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Paartherapie mit den eigenen Anteilen

Kann ich auch alleine Paartherapie machen?

Alleine in die Paartherapie? Das überlegen sich immer wieder Partner, die den Eindruck haben, es müsse sich unbedingt etwas verändern in ihrer Ehe oder ihrer Beziehung. Klar, gemeinsam wäre schon gut, aber vielleicht will der Partner – noch – nicht mit, vielleicht soll er auch zunächst gar nicht mit. Vielleicht geht es um einen Konflikt, der mit dem Partner gar nichts zu tun hat, sondern vor allem mit einem selbst? Und an dieser Stelle ist Anteilearbeit interessant und ein bewährtes Werkzeug.

Sich selbst ändern ist sinnvoller als den Partner ändern zu wollen

Anteilearbeit möchte ich gerne als eine Art „Paartherapie mit den eigenen Anteilen“ beschreiben. Was meine ich damit? Da gibt es einen Partner (=Anteil 1), der einen Wunsch oder ein Bedürfnis äußert und einen anderen Partner (=Anteil 2), der diesen Wunsch nicht erfüllen wird. Beispiel: Sie nehmen sich vor mehr Sport zu treiben, Ihr Anteil 1 (der „Ja“-Anteil) hat dafür gute Gründe wie Gesundheit, neue Kontakte, Spaß, und dann setzt sich aber doch immer wieder Anteil 2 (der „Ja, aber“- oder „Nein“-Anteil) durch. Und auch der hat überzeugende Gründe: zu wenig Zeit, zu teuer, zu anstrengend, doch kein Spaß, schlechte Erfahrungen). Sie kennen das sicher: da haben Sie eine interessante Idee entwickelt oder jemand macht Ihnen einen tollen Vorschlag, und plötzlich reißt es Sie geradewegs vorwärts, Sie richten sich auf und sagen „Ja, aber …!“ Das ist Ihr „Ja, aber“-Anteil. Immer da, immer präsent, hart alles mit – um sich im richtigen Moment zwischen Sie und Ihre Idee zu werfen.

Die Folge dieser Aktion (nicht immer, jedoch meistens): irgendwie wollen Sie schon, aber Ihr „Ja, aber“-Anteil übernimmt als Showrunner. Sie bleiben auf dem Sofa jonglieren mit Smartphone, Tablet, Buch und Fernbedienung. Das könnte entspannend sein, aber für Stress sorgen Ihr schlechtes Gewissen und die Selbstvorwürfe, mit denen Sie den „Ja, aber“-Anteil nun heftig angehen und beschimpfen. Sie werten ihn ab als „inneren Schweinhund“ und geben ihm die Schuld dafür, dass er Sie abgehalten hat etwas ganz Großartiges zu tun. Sie erleben eine Zerrissenheit, die Sie mehr Energie kostet, als würden Sie tatsächlich aufstehen und Ihre Sportsachen packen oder losjoggen.

Wir alle kennen diese Zerrissenheit. Wenn ich in der Praxis mit Paaren zusammensitze, nutze ich Anteilearbeit, um den Partnern die eigene Ambivalenz und die der Beziehungsperson näher zu bringen und verständlich zu machen. Bei jedem Konflikt prallen diese Anteile der Partner aufeinander. Da gibt es ein Bedürfnis von Partner A und Partner B kontert mit „Ja, aber …!“

Wenn ich beispielsweise erlebe, dass mein:e Partner:in ja doch einen, wenn auch kleinen Anteil hat, der ebenfalls gute Argumente für einen Umzug findet, fühle ich mich nicht mehr allein gelassen mit meinem Wunsch nach der größeren Wohnung. Und schließlich gibt es auch in mir einen kleinen Anteil, der Argumente dagegen findet. In unserer Ambivalenz verlieren wir unsere Polarisierung, die sagt: „Du willst immer das Gegenteil von mir!“. Stattdessen erfahren wir Differenzierung und fühlen uns dadurch verbundener und wieder als Team und Paar.

Genau diese Erleichterung kann auch durch einzelne Anteilarbeit entstehen, wenn ich erkenne, mein Ja- und mein Ja, aber-Anteil dürfen nebeneinander existieren und sie können zusammen als Team meine Bedürfnisse viel besser erfüllen als wenn ich in meiner Zerrissenheit bleibe und die Anteile gegeneinander arbeiten.

Ein solcher Umgang und Dialog mit den eigenen Anteilen lässt sich lernen. Beispielsweise kennt die Schematherapie der das Psychodrama Anteilearbeit. Auch die in Verbindung mit der Transaktionsanalyse und Kommunikationstechniken wie dem „Inneren Team“ wird Anteilearbeit erfolgreich eingesetzt. Basierend auf der „New Two Chair Work“ von Dr. Pete Pearson habe ich eine eigene Arbeitsweise entwickelt, die jeder alleine für sich erlernen kann. Dazu gibt es ein umfangreiches Arbeitsbuch, das von der Seite aus herunterladbar ist. Dieses PDF kann beispielsweise auf einem Tablet oder einem Notebooks bearbeitet werden. Geht auch am Smartphone, ist dann aber ein kleiner Bildschirm, der es vielleicht etwas mühsamer macht. Deshalb empfehle ich ein Tablet.

Innere Konflikte lösen

Eines meiner bewährtesten Werkzeuge – jetzt für dich zugänglich: In meiner Praxis gehört die 2-Stühle-Arbeit zu meinen effektivsten Interventionen. Sie hilft Menschen, die sich innerlich zerrissen und durch den Stress blockiert fühlen – die spüren, dass in ihnen verschiedene Stimmen ringen, und die sich nichts sehnlicher wünschen als Klarheit.

Mit diesem Arbeitsbuch kannst du diese Methode jetzt auch für dich nutzen – ohne Wartezeiten, ohne Terminabsprache, ohne Vorkenntnisse. Du kannst sofort beginnen, deine inneren Konflikte auf eine neue, respektvolle Weise zu klären.

Dieses Arbeitsbuch führt dich Schritt für Schritt:

  • Fokus verändern: vom inneren Streit zu innerer Kooperation
  • Erkennen: klären, was du wirklich willst und warum
  • Handeln wagen: erste kleine Schritte ausprobieren, ohne Druck

Wem es gelingt, in sich selbst vom „Ja, aber …“ zum „Ja, und …“ zu kommen, der kann diese Technik auch in der eigenen Beziehung mit Partnerin oder Partner anwenden. Möglicherweise ist für manche diese Reihenfolge auch die bessere: selbst wieder in Aktion kommen, die Kontrolle übernehmen und nicht länger in der Hilflosigkeit verharren, darauf warten zu müssen, dass sich die Beziehungsperson verändert.

Allein um die Beziehung kämpfen

Über jemanden zu reden, der nicht da ist, und eine Dynamik einseitig verändern zu wollen, birgt nach meiner Erfahrung einige Gefahren:

  • Sich alleine aufzuopfern, wo auch der Partner gefordert ist.
  • Auf verlorenem Posten zu kämpfen, wo einer bereits aufgegeben hat.
  • Den eigenen Anteil am Konflikt zu hoch einzuschätzen …
  • … oder zu niedrig und nur das Gewissen zu beruhigen, dass „man ja immerhin etwas tut“.
  • Dem Partner zu glauben, dass man selber „das Problem“ wäre.

Wann Paartherapie allein sinnvoll sein kann

Es hilft immer, sich mit mit dem eigenen Anteil eines Konfliktes zu beschäftigen und bereit zu sein, einen Veränderungs- oder Lernprozess zu beginnen und dies hat durchaus Vorteile:

  • Um eine Dynamik zu verändern, genügt es – im ersten Schritt –, wenn einer etwas ändert.
  • Um sich selber sicherer zu fühlen und die eigenen Verhaltensweisen einschätzen zu können.
  • Das gute Gefühl, zu investieren, kann motivieren und Zuversicht und Optimismus schaffen.
  • „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ Jemand muss den Anfang machen!

Was bringt Beziehung-Coaching allein?

Auf jeden Fall eine Bestandsaufnahme der eigenen Haltung zur Beziehung und zum Konflikt. Und die ist Voraussetzung dafür, eine Entscheidung zu treffen, welche Veränderungen nötig und welche vielleicht auch nicht nötig sind.

Mehr Wissen über Beziehungsdynamiken und die eigenen und die Anteile des Partners. Denn bereits wenn ein Partner sein Verhalten ändert, verändert sich dadurch das System.

Stärkt die Eigenverantwortung setzt einen Veränderungsprozess auf jeden Fall in Gang. Denn vielleicht ist das Ergebnis ja auch, dass bei aller Mühe es einfach mit dem Partner nicht „passt“.

Eine Menge Werkzeuge für Paarkommunikation und Konfliktlösung. Nicht selten bringt ein Partner aus dem Beziehungs-Coaching neue Tools mit in die Beziehung, die dann beide Partner nutzen können.

Als Auftakt einer Paartherapie alleine mit gutem Beispiel voran gehen. Häufig reagieren Partner, die zunächst nichts mit Paartherapie zu tun haben wollten, sehr positiv auf die Veränderungen und wollen sich an diesen beteiligen und mehr einbringen in einer gemeinsamen Paartherapie

Fazit: Soll ich Paartherapie allein beginnen?

Ein Beziehungs-Coaching als Einzelperson ist immer eine gute Idee. Die noch bessere Idee ist eine Paarberatung. Und alleine – oder auch gemeinsam mit dem Partner – lassen sich auch Online Kurse machen.

Eric Hegmann ist Paartherapeut mit Praxis in Hamburg. In seiner ARD Serie "Die Paartherapie" und im gleichnamigen NDR Podcast begleitet er echte Paare. Er ist Co-Gründer der Modern Love School .

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