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Was Bringen Beziehungspausen?

Was bringen Beziehungspausen?

Sich Zeit nehmen, die eigenen Gefühle zu überdenken. Herausfinden, ob die Partner noch die gleichen Ziele verfolgen. Klingt gut. In der Theorie. Und in der Praxis?

On-Off-Beziehungen machen Menschen krank

US-amerikanische Forscher haben mit einer Studie nachweisen können, wie sehr „On-Off-Beziehungen schaden. Die Partner macht ein solches emotionales Hin und Her depressiv oder führt zu Angstzuständen. Denn wenn die Sicherheit einer gemeinsamen Zukunft wiederholt in Frage gestellt wird, fehlt irgendwann der Optimismus, der glückliche Paare zusammenhält. Diese Ergebnisse decken sich mit meiner Erfahrung aus der Paartherapie und Beratung. Fast alle Partner leiden sehr unter einer so genannten On-Off-Beziehung.

„Ich glaube, wir benötigen etwas Abstand.“ – „Wir sollten eine Pause einlegen.“ Immer wieder erlebe ich in der Beratung, dass für mindestens einen Partner eine Beziehungspause eine Option darstellt. Wie die dann umgesetzt wird, ist vielfältig. Getrennter Urlaub. Ein ausgedehnter Besuch bei Eltern oder Freunden. Eine zweite Wohnung. Jedes Paar findet da eine eigene Möglichkeit.

Wenn Sie sich überlegen, ob Ihrer Liebe eine Beziehungspause guttut, sollten Sie sich mit einigen Fragen auseinandersetzen. Meine Antworten basieren auf Erfahrungen von Klienten und sind nicht repräsentativ. Jedes Paar entscheidet am Ende für sich, was hilft – und was verletzt.

Welche häufigen Gründe gibt es für eine Trennung oder eine Beziehungspause?

Die meisten Paare trennen sich letztendlich, weil sie zu wenig über die relevanten Themen ihrer Beziehung gesprochen haben. Die reichen von unerfüllten sexuellen Wünschen bis hin zu einer ungerecht empfunden Arbeitsteilung im Haushalt. Die Anlässe einer Trennung sind häufig die Folge von Bindungen außerhalb der Beziehung, nicht unbedingt sexueller Natur, durchaus auch freundschaftlicher, wenn sie die Exklusivität des paares angreifen. Es klingt banal, aber ein Paar, dass sich wie beste Freunde über jedes Thema unterhalten kann, kennt alle Ziele und Hoffnungen des Partners. Das ist die Grundlage für Kompromisse, Verhandlungen und Tauschgeschäfte, wenn die Bedürfnisse sich unterscheiden – was sie bei jedem Paar immer wieder tun. Bedürfnisse, egal welcher Art, auch nach Aufmerksamkeit, nach Ansprache, nach Lob und Anerkennung, außerhalb der Beziehung zu befriedigen, birgt große Gefahren. Beziehungspausen unterstützen das eher als dass sie neue Bindung schafft.

Ist eine Beziehungspause von Anfang an zum Scheitern verurteilt?

Statistisch ist die Chance tatsächlich eher gering. Denn damit die alten Trennungsgründe nicht die neuen werden, braucht es Veränderungen in den Verhaltensweisen. Diese benötigen fast immer neue Erfahrungen und die wiederum Zeit. Der Wunsch, den Partner verlieren zu wollen, ist ein normaler Bestandteil der Trennungsphase. Ist die verarbeitet, wollen jedoch die wenigsten Menschen ihren früheren Partner wieder an ihrer Seite, sondern sich auf eine neue Person einlassen.

Entscheidend ist, ob nicht vielleicht ein Partner bereits die Beziehung innerlich aufgekündigt hat oder ob es die Trennung auf Zeit nutzt, um nach Wegen zu suchen die Krise zu meistern. Beide Partner müssen dabei während der Beziehungsauszeit weiterhin das gemeinsame Ziel verfolgen, dass es wieder besser wird. Es kann durchaus vorkommen, dass für einen Partner die Beziehung bereits keinen Sinn mehr macht und er nun beim Nachdenken allein erst recht zu der Erkenntnis kommt, alle Mühen seien vergeblich – dann hat die Partnerschaft selbst leider keine Zukunft mehr.

Welche Chance kann eine Trennung auf Zeit mit sich bringen?

Sie können sich klar werden, was Sie eigentlich an Ihrem Partner hatten. Ein häufiger Konflikt in Beziehungen ist mangelnde Achtsamkeit und Dankbarkeit für das, was man hat. Menschen begehren vor allem, was sie nicht haben. Schnell wird daraus ein negativer Gedanke, der nicht mehr zu würdigen weiß, wie gut man es eigentlich hat. Da vermutet man rasch, das Gras wäre woanders grüner. Eine Trennung auf Zeit kann den Blick darauf gerade rücken. Das Gras nebenan ist nämlich oft viel oller und nur eine Mogelpackung als das im eigenen Garten. Aber: Erkenntnis alleine genügt nicht, damit das Liebes-Comeback funktionieren kann. Es braucht neue, veränderte Verhaltensweisen. Es muss klar sein, dass die Partner ihre Beziehung tatsächlich neu aufsetzen können, damit sie ihre Konflikte nicht wiederholen. Denn in der Kommunikation und im Streit folgen Menschen Mustern. Die legen sie nicht so einfach ab. Das ist harte Arbeit an sich selbst. Das bekommen nicht viele hin.

Regeln für die Beziehungspause

Wer sich auf eine Beziehungsauszeit einlässt, muss die Bedingungen genau verhandeln. Je nach Trennungsgrund schließen sich einige Dinge aber aus. Gab es eine Affäre, darf der Kontakt zur Außenbeziehung nicht aufrecht gehalten werden. Mancher weiß erst, was er am Partner hat, wenn er erlebt hat, dass das Gras beim Nachbarn nicht grüner ist. Es gibt da keine Regel, die für jedes Paar gilt. Grundsätzlich ist eine Beziehungspause bereits eine Zäsur, in der die Beziehungsregeln aufgehoben sind. Sonst braucht es keine Pause. Sex mit dem Partner während der Beziehungspause ist keine gute Idee, weil sich ein Partner insgeheim erhofft, die Pause zu beenden. Ich erlebe oft in der Beratung, dass Paare intim sind in ihrer Beziehungspause und ein Partner danach erschüttert ist, wenn dies für den anderen Partner kein Signal eines Neubeginns war.

Sex mit dem Ex

Zugegeben: Sex mit dem Ex ist natürlich verlockend, denn wer sich lange kennt, weiß, was zu tun ist, um befriedigende Intimität zu erleben. Allerdings ist jede Trennung auch ein Entzug. Das meine ich im Wortsinn, denn auf biochemischer Ebene ist bei einer Trennung der Verlust von Bindungshormonen wie Oxytocin und Vasopressin ein Entzug von körpereigenen Drogen. Daher auch die körperlichen und psychischen Entzugserscheinungen. Sex mit dem Ex bedeutet einen Rückfall. Empfehlenswert ist er deshalb nicht. Niemand würde einen Alkoholiker zum Entzug in einen Weinkeller setzen.

Wann ist es endgültig vorbei?

Eine Beziehung ist dann vorbei, wenn ein Partner sie aufgekündigt hat. Solange das Paar gemeinsam an den Konflikten arbeiten möchte, besteht Hoffnung. Ist einer im Geiste aber bereits ausgezogen, dann hat all das Kämpfen wenig Sinn und ist nur schmerzhaft. Ich erlebe es leider häufig, dass die Beziehungspause nur ein Beziehungsende in kleinen Schritten darstellt, teils um den Partner nicht zu verletzen, teils aus Selbstschutz. Paarberatung und Coaching kann auch hierbei helfen, die Trennung weniger schmerzhaft zu gestalten – und vor allem so aufzuarbeiten, dass die neue Beziehung nicht durch frühere Erlebnisse belastet wird.

Warum können Partner einander manchmal nicht loslassen und probieren es immer wieder?

Bei einer Trennung ist der Wunsch nach einem Neuanfang mit dem Ex eine ganz normale Phase. Doch auf diese sollte irgendwann die Erkenntnis folgen, dass ein Liebes-Comeback nur dazu führen wird, dass die alten Trennungsgründen auch die neuen sein werden, und dass es gut ist, dass die unglückliche Beziehung vorbei ist, denn nur dadurch wurde der Weg frei gemacht für eine neue, glückliche Beziehung – mit einem anderen Partner. Paare, die sich dauerhaft in einer On-Off-Beziehung quälen, schaffen es nicht über die „Ex zurück“-Phase hinaus, sie hängen in einer schmerzhaften Schleife aus Hoffnung und Enttäuschung fest.

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise