Warum Verliebt Man Sich? Partnerwahl Und Bindungsverhalten

Warum bin ich Single? Der Einfluss unseres Bindungssystems auf die Partnerwahl

Warum verliebt man sich? Die Liebe des Lebens finden – gibt es die überhaupt? Über die Gefahren und die Chancen der richtigen Partnerwahl und wie uns das Bindungsverhalten steuert.

Warum bin ich Single?

Das gilt nur, wenn ich tatsächlich auf Partnersuche bin. Zwei häufige Antworten, die ich aus der Single-Beratung gut kenne:

  • Weil ich keine oder nur wenige Gelegenheiten zur Partnersuche finde
  • Weil ich den passenden Partner noch nicht gefunden habe

Die gute Nachricht: Dagegen lässt sich etwas unternehmen. Die erfolgreichsten Kuppler sind: der Freundeskreis, weil wir dort Menschen treffen, die ähnlich ticken wie man selbst, dann der Arbeitsplatz, weil dort die Möglichkeit besteht, Menschen näher kennenzulernen und es nicht wie bei einem Date auf sofortige Sympathie ankommt und dann natürlich die Online Partnersuche. Hier unterscheide ich zwischen Kennenlernen-Angeboten wie Dating- oder Flirt-Apps für zwanglose Kontakte und Partneragenturen für langfristige Beziehungen. Ich mache daraus kein Geheimnis: Ich bin seit über einem Jahrzehnt für Parship tätig und denke, dass dies in Deutschland die beste Plattform ist, wenn Sie eine dauerhafte Partnerschaft eingehen möchten. (Deshalb kann ich auch eine rabattierte Mitgliedschaft zum Vorteilspreis anbieten.)

Warum gerate ich immer an die Falschen?

Ich bin überzeugt: Wir „geraten“ nicht an die Falschen. Wir wählen die schon selbst. Die stellen sich später möglicherweise als Menschen ohne Beziehungskompetenz heraus, vielleicht schaden sie uns sogar – aber die Wahl, die haben wir getroffen. Sei es, weil wir sie gewählt haben, sei es, weil wir sie nicht abgewählt haben. Aber vielleicht war diese Wahl war gar nicht freiwillig, sondern wurde uns von unserem Bindungssystem vorgegeben.

Was das Bindungssystem mit der Partnerwahl zu tun

In früher Kindheit wird unser Bindungsverhalten geprägt. Die Bindungstheorie von John Bowlby besagt, dass – weil Babys ohne Eltern oder Bezugspersonen, die sich um sie kümmern, nicht lebensfähig sind, – die Art, wie wir Zuwendung in den ersten Lebensjahren erfahren, unser späteres Bedürfnis nach Nähe und Distanz in unseren Beziehungen prägt. Neue Erkenntnisse ergeben, dass darüber hinaus die eigene Beziehungshistorie und der jeweilige Beziehungspartner und dessen Bindungsverhalten eine Rolle für das eigene Bindungsverhalten spielen.

Für meine Arbeit mit Singles verwende ich zur Veranschaulichung ein vereinfachtes Modell dieser Theorie, wie es beispielsweise von Amir Levine und Rachel Heller in der Therapie genutzt wird, basierend auf den Forschungen von Brennan, Clark und Shaver. Danach lässt sich fast jeder Mensch zu einem dieser drei Bindungstypen zuordnen:

  • Der ängstliche Beziehungstyp braucht viel Nähe und sorgt sich, ob sein Partner ihn genug liebt. Wenn er sich zurückgewiesen fühlt, verstärkt er seine Bemühungen, denn er glaubt, Liebe müsse man sich verdienen. Allerdings neigt er zu Protestverhalten, wenn er den Eindruck gewinnt, gekränkt zu werden. (Etwas über 20 Prozent der Bevölkerung)
  • Der vermeidenden Beziehungstyp setzt Intimität und Nähe häufig mit dem Verlust der Unabhängigkeit gleich und sucht Distanz. Er sehnt sich nach Nähe, aber gleichzeitig benötigt er Abstand, um nicht in der Beziehung aufzugehen. Sehr charakteristisch ist, dass er dadurch zweideutige Signale sendet. (Etwas unter 20 Prozent der Bevölkerung)
  • Der sichere Beziehungstyp fühlt sich mit Nähe wohl, kann auch Distanz gut ertragen und ist in der Lage, stabile Partnerschaften zu führen. Sein besonderes Merkmal: Er ist fast immer in Beziehungen und selten Single. (Etwa 50 Prozent der Bevölkerung)

Es gibt darüberhinaus noch Mischformen und besonders extreme Ausprägungen, die aber in den Bereich der Persönlichkeitsstörungen reichen, wie Narzissmus oder Borderline.

Das Bindungssystem führt zu erfolglosen Mustern der Partnerwahl

Auch wenn Beziehungstypen nicht geschlechtsspezifisch sind, lassen Sie uns das aus der Praxis als typisch angesehene Modell wählen einer ängstlichen Frau mit einem vermeidenden Mann – obwohl diese Dynamik auch in jeder anderen Paarkonstellation vorkommt:

Er zeigt oder sagt beim Kennenlernen so etwas wie: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine Beziehung möchte“. Das aktiviert ihr Bindungssystem, denn nun kann sie sich und ihm beweisen, dass sie sehr wohl die Richtige für ihn ist. Sie kann investieren, wird sich Mühe geben – und er wird dies zunächst als Form der Anerkennung sehr schätzen. Bis ihre Anstrengungen und die Nähe sein Bindungssystem aktivieren, ihm wird plötzlich die Nähe Angst machen und er wird sich zurückziehen. Damit aktiviert er ihr Bindungssystem, das nun sagt: „Du musst dir mehr Mühe geben!“ Das geht eine Zeitlang hin und her, bis einer aufgibt.

Sowohl der ängstliche als auch der vermeidende Typ bräuchte in der Theorie einen Partner mit sicherem Bindungssystem. Die sind jedoch auf dem Single-Markt nie lange zu finden, weil sie sich leicht und schnell verlieben und lange, dauerhafte Beziehungen eingehen. Die Chance, dass ein vermeidender Single auf einen ängstlichen trifft und umgekehrt, ist dagegen gewaltig – und sie ziehen einander auch noch an.
Seite 1 von 2

Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise