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Panda-Syndrom Bei Paaren: Kuscheln Statt Leidenschaft

Was bedeutet Panda-Syndrom für Paare? Der Begriff Panda-Syndrom beschreibt ein Paar, das es sich in der Beziehung so gemütlich gemacht hat, dass es für Leidenschaft nicht mehr reicht.

Was genau ist das Panda-Syndrom?

Pandas sind niedlich, Pandas sind kuschelig und Pandas sind faul. Sie sind außerdem vom Aussterben bedroht. Ein Grund ist angeblich, weil sie sogar zu faul sind, um sich fortzupflanzen. Wenn Sie nun an Ihren Partner denken, dann ahnen Sie bereits, was das Panda-Syndrom für Paare bedeuten könnte. Möglicherweise sind Sie sogar selbst betroffen.

Sie lieben Ihren Partner, Sie genießen die Zeit mit ihm oder ihr, Sie fühlen sich innig verbunden und haben Kampfkuscheln zur gemeinsamen Sport-Disziplin gemacht. Aber auf Sex? Da fehlt Ihnen irgendwie der Antrieb. Ist ja auch gerade so gemütlich auf dem Sofa

Zunächst klingt es paradox. Zu viel Liebe soll schlecht sein für die Partnerschaft? Scheitern Paare nicht eher daran, dass die Liebe langsam gestorben ist? Ja, tatsächlich sind die nachlassenden Gefühle ein häufiger Trennungsgrund. Und ganz oft begann alles mit einer sehr langen Sexpause.

Sex bedeutet Leidenschaft und Spaß, Fortpflanzung und ist ein Mittel zur Bindung zweier Menschen. Denn Intimität ist eine uralte Form, sich gegenseitig zu bestätigen und sich im wahrsten Sinne, nackt und verletzlich anzunehmen. Bevor unsere Vorfahren mit dem Verstand etwas erfassen konnten, haben sich angefasst. Das zeigte: Du bist OK. Bindungshormone sorgen dafür, dass unser Belohnungszentrum ganz „high“ wird von soviel Glück und wir das immer wieder erleben wollen.

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Keine Angst vor dem Panda-Syndrom!

Aber keine Sorge zur Panik. Für viele Menschen bedeutet Kuscheln und Sofa ja auch: Ich bin angekommen. Dies ist mein sicherer Hafen. Mein Partner ist mein Fels in der Brandung.

Ein temporäres Panda-Syndrom ist kein Grund, zur Sexualtherapie zu gehen

Fast alle Paare, die länger als fünf bis sieben Jahre zusammen leben, kennen das Gefühl, Vertrautheit und Geborgenheit sind wichtiger (und schöner) als diese Nebensache der Welt, die manchmal etwas stressig daherkommt. Es gibt zahlreiche Wege, wie man eingeschlafenes Liebesleben wieder erwecken und die Lust aneinander wieder entdecken kann. In Zoos wurden Panda-Paaren sogar Filme gezeigt, in denen andere Panda-Paare zur Sache kamen, um sie so zu motivieren. Viele menschlichen Panda-Paare versuchen das ähnlich. In deutschen Schlafzimmern braucht es aber wahrscheinlich nicht mehr Filme, nicht mehr Spielsachen, sondern mehr Fantasie und vor allem: weniger Stress! Denn der macht uns so träge wie die Pandas. Um der immer hektischer werdenden Welt draußen zu entkommen, flüchten Paare sich in ihre Arme und aufs Sofa und ziehen die Vorhänge zu. Sex hingegen belebt, macht mutig, erfüllt und bestätigt – eigentlich das allerbeste Mittel gegen Streß. Man muss sich allerdings auch ab und an dazu aufraffen.

Welche Paare entwickeln das Panda-Syndrom?

Chillen und netflix, zu müde für Sex, Kampfkuscheln, – das zeichnet Paare aus, die sich sehr wohl miteinander fühlen, die gut harmonieren und Vertrautheit und Geborgenheit als Säulen ihrer Partnerschaft erleben. Vielleicht sind sie auch genervt von dem Leistungsdruck, der auf Sex liegt, wenn jede Zeitschrift propagiert, der Höhepunkt könne doch noch besser, noch intensiver und noch häufiger kommen.

Sind „nur“ langjährige Partnerschaften betroffen – oder können auch Frischverliebte zu Pandas werden?

Frischverliebte Paare werden von der sexuellen Anziehungskraft zu Beginn der Beziehung eher seltener zu Pandas. Aber sie können dort bereits die Weichen für später legen. Wer sich vom sozialen Netz entfernt, um nur noch zu Hause Zweisamkeit zu leben, riskiert, dass es von Außen zu wenige neue Impulse für die Partnerschaft gibt. Eine Beziehung lebt auch davon, wie das Paar auf Veränderungen reagieren kann und sich dabei erlebt. Bleibt alles immer gleich, wird auch alles irgendwann langweilig.

Ist das Panda-Syndrom ein Beziehungskiller?

Das kommt auf die Gründe an. In der Theorie ist das Panda-Syndrom ja sehr rührend, weil das Paar so innig ist. Aber zu viel Nähe reduziert auch die Leidenschaft, denn wir begehren vor allem, was wir nicht haben. Sehnsucht haben wir nach etwas, das uns in diesem Moment fehlt.

Solange das Paar glücklich ist mit einer sexlosen Phase, gibt es kein Problem. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Leidenschaft dann in Form einer Versuchung von Außen zurückkommt. Denn ganz sexlos will eigentlich niemand leben. Außerdem ist Sex neben der Befriedigung auch die gegenseitige Bestätigung, sich nackt anfassen und annehmen zu lassen. Das ist eine wichtige Kommunikationsform eine Paares, um zu sagen: Du bist ok, ich möchte dich, so wie du bist. Auf biologischer Ebene sorgen Bindungshormone beim Sex dafür, dass wir uns möglichst nah sein wollen.

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Inwiefern profitiert eine Beziehung vom Panda-Syndrom?

Weniger Stress, weniger Verpflichtungen, dennoch Nähe und Intimität. Das alles klingt nicht nur segensreich für eine Beziehung, das ist es auch. Ein wenig Panda wünschen sich wohl die meisten Paare, es ist die Dosis, die das Gift macht.

Woran merke ich, dass mein Partner und ich Pandas sind?

Letztlich hat jedes Paar seine ganz eigene Dynamik. Der Vergleich mit anderen Paaren, um sich selbst in Schubladen zu packen, hat noch kein Paar glücklicher gemacht. Und sich unter Druck zu setzen, ist ganz und gar nicht gut fürs Liebesleben. Im Gegenteil. Stress ruiniert die Libido.

Wie viel Panda-Syndrom ist für die Beziehung okay bzw. „normal“?

Wichtig für eine Beziehung ist, was die Partner glücklich macht. Das ist bei dem einen Paar mehr Leidenschaft, beim anderen mehr Kuscheln. Normal ist kein Kriterium für Liebe, denn es gibt nichts, was es nicht gibt. Eine Beziehung ganz ohne Sex riskiert aber, dass die Lust irgendwann von Außen kommt.

Ist die Beziehung am Ende, wenn sich beide Partner als Pandas miteinander wohlfühlen?

Im Gegenteil – das kann das sogar der Beginn sein, die Partnerschaft auf eine neue Stufe zu stellen, in der Geborgenheit und Vertrautheit wichtiger sind als Leistungsdruck.

Wie durchbrechen Paare die Panda-Spirale?

  • Jedes Paar braucht eine Mischung aus Bewährtem und Neuem. Beides gehört sowohl in den Beziehungsalltag als auch in das Sexleben. Sonst schläft die Leidenschaft ein.
  • Keine Lust auf Sex kann auch in Wirklichkeit bedeuten: Keine Lust auf Sex mit dem eigenen Partner. Prüfen Sie, ob Sie nicht doch etwas mehr Engagement im Schlafzimmer zeigen sollten.
  • Toys sind auch kein Allheilmittel, aber durchaus anregend. Es braucht aber vor allem mehr Fantasie im Schlafzimmer und nicht mehr Leistungsdruck.
  • Sprechen Sie miteinander über die sexlose Phase. Ihr Partner kann Ihre Gedanken nicht lesen. Während Sie sich als Panda wohl fühlen, sorgt sich der Partner vielleicht um seine Anziehungskraft und Attraktivität und hat Angst um die Beziehung.
  • Sex braucht Gelegenheit. Verabreden Sie sich zum Date. Klappen Sie das Laptop zu, schalten Sie die Smartphones aus und den Fernseher nur an, wenn Sie sich gemeinsam mit einem erotischen Film in Stimmung bringen wollen.

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paartherapeut, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist in seinem Fachbereich einer der meist zitierten Experten im deutschsprachigen Raum. Seit über 15 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise und Gründer der Modern Love School .

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