Meine Lieblings-Interventionen aus der Praxis Sie möchten die wichtigsten Interventionen und Übungen aus meiner Praxis…

Der Partner nervt. Oft geschieht das nicht graduell, sondern von einem Tag auf den anderen: Verhaltensweisen, die eine Weile amüsant oder höchstens egal waren, werden unerträglich. Das ist selten Zufall. Und es sagt meistens weniger über den Partner, als es sich anfühlt.
Inhaltsübersicht
Darum geht es:
Manche — vielleicht zu Beginn sogar liebenswerte — Verhaltensweisen deines Partners lösen plötzlich das gegenteilige Gefühl aus. Wie kommt das? Welche eigenen Gedanken stecken hinter diesen Reaktionen? Und was davon lässt sich verändern — ohne dass dein Partner irgendetwas tun muss?
Dieser Text gibt dir keine Tipps, wie du ihn oder sie azu bringst, die nervige Macke abzulegen. Das ist ohnehin selten erfolgreich. Er hilft dir dabei, etwas Anderes zu sehen: Was genau in dir ausgelöst wird — und warum gerade jetzt.
Was sind typische Situationen, mit denen sich Partner nerven?
In meiner Praxis höre ich diese Sätze praktisch wöchentlich:
— „Er fällt mir ständig ins Wort.“
— „Sie kommentiert einfach alles.“
— „Er räumt seine Sachen im Schlafzimmer ab wie eine Spur.“
— „Sie quatscht fremde Menschen an.“
— „Er ist wieder zu spät.“
Das sind keine besonders außergewöhnlichen Dinge. Es sind Alltäglichkeiten. Das Interessante daran ist nicht, dass Partner solche Macken haben. Das Interessante ist: Warum nerven sie dich jetzt — und nicht vor drei Jahren?
Die meisten, die zu mir kommen, erleben das als Abkühlung: „Früher war das okay. Heute halte ich es nicht mehr aus.“ Aber es ist selten eine Abkühlung. Es ist fast immer ein Hinweis auf etwas, was sich zwischen euch verschoben hat oder in einem von euch.
Einerseits haben alle Menschen ihre Macken, andererseits entwickeln sich auch Angewohnheiten durch die jeweilige Paar-Dynamik. Das heißt: Aktion trifft auf Reaktion – und die provoziert eine neue Reaktion. Irgendwann braucht es gar nicht mehr die Aktion, um in dieses Muster als Paar zu verfallen. Und wenn man bereits glaubt zu wissen, dass gleich etwas passieren wird, das nervt, dann genügt nur noch eine Kleinigkeit, damit sich dies auch erfüllt. Dann ist der Partner genervt und fühlt sich darin bestätigt, dass der Partner das ja „immer“ so macht.

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Welche Anti-Nerv-Strategien funktionieren am besten?
Die erste Frage sollte sein: Warum jetzt? Damit lässt sich die Situation meist schon deeskalieren. Oft stellt sich nämlich heraus, da passiert gerade etwas anderes, das all meine Geduld und Kraft benötigt.
Niemals vergessen: Gerade das, was MICH nervt, hat auch mit MIR zu tun. Weshalb möchte SIE im Taxisitz verschwinden, wenn ER seine Lebensgeschichte erzählt? Ist es die Aufmerksamkeit, die SIE nicht erhält, was SIE in Wirklichkeit stört? Warum unterhält SIE sich nicht mit IHM? Haben die beiden keine Themen?
Dann sollte man sich, bevor man einmal alles rauslässt, was einen „schon immer“ gestört hat (was ja meist gar nicht stimmt) immer klar machen: Ich möchte nicht, dass mein Partner mich ändert. Umgekehrt ist das genauso. Er will eben unter der Dusche falsch singen. Sie will eben kein unbenutztes Glas rumstehen sehen. Veränderungen müssen immer von einem selbst gewollt werden.
Wenn es unerträglich scheint, sollte man das Thema vorwurfsfrei ansprechen und anbieten, die nervigen Rituale gegen positive Rituale zu stellen. Denn am Ende setzen sich immer die positiven durch, wenn beide Partner an der Beziehung festhalten wollen. Das kann sein zu sagen: Okay, du darfst weiterhin deine Klamotten wie eine Spur im Schlafzimmer abwerfen. Und dafür singe ich dir morgens unter der Dusche „Die Königin der Nacht“. Es gibt nichts, was sich nicht tauschen ließe und je kreativer ein Paar ist umso mehr Spaß wird es daran haben. Ich habe noch nie in der Beratung erlebt, dass sich ein Paar nicht zumindest angenähert hätte durch einen offenen Umgang mit den eigenen Wünschen. Dass sich manche Macke dabei von alleine erledigt, ist sicher auch nicht verkehrt, denn dann geschah die Veränderung des Verhaltens freiwillig.
Verändern Sie den Fokus, versuchen Sie nicht, Ihren Partner zu ändern!
Was können Sie tun? Letztlich zwei Dinge: Sie versuchen Ihren Partner zu ändern – oder Sie versuchen zu ändern, dass Sie ständig daran denken und Sie seine Macken permanent verfolgen und aufregen.

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Welche Variante ist denn naheliegender und Erfolg versprechender? Kurzfristzig gedacht natürlich, dass der Partner sich ändert. Das wäre die einfachste Lösung für Ihr Problem. Und die am wenigsten anstrengende für Sie. Die Veränderung müsste ja der Partner vornehmen. Verständlich also, dass Sie die spontan favorisieren. In der Paartherapie ist das meist der Versuch: „Herr Hegmann, sagen Sie meinem Partner doch bitte, dass er das lassen soll.“ Oder: „Sagen Sie ihm, dass ich recht habe.“ Oder: „Sagen Sie ihm, dass er sich ändern soll!“
In der Paartherapie ist das meist die Bitte: „Herr Hegmann, sagen Sie meinem Partner doch bitte, dass er das anfangen soll zu tun oder das aufhören soll zu tun.“ Oder: „Sagen Sie ihm, dass ich recht habe.“ Oder: „Sagen Sie ihm, dass er sich ändern soll!“
Ziele für den Partner oder die Partnerin zu entwickeln, ist zunächst einmal sehr menschlich und jedes Paar befindet sich damit in bester Gesellschaft. Nur gleichzeitig wissen wir alle, dass wir gegen seinen Willen niemanden zu Veränderung bewegen können.
Wann genau verändern Menschen ihre Verhaltensweisen?
- Wenn die Chance besteht, dass sich dadurch ein Leidensdruck lindert
- Wenn es überlebensnotwendig ist
- Wenn wir es wirklich wollen und eine Motivation haben, unser Ziel zu erreichen
Die meisten werden versuchen, ihre Partner zu überzeugen. Das tun sie vorzugsweise indem sie ihre guten Argumente vortragen, weshalb es Ihnen besser gehen würde, sobald der Partner etwas anders machen wird. Hier höre ich in der Praxis häufig den Satz „Mein Partner versteht mich nicht!“ Und das ist auch die Überzeugung: Würde der Partner verstehen, was ich von ihm oder ihr mir wünsche, dann würde er oder sie das auch tun. Und genau hier ist ein großes Missverständnis, das zur negativen Dynamik einen beträchtlichen Teil beiträgt: Gehen Sie lieber davon aus, dass Ihr Partner kein Problem mit seinen Ohren oder seinen kognitiven Fähigkeiten hat. Ihr Partner versteht Sie. Ihr Partner ist nicht einverstanden. Er will nicht. Vielleicht kann er auch nicht. Auf jeden Fall sagt er: Nein. Und möglicherweise können die Partner nicht damit umgehen, dass ihre Beziehungsperson ihren Wunsch nicht erfüllen möchte. An dieser Stelle geht es dann um Differenzierung und nicht um Kommunikation. (Was ich damit meine, erkläre ich hier in der Liebes-Wissensdatenbank)

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Partner nervt: ein Lösungsansatz
Zunächst prüfen Sie einmal, warum Sie die Macke so nervt, und was das mit Ihnen zu tun hat. Mit großer Wahrscheinlichkeit trifft Sie die Macke nämlich irgendwo in Ihrem Selbstwert. Ihnen ist die Macke peinlich, oder Sie fühlen sich nicht ernst genommen, oder Sie sind sich sicher: Das macht man einfach nicht so! Womöglich haben Sie sogar eine ähnliche Macke und weil Sie die unterdrücken, soll Ihr Partner die gefälligst auch unterdrücken. Sie merken, es geht dabei um Sie und Ihre Bedürfnisse, und die stellen Sie gerade mal vor die Ihres Partners. Was ganz menschlich ist in dieser Situation. Aber nicht wirklich fair.
Besser als Energie in diesen Konflikt zu geben, den Sie höchst wahrscheinlich auch gar nicht gelöst bekommen, wäre: Den Fokus auf die positiven Dinge zu lenken, die Sie in Ihrer Beziehung erlebt haben. Also weg von den Gedanken über die Mängel, hin zu Dankbarkeit für das, was Sie haben – und schließlich, was Sie daraus Positives gestalten können.
Wer dankbar ist, ist nicht vom Partner genervt
Eine schöne Übung ist: Sie – und Ihren Partner – notieren jeden Abend vor dem Einschlafen jeweils für sich drei Dinge, drei Verhaltensweisen, für die Sie Ihrem Partner dankbar gewesen sind (oder auch dankbar hätten sein können, für den Anfang). Und damit diese Übung etwas bringt: Sie machen das mindestens zwei Wochen lang, und die Punkte dürfen sich nicht wiederholen.
Ja, jetzt wird es schwierig. Sie müssen also ganz detaillierte Punkte finden. Nicht nur: Dankbar für die Unterstützung, sondern ganz konkret „Dankbar für den Tee ans Bett“. Die Folge ist: Sie werden achtsamer und gehen achtsamer miteinander um. Wenn man nämlich Dankbarkeit trainieren will, dann ist Achtsamkeit der Muskel dafür.
Die weitere Folge: Ihr Partner wird ebenfalls achtsamer, und mit großer Wahrscheinlichkeit wird er selbst überprüfen, was seine Macken bei Ihnen auslösen und ob er nicht doch etwas ändern möchte – Ihnen zuliebe. Weil er nämlich wirklich dankbar ist dafür, mit Ihnen zusammen zu sein. Aus Dankbarkeit macht man nämlich eine ganze Menge.
Wenn Sie richtig gut sind und wirklich etwas verändern wollen, dann lesen Sie sich die Punkte nach den zwei Wochen gegenseitig vor! Probieren Sie es aus!

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