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Emotionsfokussierter Paartherapie: Konflikte Lösen Statt Streiten

Konflikte lösen und weniger streiten: Wie Sie mit Hilfe der Emotionsfokussierten Paartherapie eine ganz neue Streitkultur entwickeln können – wenn Sie wagen, sich auf Ihre Ängste einzulassen. Mit Video 

Die Emotionsfokussierte Paartherapie

In der Emotionsfokussierten Paartherapie gibt es das Paar Patricia und William, das exemplarisch für eine Beziehung steht, die von einer Protest-Rückzug-Dynamik geprägt ist. Vereinfacht formuliert bedeutet dies, dass ein Partner seinen Wunsch nach emotionalem Kontakt mit so viel Nachdruck versieht, dass der andere Partner sich immer mehr verschließt – was zu noch mehr Druck führt und eben noch mehr Rückzug.

Patricia und William wollen in diesem alltäglichen und daher recht banalen Beispiel ein neues Sofa kaufen. Sie stellen fest, dass sie ganz unterschiedliche Vorstellungen haben. Patricia, selbst Designerin, versucht irgendwann das Argument anzubringen, dass ihr Favorit im aktuellen Trend liege. William argumentiert mit praktischen Gründen dagegen. Die Diskussion wird anstrengend und Patricia bringt schließlich ein, dass sie als Expertin doch sein Vertrauen verdienen würde. William entscheidet sich, dass ihm die Beziehung wichtiger wäre, als sich durchzusetzen, und läßt seiner Partnerin ihren Willen und zieht sich zurück. Patricia bemerkt verunsichert sein verändertes Verhalten und dass William nicht zufrieden ist. Sie fragt ihn daher wiederholt, ob er wirklich einverstanden sei mit ihrer Wahl. Er beteuert, alles sei in Ordnung, doch mehr kann sie ihm nicht entlocken und er zieht sich immer weiter zurück.

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Die Protest-Rückzug-Dynamik

Die Interaktion des Paares ist sehr typisch. Es kommt zu einem Konflikt, der unlösbar scheint (oder ist, denn wie Professor Gottman nicht müde wird zu betonen, dass die Mehrheit aller Paarkonflikte nicht durch einen Kompromiss lösbar sind, die beide Partner gleichermaßen zufrieden zurücklassen), versucht Patricia, Argumente anzubringen, um William von ihrer Sichtweise zu überzeugen. Als dies nicht gelingt, legt sie mit etwas Persönlichem nach, ihrem Fachwissen. Sie erhöht sich, wertet gleichzeitig William ab.

William gewinnt den Eindruck, dass seine Partnerin seinen Geschmack nicht teilt und ihn nicht ernst nimmt. Er ist gekränkt, verbirgt dies aber, indem er auf Argumente setzt. Damit kommt er nicht weiter. Schließlich knickt er ein, dem Frieden zuliebe. Er kapituliert, um einen größeren Konflikt zu vermeiden, was einen bitteren Nachgeschmack mit sich bringt. Er zieht sich zurück, grübelt über das Geschehene, fragt sich, wie oft er in Zukunft noch zurückstecken muss.

Natürlich geht der Konflikt längst nicht mehr um das Sofa, so wie es bei ähnlichen Anlässen nicht um die Sache an sich geht, sondern um die Beziehung – und um die Ängste der Partner.

Patricia sagt nicht, dass Meinungsverschiedenheiten mit ihm sie verunsichern, dass ihr solche Konflikte Angst machen, sondern sie greift zu den Werkzeugen, die sie bisher genutzt hat, um diese schmerzhaften Gefühle zu vermeiden: Sie bezieht Position und geht auf Konfrontation. Ihr Ziel ist, wieder eine gemeinsame Wellenlänge zu finden und die Verbindung zu William wiederherzustellen – indem sie auf ihrer Haltung beharrt, in der Hoffnung auch eine Einigung, die nur möglich ist, wenn er sich überzeugen lässt, würde den Konflikt aus der Welt schaffen.

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Die Sprachen der Liebe
Lob und Anerkennung
Ihre bevorzugte Liebessprache ist Lob und Anerkennung. Wenn Ihr Partner Ihnen das Gefühl von Dankbarkeit gibt, Sie wahrnimmt und Ihnen zeigt, dass er/sie stolz auf Sie ist, dann fühlen Sie sich geliebt. Auch Ermutigung tut Ihnen gut, wenn Sie mit sich selbst oder einer Aufgabe hadern. Wenn Ihr Partner die Liebessprache Lob und Anerkennung bevorzugt, dann seien Sie achtsam im Alltag, um auch kleinere Dinge zu bemerken, die Ihr Partner für Sie tut und loben Sie ihn/sie dafür. Besonders nachhaltig ist Lob vor anderen. Wissenswertes über Lob und Anerkennung: Häufig ist der Wunsch nach Anerkennung von anderen verbunden mit früheren Verletzungen des Selbstwertgefühls. Um weniger auf Lob und Anerkennung angewiesen zu sein gilt, den eigenen Selbstwert zu stärken und zu überprüfen, ob Zufriedenheit nicht auch stärker aus der eigenen Haltung heraus erreicht werden kann.
Zweisamkeit
Ihre bevorzugte Liebessprache ist Zweisamkeit. Wenn Ihr Partner Ihnen Zeit schenkt, Sie miteinander etwas unternehmen können. Zweisamkeit herrscht, wenn Paare etwas gemeinsam tun, einander mit Aufmerksamkeit begegnen und Sie einander kennenlernen in verschiedenen Situationen. Wenn Ihr Partner die Liebessprache Zweisamkeit bevorzugt, dann ist wichtig, dass Sie Verabredungen einhalten, pünktlich sind und Störungen wie Smartphone und Internet meiden. Investieren Sie in einen Babysitter, denn zur Zweisamkeit gehört, sich ganz aufeinander einzulassen. Wissenswertes über Zweisamkeit: Menschen, denen Zweisamkeit sehr wichtig ist, fühlen sich häufig nicht wahrgenommen oder nur als Option und nicht als Priorität. Der Grat zum Wunsch immer im Mittelpunkt zu stehen, ist manchmal schmal.
Geschenke
Ihre bevorzugte Liebessprache sind Geschenke. Wenn Ihnen Ihr Partner Ihre Wünsche erfüllt, dann fühlen Sie sich geliebt. Bei Geschenken kann es sich um Überraschungen handeln oder auch um Aufmerksamkeiten, also wenn Ihr Partner sich an Ihre Wünsche erinnert und diese dann selbsttätig erfüllt. Wer jemanden beschenkt, der beschäftigt sich mit dem anderen. Ein Geschenk ist das Symbol dieser Gedanken. Wenn Ihr Partner die Liebessprache Geschenke bevorzugt, dann sollten Geschenke keine seelenlosen Mitbringsel sein, die nicht mit ihm/ihr zu tun haben. Nicht ausreichend sind Geschenke, die nur zu bestimmten Anlässen wie Valentinstag, Geburtstag oder Jahrestagen gewährt werden. Freiwilligkeit ist besonders wichtig! Wissenswertes über Geschenke: Ein schlecht ausgewähltes Geschenk ist das Schlimmste für einen Partner, der die Liebessprache Geschenke spricht. Denn damit zeigen Sie in dessen Wahrnehmung, dass Sie ihn nicht gut kennen – und das kann dazu führen, dass die Liebe und die Beziehung in Frage gestellt werden.
Hilfsbereitschaft
Ihre bevorzugte Liebessprache ist Hilfsbereitschaft. Sie wünschen sich Gefälligkeiten, die Ihr Partner nicht auf Aufforderung, sondern freiwillig aus Liebe für sie tut. Das können sehr oft auch Haushaltsaufgaben sein. Wenn Ihr Partner die Liebessprache Hilfsbereitschaft spricht, dann ist jede Handreichung eine Liebesbekundung. Gut möglich, dass er Sie immer wieder auffordert, Sie zu unterstützen. Geliebt fühlt er/sie sich jedoch nur dann, wenn Sie nicht so lange warten, bis Sie gebeten werden zu helfen. Wissenswertes über Hilfsbereitschaft: "Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann würdest du ...", ist eine Forderung, auf die kaum ein Partner positiv reagieren wird. Daraus entsteht rasch eine Forderungs-Rückzug-Dynamik, die beide Partner mehr trennt als vereint. Auch Hilfsbereitschaft funktioniert als Liebessprache auf Augenhöhe nur, wenn sie freiwillig erfolgt.
Intimität
Ihre bevorzugte Liebessprache ist Intimität. Wenn Ihr Partner Ihnen körperliche Nähe gibt, wozu ebenso Zärtlichkeiten wie Sex zählen. Mit Berührungen zeigen Menschen, dass sie den anderen annehmen, dass sie ihn gerne anfassen, dass sie ihn akzeptieren, wie er ist. Wenn Ihr Partner die Liebessprache Intimität bevorzugt, dann ist für ihn/sie Sex nicht nur Leidenschaft und Lust, sondern vor allem Nähe und Bindung. Sex-Verzicht bedeutet dann Liebesentzug und sollte nicht als Machtinstrument missbraucht werden. Wissenswertes über Intimität: Körperliche Nähe tut gut. Nicht nur der Seele. So reduziert eine Umarmung von mehr als 30 Sekunden bereits nachweisbar Stress, lässt den Blutdruck sinken und sorgt für die Produktion von Bindungshormonen wie Oxytocin. Sexsucht als Extrem lässt oft darauf schließen, dass der Betroffene sich selbst für wenig liebenswert hält und Bestätigung durch besonders viel Intimität erhofft.

Ängste: Worüber Paare viel zu selten sprechen

William sagt nicht, dass er sich selbst und die Beziehung vor Verletzungen schützen möchte und deshalb gegen seine Überzeugung ihrem Willen zustimmt, sondern er verdrängt seine Wünsche, obwohl sich das nicht richtig anfühlt. Er zieht sich innerlich zurück, weil er die Distanz zwischen ihnen nicht vergrößern möchte. Um nichts Falsches zu sagen, sagt er lieber nichts mehr. Auch als sie ihn immer wieder fragt, ob alles in Ordnung sei, antwortet er wider besseren Wissens und gegen seine Gefühle, halbherzig mit Ja.

Diese und ähnliche Situationen wiederholen sich in ihrem Muster immer wieder. Patricia befürchtet, nicht zu William durchzudringen, das macht ihr Angst, also erhöht sie den Druck. William wäre lieber einer Meinung mit ihr, er befürchtet, sie würde ihn weniger lieben, würden größere Unterschiede sichtbar werden. Er setzt auf Argumente und verdrängt seine Gefühle.

Je mehr er sich zurückzieht, umso mehr Druck baut sie auf. Dieser Interaktionszyklus nährt sich selbst und ist eine Endlosschleife, wie sie von Professor Scott Woolley eingeführt wurde.

Emotionsfokussierte Paartherapie: Protest-Rückzug Verhalten
Emotionsfokussierte Paartherapie: Protest-Rückzug Verhalten

Ganz häufig erlebe ich diesen Zyklus in der Beratung, wenn es um die emotionalen Verbindung am Ende eines Arbeitstages geht. Ein Partner wünscht sich, seine Batterien aufzutanken durch Kontakt zum Partner, durch Austausch und Gespräch mit ihm. Der andere Partner lädt seine Batterien auf, indem er sich in Ruhe sammelt, ohne jegliche Interaktion, um wieder Energie für Austausch aufbringen zu können.

Partner A fordert emotionalen Austausch ein, Partner B zieht sich immer weiter zurück, um Ruhe zu finden. Partner A hat Angst, die Bindung zu verlieren – ebenso Partner B. Sie nutzen nur unterschiedliche Werkzeuge, um mit dieser Angst umzugehen. Hat sich ein solches Muster erst einmal gefestigt, kommen die Partner kaum alleine und ohne Unterstützung da wieder raus.

Denn negative Zyklen halten sich selbst in Gang. Partner A will Nervosität, Angst und Verletztheit vermeiden durch gelernte und geprägte Schutzstrategien und den daraus resultierenden Verhaltensweisen wie Überzeugen, Fordern, Vorwürfe machen und Nachbohren. Partner B, sowieso schon von Unruhe und Besorgnis geplagt, greift dadurch nun zu seinen gewohnten Schutzstrategien, die wiederum die Endlosschleife am Leben erhalten. Sein Umgang mit schwierigen Situationen ist eine Reaktion auf eine gefühlte Bedrohung, was wiederum den Umgang mit schwierigen Situationen in bewährter Form beim Partner auslöst.

Was machen Verfolger?

  • nachbohren
  • fordern
  • meckern
  • klammern
  • Vorwürfe machen
  • abwerten
  • laut werden
  • aggressiv werden
  • kontrollieren

Was machen Rückzieher?

  • bagatellisieren
  • halbherzig zustimmen
  • Problem weglachen
  • Konflikt vertagen
  • nicht reagieren
  • schweigen
  • ablenken

Auf Stress durch eine gefühlte Bedrohung reagieren Menschen mit Flucht, Gegenangriff oder Starre. Evolutionär hat sich das durchgesetzt. Die Gehirnregionen, die abwägen und analysieren, sind stammesgeschichtlich jünger, bevor sie erreicht werden, wurde bereits das Stressprogramm ausgelöst.

Im Streit kann sich der Angriff als Verfolgung darstellen, als Dranbleiben und nicht Nachlassen in seiner Bemühung. Dabei sind diese Verhaltensweisen nicht nur kontraproduktiv, sie zahlen auch wenig auf den Ursprung der Emotion ein: die Angst, die Bindung zu verlieren, womöglich verlassen zu werden. Wären wir offen und ehrlich, müssten wir eigentlich sagen: „Bitte zieh dich nicht zurück, sich habe Angst, dass du mich jetzt alleine läßt mit meiner Furcht.“

Dann könnte der Partner, der sich zurückzieht, sagen: „Es bereitet mir Sorge, dass wir scheitern, wenn wir uns nicht einigen können. Mich macht nervös, wenn du unzufrieden bist. Ich versuche, unser Problem zu lösen, wenn ich mich zurückhalte.“

Wie gut passen wir zusammen? Der große Liebestest

Basierend auf Erfahrungen aus der Paartherapie und wissenschaftlicher Forschung: Wo teilt ihr dir gleichen Werte? Wo ergänzt ihr euch? Bei welchen Unterschieden drohen Konflikte?

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Wie kommen Sie da raus, wie unterbrechen Sie den Zyklus?

Zunächst können Sie versuchen, kognitiv dagegen zu steuern. Das bedeutet, Sie erkennen Ihr Verhalten, Sie ertappen sich und Ihren Partner bei diesem Tanz, sprechen an, was Sie tatsächlich fühlen und verlassen sich ganz und gar auf die Beziehungsebene Ihres Konflikts.

Sie können hier ein Dokument herunterladen und ausdrucken, das Sie in einer solchen Situation gemeinsam ausfüllen. (Hier finde Sie die Vorlage mit dem Muster von Patricia und William.) Sie werden sicher feststellen, dass dies bereits hilfreich ist, gegenseitiges Verständnis zu entwickeln, also Bindung herzustellen – das, worum es letztlich immer geht: Statt aus Furcht vor Verlust des Zusammenhaltes die Kluft zu vergrößern, erhöhen Sie die Kontaktflächen. Das löst nicht Ihre unterschiedliche Haltung, die zum Konflikt geführt hat, aber bringt sie näher zusammen, um eine Lösung zu finden.

Sind Sie sehr festgefahren in einem solchen Zyklus, dann sollten Sie Unterstützung durch Paarberatung und Paartherapie suchen. Dort können Sie lernen, richtig zu streiten – und sich wieder zu versöhnen. Denn in einem sicheren Rahmen einer Beratung können Sie den Dingen auf den Grund gehen, die Ihre Verhaltensweisen erst steuern. Also warum Sie eher mit Angriff, eher mit Flucht oder mit Starre reagieren. Sie untersuchen, woher die Werkzeuge beziehungsweise Ihre Verhaltensweisen kommen, mit denen Sie sich vor Verletzungen schützen wollen.

Quelle:

  • Susan Johnson: Praxis der Emotionsfokussierten Paartherapie
  • Veronika Kallos-Lilly: Wir beide – Das Arbeitsbuch zur Emotionsfokussierten Paartherapie

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise

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