Benching – Auf Die Lange Bank Schieben Statt Eine Entscheidung Treffen

Benching – Das neue Dating Phänomen der Generation Unverbindlich

Benching – Auf die lange Bank schieben statt eine Entscheidung treffen. Nach Ghosting kommt jetzt Benching. Die Aufgabe von Verbindlichkeit und Gewissheit.

Bench ist englisch für Bank. Wer jemanden ‘bencht“, der lässt die neue Bekanntschaft „auf der langen Bank sitzen“. Das heißt, ab und an eine Nachricht, eine Mitteilung auf der Timeline und immer wieder „Wir sollten uns wirklich einmal treffen!“ Allerdings ohne Terminvorschlag, das wäre zu verbindlich. So vergehen die Wochen, manchmal sogar Monate. Und nichts geht voran.

Benching ist ein weiteres Symptom der Generation Tinder, oder der Generation Unverbindlich oder der Generation Beziehungsunfähig. Also eine gefühlte Wahrheit zwischen medialer Übertreibung und tatsächlicher Verunsicherung. Benching bezeichnet einen Mangel an Verbindlichkeit auf der einen und zu wenig Gewissheit auf der anderen Seite.

Wer nämlich Opfer von Benching wird, hängt permanent in der Dating-Warteschleife um bei Laune und warm gehalten zu werden. Nach einer Weile kann sich das jedoch anfühlen wie auf kleiner Flamme gekocht. Nicht zu wissen, woran man ist, hinterlässt ein sehr unschönes Gefühl. Aufbau von Selbstbewusstsein geht anders. Wertschätzung sowieso.

Vor allem ist Benching die deutliche Botschaft: Du bist keine Priorität, du bist eine Option.

Ungewissheit ist ein Gefühl, das sehr ungerecht daherkommen kann. Doch Gewissheit steht erst am Ende der Kennenlernphase. Es gibt keine verbindlichen Dating-Regeln. Es gibt nur persönliche Grenzen, den individuellen Leidensdruck und die eigene Komfortzone. 

Lässt sich daraus eine Erwartungshaltung ableiten, Gewissheit und Verbindlichkeit einfordern zu können von einer Person, die bisher keine Verpflichtung eingegangen ist und keine Verlobung und kein Eheversprechen abgegeben hat? Nicht einmal die tatsächliche Aussicht auf eine Beziehung, wenn man mal ganz ehrlich ist.

Auf der Parkbank sitzen und warten ist unschön und je nach Stadium des Kennenlernens sogar ziemlich schmerzhaft. Doch nehmen wir uns in der umgekehrten Situation nicht auch das Recht heraus, uns für Entscheidungen die Zeit zu nehmen, die wir benötigen?

Ach ja, immer diese Entscheidungen. Damit tun wir uns oft schwer. Und ganz sicher ist Benching ein typisches Symptom einer Zeit, in der Entscheidungen schwer fallen. Aber warum fallen sie so schwer?

Weil wir uns von hohen Erwartungen so verunsichern lassen, dass wir lieber jede Entscheidung auf die lange Bank schieben, bevor sie uns den Traum vom Liebesglück wie im Disney-Märchen verbaut. Weil wir uns von der vermeintlichen Vielfalt täuschen lassen und insgeheim hoffen, der nächste Kandidat wäre noch näher dran am Ideal. Weil wir vor Nähe eben immer auch diese diffuse Angst haben, verletzt zu werden – und dann halten wir lieber Distanz. Dagegen lässt sich steuern – wenn man sich denn entscheiden kann, etwas zu verändern. Und nicht nur verändern zu wollen.
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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise