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Das Dreiecksmodell Der Liebe

Das Dreiecksmodell der Liebe

Was ist Liebe? Und wenn ja, wie viele? Was erwarten, was erhoffen wir von ihr? Das Liebessystem oder die Triade der Liebe beschreibt sie als Summe dreier gleicher Teile: Bindung, Begehren und Romantische Liebe

Keine Angst vor Veränderungen

Robert Sternberg hat das Modell „Dreieckstheorie der Liebe“ geschaffen, um abzubilden, was Menschen antreibt, sich in Beziehungen zusammenzutun. Vor über 30 Jahren entwickelt, findet es heute wieder viel Aufmerksamkeit, denn nie zuvor in der menschlichen Geschichte konnten so viele Beziehungsmodelle ohne Angst vor staatlicher oder religiöser Verfolgung gelebt werden, unabhängig von den Konsequenzen, die diese Modelle fürs Alter darstellen, da sowohl mehrere – auch ganz unterschiedliche – Partnerschaften im Leben zum Regelfall geworden sind und die letzte Lebensphase auch alleinstehend, ohne Partner, ohne Kinder oder (Groß)familie möglich ist.

Die Triade der Liebe

Begehren, Lust, Leidenschaft: Alle Gefühle, die wir mit Sexualität, sexueller Anziehungskraft, dem Wunsch nach Befriedigung und Vereinigung verbinden. Dieses Element ist besonders motivierend, Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen. Es ist jedoch nicht auf eine Person beschränkt, ist nicht monogam und ist endlich.

Die romantische Liebe: Sie ist fixiert auf eine Person, sie blendet andere Personen und Optionen für Beziehungen aus. Sie ist verantwortlich dafür, dass wir dem Partner vertrauen, dass wir uns geborgen fühlen – und dass wir Intimität als besonders befriedigend erleben mit dem geliebten Menschen.

Bindung, Entscheidung, Commitment: Der optimistische Blick auf eine gemeinsame Zukunft als Paar ist der Entschluss beider Partner, auf die Veränderungen von innen und außen auf den Beziehung gemeinsam reagieren zu wollen und die Liebe am Leben zu erhalten – in guten wie in schlechten Tagen.

Die Triade der Liebe nach Robert Steinberg

Die Triade der Liebe nach Robert Sternberg

Die romantische Liebe ist die emotionale Komponente, Leidenschaft die motivationale und die Entscheidung/Bindung die kognitive Komponente. In den verschiedenen Phasen einer Liebesbeziehung ist die Gewichtung nicht immer gleich, aber dennoch ausgeglichen. Ohne Romantische Liebe gäbe es vermutlich ausschließlich sexuelle Kontakte, ohne Bindung und Entscheidung bliebe eine Beziehung einseitig und möglicherweise in emotionaler Abhängigkeit und ohne die Leidenschaft würde der Antrieb fehlen.

Die fünf Zyklen einer Beziehung

Hingabe: In der Hingabezeit ist alles neu, aufregend, spannend, weil wir nicht genug vom Partner erfahren können, um durch seine Augen die Welt neu zu sehen – und weil noch alles möglich ist. Nach dieser Verschmelzung, die von der berühmten rosaroten Brille dank zahlreicher Liebeshormone geprägt ist, folgt die

Aufbauzeit. Sie ist geprägt von der Selbstfindung und Selbstverwirklichung der Partner, von Zielen, die geplant oder sogar erreicht werden. Für viele Paare fällt die Familiengründung in diese Phase.

Danach erreicht das Paar die Lebensmitte. Jetzt werden Ziele überprüft und erweitert. Es ist eine schwierige Zeit, denn nicht immer ist die Antwort auf die Frage nach den bisher erfüllten und den in Zukunft erfüllbaren Wünschen und Bedürfnissen befriedigend. Die Partner stellen sich selbst und ihre Beziehung in Frage: Ist es das? Fehlt etwas? Nicht wenige Paare trennen sich, weil sie den Eindruck haben, sie würden sich gegenseitig behindern oder zurückhalten in ihrem Streben nach dem Sinn des – gemeinsamen – Lebens.

Die nächste Phase zeichnet sich dadurch aus, dass de​r​​​ Zenit überschritten ist. Altern hat die ungemein beruhigende Komponente, die Früchte der gemeinsamen Beziehungsarbeit der Vergangenheit ernten zu können. Doch gleichzeitig löst sich das Paar auch bereits ein Stück weit aus dem Lebensstrom heraus. Der berufliche Höhepunkt liegt nun zurück, es wird nie mehr höher, weiter, schneller, besser werden, die Kinder sind aus dem Haus und bringen die Enkel mit. Die eigene Sterblichkeit wird bewusst, die Sorge um den Partner auch immer zur Angst vor dem Alleinsein.

Die 5 Phasen der Liebe nach dem Modell der integrativen Paartherapie

Die 5 Paarzyklen nach dem Modell der integrativen Paartherapie

In der folgenden Phase Zweisamkeit heißt es Abschied nehmen. Die Kräfte schwinden, das soziale Netz wird kleiner, weil Freunde und Bekannte aus dem Leben scheiden, Krankheiten nehmen zu. Liebe bedeutet nun auch, sich einander als Partner zu begleiten beim Übergang. Was glückliche Paare ausmacht: Die Zuversicht, die kommende Phase gemeinsam zu bewältigen.

In der Hingabezeit treffen Paare sozusagen Vorsorge für die Aufbauzeit, Paare in dieser Phase für die Lebensmitte und so fort. Was sie unterscheidet von Paaren, die scheitern: sie wissen um die Vergänglichkeit. Das bedeutet nicht, dass sie die nicht fürchten, aber sie halten es aus und blicken dennoch nach vorne.

Wie sich Beziehungen in den letzten Jahrzehnten verändert haben

Ohne Zwänge veränderte sich unsere Beziehungskultur von lebenslang monogamen Verbindungen (die so hießen, aber von Affären und/oder käuflicher Sexualität geprägt waren) in ein sich wiederholendes Prinzip, die serielle Monogamie. Körperliche und emotionale Treue sind nun freiwillig, eine exklusive Vereinbarung auf Zeit, ausgerichtet auf Dauer und Bestand, aber gleichzeitig pragmatisch im Umgang mit dem Scheitern.

Typisches Beziehungsleben 1930 – 1970: Monogam und bis zum Tod

Typischer Beziehungsverlauf 1930 - 1970 nach Matthias Horx

Typischer Beziehungsverlauf 1930 – 1970 nach Matthias Horx

Typisches Beziehungsleben 1970 heute: Serielle monogame Beziehungen

Typischer Beziehungsverlauf 1970 - 2050 nach Matthias Horx

Typischer Beziehungsverlauf 1970 – 2050 nach Matthias Horx

Wir erlauben uns und unserem Partner, uns mehrfach zu verlieben. Der Anteil der Romantischen Liebe ist so stark geworden, dass wir es nicht wagen, dem geliebten Menschen zu verbieten sich zu verlieben – selbst wenn dies das Ende unserer Beziehung mit ihm bedeutet und in der Folge schmerzhafter Liebeskummer, das Zerbrechen von Familiengefügen und erneute, beschwerliche Partnersuche, deren Ausgang selbst bei erfolgreicher neuer Bindung ebenso unwägbar ist wie zuvor.

Die Angst vor dem Scheitern verhindert Commitment

Weil Menschen nicht mehr in Partnerschaften leben müssen, um überleben zu können, ist überwiegend die romantische Liebe der Grund, sich als Paar zusammenzutun, denn lieben lässt sich nicht alleine. Das Gleichgewicht der Triade besteht nur noch auf Zeit. Doch entgegen zahlreicher Stimmen sind nicht (nur) Unverbindlichkeit oder Narzissmus der Grund

Immer wieder wird Unverbindlichkeit als Symptom von Bindungsangst definiert. Doch das trifft so nur zu bei bindungsängstlichen Menschen. Auch ganz und gar nicht ängstliche Bindungstypen können sich häufig nicht entscheiden. Nicht weil sie glauben, da würde an der nächsten Ecke ein besserer Kandidat warten, sondern weil sie das befürchten.

Die Angst vor dem Scheitern ist so groß, weil die Überromantisierung der Liebe, die ich auch Disneyfizierung der Liebe nenne, zu viel von uns und von unseren Partnern verlangt. Was soll nicht alles der Partner für uns sein? Nicht weniger als der perfekte Spiegel. Ohne totale Liebe kann ich die Frage nicht beantworten: Wer bin ich? Von Esther Perel stammt die Aussage: „Heute soll unser Partner uns dies nach wie vor bieten, aber zusätzlich soll er auch bester Freund, Vertrauensperson und leidenschaftlicher Liebhaber sein, der uns anturnt. Und wir werden doppelt so alt wie früher. Wir treffen also auf eine einzige Person und wollen, dass sie uns all das gibt, was früher ein ganzes Dorf leistete. „

Der heutige Anspruch an die Liebe, den Lebenspartner und die Beziehung

Der heutige Anspruch an die Liebe, den Lebenspartner und die Beziehung

Um herauszufinden, was wir tatsächlich wollen, sollten uns immer wieder dieselben Fragen stellen, die Sternberg den an seiner Studie teilnehmenden Paaren auch stellte.

  • Wie fühlen Sie sich?
  • Wie fühlt sich Ihrer Meinung nach Ihr geliebter Partner?
  • Wie würden Sie sich gern fühlen?
  • Wie möchten Sie, dass sich Ihr Partner fühlt?

Quellen:

  • Robert Steinberg: Dreieckstheorie der Liebe
  • Michael Cöllen: Integrative Paartherapie
  • Matthias Horx: Die Zukunft von Liebe, Sex und Familie
  • Esther Perel: Das Geheimnis des Begehrens in festen Beziehungen

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Kein “Liebestest”, sondern eine seriöse Einschätzung der Beziehungspersönlichkeit Ihres neuen Partners. In meiner Arbeit liegt ein Schwerpunkt auf dem Bindungsverhalten und den negativen Überzeugungen und Glaubenssätzen, die zu Ängsten und zu Schutzstrategien vor erneuten Verletzungen führen. Darauf basierend habe ich den Test entwickelt: Woran bin ich mit ihm? Ist er der Falsche oder der Richtige? Er ermöglicht Ihnen Antworten auf die Fragen: Was treibt ihn an? Was macht ihn glücklich? Wonach strebt er? Denn wenn Sie dies wissen, dann können Sie entscheiden, ob sich das für Sie langfristig gut anfühlen wird.

Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise