden könnte und dann heißt es eben: “Ich gerate immer nur an die, die mich nicht wollen”. Das ist natürlich Unsinn. Wir suchen die uns schon selbst raus.

Wann sollte man definitiv aufhören zu kämpfen?

Sobald Sie darunter leiden und Ihr Schwarm signalisiert, dass er Ihre Bemühungen als aufdringlich empfindet. Nur in Hollywoodfilmen funktioniert es, dass die unterschiedlichsten Menschen zueinander finden. Das ist notwendige Dramaturgie, damit jemand ins Kino geht. Im wahren Leben stimmt das einfach nicht und solange Sie sich (vergeblich) um Ihren Schwarm bemühen, verpassen Sie Kontakte mit Menschen, die wirkliches Interesse an Ihnen zeigen.

Wie bekomme ich meinen Traumpartner, wenn sich das kämpfen lohnt? Können Sie 5 bis 7 Strategien erklären/empfehlen?

– Schaffen Sie Situationen, die Sie immer wieder in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Besser als absehbare Verabredungen und sich wiederholende Abläufe ist Spontaneität. “Wollen wir mal wieder essen gehen?” hinterlässt weniger Emotionen als ein Konzertticket, das plötzlich verfügbar geworden ist. Wenn es vielleicht eine Band ist, die Sie beide neu entdecken können, verbindet diese Erfahrung.

– Geben Sie Persönliches preis

Ihr Kontakt soll Sie erleben können. Betreiben Sie ein Hobby mit Leidenschaft? Lassen Sie ihn teilhaben und vielleicht steckt Ihre Begeisterung ihn sogar an. Etwas nachhaltig zu tun signalisiert, dass Sie in Dinge, die Ihnen wichtig sind, investieren. Es ist also wahrscheinlich, dass Sie sich auch in einer Beziehung Mühe geben werden.

– Seien Sie kreativ

Vermeiden Sie Treffen, die nur dahin plätschern. Er soll sich an die gemeinsame Erfahrung gerne erinnern. Probieren Sie unterschiedliche Dates aus. Vom  Flohmarktbesuch (viel Interaktion, man erfährt etwas über Shopping-Verhalten und Einrichtung des Anderen), zum Zoobesuch (Tiere erzeugen Emotionen) bis zum gemeinsamen, ehrenamtlichen Einsatz bspw. in einer Kindertagesstätte oder der Tafel (nichts macht attraktiver als Fürsorge), einem Hobby-Date – beide zeigen sich ein Hobby, für das sie wirklich brennen (Leidenschaft steckt an; kann aber auch schocken je nach Hobby und Bereitschaft, sich auf den Anderen einzulassen) oder einem Besuch im Kletterpark (Spannung sorgt für ein Adrenalin-High und euphorisiert).

– Finden Sie seine Ängste heraus und belegen Sie, dass diese unnötig sind

Vielleicht hatte Ihr Schwarm schlechte Erfahrungen gemacht und fürchtet, sie mit Ihnen zu wiederholen. Belegen Sie, dass Sie anders sind und er mit Ihnen andere Erfahrungen machen wird. Hören Sie gut zu: Wenn er sich über die SMS-Flut einer Verehrerin beschwert sollten Sie dies nicht selbst tun.

– Seien Sie immer positiv und optimistisch

Eine optmistische Ausstrahlung macht Lust darauf, mit jemandem Zeit zu verbringen. Verzweifelte Singles wirken dagegen sehr unattraktiv. Keinen Erfolg werden Sie haben, wenn Sie Ihre unerwiderte Liebe immer wieder thematisieren.

– Sprechen Sie Zukunftsplanungen zunächst nicht an

Bei Personen mit Beziehungsangst kann bereits der Ausruf: “So einen Hund möchte ich auch einmal, wenn ich erst verheiratet in einem Haus am Stadtrand lebe!” Fluchtgedanken auslösen. Familienplanung ist Tabuthema.

– Seien Sie verbindlich und verlässlich

Ihr Schwarm soll wissen, dass er auf Sie zählen kann. Wir alle wünschen uns einen Partner, der für uns da ist. Geben Sie ihm das Gefühl, dass Sie fürsorglich sind. Das wirkt attraktiv.

– Wirken Sie begehrenswert

Sie wollen keinen Kumpel sondern eine Beziehung. Sexuelle Anziehung und Erotik gehören dazu. Tipp: Begehrenswert wirken Personen, die von anderen begehrt werden. Automatisch entsteht hier ein Konkurrenzdenken. Aber nicht übertreiben!

– Haben Sie Geduld und rechnen Sie mit Misserfolg

Hartnäckigkeit kann belohnt werden – oft erst nach Jahren – aber dafür gibt es keine Garantie. Investieren Sie in Maßen, denn das Ergebnis ist offen. Präsenz zeigen ist richtig, auf die Nerven gehen nicht.

– Vorsicht mit Sex

Sex verbindet. Auch eine Affäre. Das Kuschelhormon Oxytocin ist kraftvoll. Allerdings gilt das für beide Richtungen. Es kann sein, dass Ihr Schwarm nach Sex Sehnsucht nach Ihnen entwickelt – rechnen Sie aber vor allem damit, dass Sie mit der Ladung Oxytocin selbst auch zurecht kommen müssen. Liebeskummer ist da vorprogrammiert.

Wie schaffe ich es, von meinem vermeintlichen Traumpartner loszulassen, wenn er einfach nicht will? Wie schaffe ich es, die Situation zu akzeptieren? 

Da gibt es eigentlich nur einen Tipp: Lassen Sie es einfach. Natürlich ist Loslassen deshalb so schwer, weil Sie ja eben nicht loslassen wollen. Deshalb: Brechen Sie den Kontakt ab, stellen Sie Ihre Bemühungen ein und lassen Sie die Zeit den Rest übernehmen. Auch wenn Liebeskummer schmerzhaft ist: er geht vorüber. Das fühlt sich im Moment nicht so an, aber es ist so. Sie können die Phase nicht bewusst verkürzen – aber Sie können sie unnötig verlängern, beispielsweise durch Beobachtung seiner Aktivitäten. Nach einer Parship-Studie verlängert sich Liebeskummer durch Nutzung Sozialer Medien um bis zu sechs Monate.

Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise