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Warum Ihr Partner Ihr Bester Freund Sein Sollte

Warum Ihr Partner Ihr bester Freund sein sollte

Die Zutaten für eine glückliche Beziehung? Liebe, Leidenschaft, Vertrauen …  – die Standardantworten in Umfragen. Fast nie fällt der Begriff Freundschaft. Warum eigentlich? Dabei ist Freundschaft, was Paare durch Krisenzeiten bringt und glückliche Momente erst richtig genießen läßt

Wenn man sich in den besten Freund verliebt und wenn aus Freundschaft Liebe wird: hierzulande wird das skeptisch gesehen, denn Freundschaft und Liebe wird getrennt. So als würde das eine mit dem anderen nicht zusammengehen können. Das sofort beschriebene Schreckensszenario: „Dann geht unsere Freundschaft kaputt!“ Nicht selten entscheiden sich Paare sogar gegen eine Liebesbeziehung, weil sie ihre „Freundschaft nicht riskieren wollen“.

„Ehen scheitern nicht am Mangel von Liebe, sondern am Mangel von Freundschaft“ – Friedrich Nietzsche

Diese Haltung hat ihre Ursprünge in der jüngeren Geschichte der Ehe, genauer gesagt aus der Zeit, als die Ehe geschlossen wurde als Vorsorge für das Alter, als Chance eines sozialen Aufstiegs, zur Sicherung der Erbfolge, um gesellschaftliche Verpflichtungen zu erfüllen. In dieser Phase galt Liebe als das größte Sicherheitsrisiko einer Ehe. Warum? Weil Leidenschaft eine zerstörerische Kraft besitzt, wenn sie erlischt. Weil man damals annahm, dass leidenschaftliche Partner irgendwann ihre Leidenschaft außerhalb der Ehe befriedigen würden – ohne Rücksicht auf Konventionen und Regeln. Das war vor etwa etwa 200 Jahren.

In „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert beschrieb damals, wie die Protagonistin aus ihrer Ehe auszubrechen versuchte. Nach den Vorwürfen der Zensur, den Ehebruch zu verherrlichen und gegen die guten Sitten zu verstoßen, wurde das Drama zu einem der großen Meisterwerke der Weltliteratur und ebnete den Weg zur romantischen Ehe, wie sie heute bei uns üblich ist. Liebe ist alles, Liebe versetzt Berge, in der Liebe ist alles erlaubt … – das ist Überzeugung und Verklärung zugleich. Dass Liebe Freiheit benötigt, fällt dabei oft hintenüber, weil Verlustangst und Bindungsangst den Blick nur auf sich selbst und nur vermeintlich auf den Partner lenkt. Der eifersüchtige Partner denkt an sich, ebenso derjenige, der fürchtet im Wir einer Beziehung sein Ich aufgeben zu müssen.

„Heiraten Sie Ihren besten Freund“ – Prof. John Gottman

Der Unterschied zwischen einem Liebespartner und einem besten Freund ist weitgehend konstruiert durch Ängste. Weil Beziehungsmodelle hinterfragt werden, wenn einerseits der Partner heute „alle Aufgaben erfüllen muss, für die früher ein ganzes Dorf zuständig war“, wie Esther Perel es in ihrem berühmten TED-Talk formulierte, andererseits aber sexuelle Anziehungskraft Freundschaften bedrohen kann. Gegengeschlechtlich und gleichgeschlechtlich. Gesellschaftlich wird hier eine Grenze gezogen zwischen Liebe, Leidenschaft und Freundschaft, um den Status Quo der romantischen Liebesheirat nicht in Frage zu stellen. Das Bemerkenswerte daran: in Umfragen zweifelt niemand, dass Freundschaften heute Ehen meist überdauern. Zu sagen, ich verliebe mich nicht in meinen besten Freund, weil ich Angst habe, dadurch meine Freundschaft zu ihm zu riskieren, ist eine Schutzstrategie, die nur bedingt aufgeht.

John Gottman nutzt in seinen „Sieben Geheimnissen der glücklichen Ehe“ einen Freundschaftsbegriff, der weit über oberflächliche Gemeinsamkeiten und Interessen reicht. Freundschaft sagt, dass die Freund füreinander da sind, dass sie sich loyal verhalten, sich gegenseitig unterstützen, sich anerkennen und Dankbarkeit und Aufmerksamkeit schenken. Sie rechnen nicht auf – was Paare häufig tun, wenn sie ihr inneres Beziehungskonto überprüfen. Wenn in Streits „Immer machst du …“ gegen „Nie machst du …“ in Stellung gebracht wird. Wenn bei jedem Wunsch und jeder enttäuschten Erwartung die Angst mitschwingt: „Würdest du mich wirklich lieben, dann würdest du …“

„Heiraten Sie Ihren besten Freund!“ Sage ich das in der Beratung Singles, sehen mich diese entsetzt an und fragen, wo bei diesem Ansatz denn die Romantik bliebe. Aber wenn ich das glücklichen Paaren sage, dann nicken diese und bestätigen sich gegenseitig, wie gut sie miteinander befreundet wären.

Persönlichkeitstest: Woran bin ich mit ihm?

Kein „Liebestest“, sondern eine seriöse Einschätzung der Beziehungspersönlichkeit Ihres neuen Partners. In meiner Arbeit liegt ein Schwerpunkt auf dem Bindungsverhalten und den negativen Überzeugungen und Glaubenssätzen, die zu Ängsten und zu Schutzstrategien vor erneuten Verletzungen führen. Darauf basierend habe ich den Test entwickelt: Woran bin ich mit ihm? Ist er der Falsche oder der Richtige? Er ermöglicht Ihnen Antworten auf die Fragen: Was treibt ihn an? Was macht ihn glücklich? Wonach strebt er? Denn wenn Sie dies wissen, dann können Sie entscheiden, ob sich das für Sie langfristig gut anfühlen wird.

Online Kurs: Gehen oder bleiben? Woran erkennen Sie, ob eine Beziehung zu Ende ist?

Im Online Kurs “Gehen oder bleiben? Woran erkennen Sie, ob eine Beziehung zu Ende ist?” finden Sie fünf Tests mit insgesamt über 200 Fragen, die Ihnen Ihre Entscheidung nicht abnehmen, aber sehr viel leichter machen werden.

Macht meine Beziehung noch Sinn? Woran erkennt man, dass eine Beziehung am Ende ist?

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise