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Sich In Der Beziehung Gehen Lassen – Bequem Oder Nachlässig?

Sich in der Beziehung gehen lassen. Muss das sein? In der Beratung ist immer wieder ein Vorwurf: „Du lässt dich gehen!“ Das war auch Thema im Talk im Sat.1 Frühstücksfernsehen.

„Du lässt dich zu sehr gehen!“

Das hört niemand gerne. Doch: Zwei Herzen schlagen wohl in jeder Brust, ob Mann oder Frau: Wir wünschen uns in einer Beziehung, geliebt zu werden so wie wir sind, denn wir möchten uns nicht verstellen müssen.

Gleichzeitig finden wir dauerhaft nur jemanden anziehend, der sich für uns Mühe gibt.

Es ist ein schmaler Grat zwischen bequem und nachlässig. Der Vorwurf „Er / Sie lässt sich gehen“ kommt meist in deutlichen Worten. Die Partner setzen dann zu einem Ja, aber …“ an, wissen jedoch, dass es gerade nicht um Verteidigung und gewiss nicht um Gegenangriff gehen soll, und nicken. Dann hören sie zu, sind – meist – verständig, versprechen, sich mehr Mühe zu geben und würden gerne jetzt selbst zu Wort kommen. Denn sie empfinden das ähnlich, was ihre Partner meist sehr überrascht. (Zugegeben, würde das Paar sich tatsächlich über Wünsche und Bedürfnisse austauschen, wäre es vermutlich nicht in der Beratung.

Wer lässt sich häufiger gehen, Männer oder Frauen?

Der Statistik nach lassen sich Frauen häufiger IN der Beziehung gehen, Männer dafür DANACH. Aber am Ende entscheidet sich das von Paar zu Paar individuell. Und auch, was der Partner als sich gehen lassen empfindet, ist Frage der eigenen Perspektive.

Ist es die Jogginghose? So kuschelig und spannt nach dem Abendessen nicht am Bauch. Bequem. Aber nicht sexy.

Oder sein allabendliches Bier? Oder ihre Schokolade? Sehr überspitzt sagt das Klischee: Säufer gegen Naschkatze. Dahinter stecken jedoch immer wieder erhobene Vorwürfe, die nicht bösartig sein müssen. Sie fragt: „Kannst du nicht auf deine Gesundheit achten?“ Er fragt: „Kannst du nicht auf deine Figur achten?“

Was passiert da? Es ist der unausgesprochene Vorwurf: „Wenn du mich lieben würdest, dann …“ Der ist aber keine geschlechtsspezifische Erfindung, sondern menschlich. Denn jeder findet es sehr anziehend, wenn sich jemand Mühe gibt. Das zeugt von Interesse, Aufmerksamkeit, Verbindlichkeit. All die Tugenden, die Beziehungen am Leben erhalten.

Sich gehen lassen – oder den Anschein zu erwecken – ist genau das Gegenteil von sich Mühe geben.

Dadurch ziehen rasch negative Gedanken in die Beziehung ein und die richten bereits mittelfristig schweren Schaden an der Liebe an. Da gibt es die berühmte 5:1 Formel von Professor Gottman. Er hat erforscht, dass es etwa fünf positive Impulse und Gedanken benötigt, um eine negative Situation auszugleichen.

Welche Impulse können das sein? Fürsorge und Attraktivität sind besonders häufige männliche Beziehungs-Trigger. Frauen achten stärker auf liebevolles Verhalten, auf Bestätigung, Dankbarkeit und Zeichen der Aufmerksamkeit.

Der Partner lässt sich gehen: Was tun?

Die Dosis macht als das Gift. Also: Entspannt sein ja, gehen lassen, nein. Gilt für beide Geschlechter.

Eine Spur Reflektion hilft, bevor man seine Enttäuschung in schwere Worte kleidet: Vielleicht erlebt der Partner das ebenso – nur auf seine Weise und in anderen Situationen. Und natürlich Humor: Was nämlich für lang andauernde, positive und damit verbindende Gefühle sorgt – ist ein lächelndes Gesicht.

Wie sage ich es, was mich stört?

Der erste Versuch sollte immer sein: So wie umgekehrt ich es gerne hören würde. Die meisten Partner werden darauf gut reagieren.

Jedes Paar ist anders, jeder Partner ist anders, deshalb gibt es nicht die eine Regel. Hilfreich ist aber sicher, sich fürsorglich und liebevoll zu zeigen statt zu kritisieren. Auf Kritik reagieren Menschen mit Flucht oder Gegenangriff. Deshalb: 5:1 bedenken. Positives betonen, Negatives möglichst nicht als Angriff verkleiden

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paartherapeut, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist in seinem Fachbereich einer der meist zitierten Experten im deutschsprachigen Raum. Seit über 15 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise und Gründer der Modern Love School .

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