Überspringen zu Hauptinhalt
Paarkommunikation

Darum geht es:

  • Was bedeutet zugewandte Kommunikation in der Beziehung? Was sind „Bids“?
  • Forschungsergebnisse von Pro. John Gottman zeigen die Unterschiede zwischen „Beziehungs-Meistern“ und „Beziehungs-Desaster“
  • Wie einfach es ist, „Bids“ in den Beziehungs-Alltag zu integrieren
  • Warum „Bids“ Ihre Beziehung und Verbindung sicherer machen und Sie weniger Konflikte erleben werden

So geht gute Kommunikation: Der US amerikanische Beziehungsforscher Prof. John Gottman unterteilt Paare in „Relationship Masters“ und „Relationship Desasters“. Was trennt nun die Beziehungsmeister von den Beziehungskatastrophen? Es ist die Art der Kommunikation.

Wie wichtig ist Kommunikation in einer Beziehung?

Ja, Kommunikation in Beziehungen ist wichtig, es heißt ja immer: „Partner müssen miteinander sprechen!“ Aber das ist es nicht alleine. Es geht vor allem um das Wie? Gottman führte seine Forschung zusammen mit seinem Kollegen Robert Levenson an der Universität von Washington durch. Er brachte Paare in eine Beobachtungseinrichtung, die von den Medien als „Love Lab“ bezeichnet wurde, und zeichnete sie auf, wie sie über ihre Beziehung sprachen. Er bat sie, zu erzählen, wie sie sich kennengelernt hatten, und dann von einem kürzlichen Streit zu berichten. Einige Paare ließ er sogar eine Woche in einer mit Kameras ausgestatteten Wohnung verbringen (mit ihrer Zustimmung), um zu sehen, wie sie in alltäglichen Momenten interagierten.

Sechs Jahre später meldeten sich die Forscher wieder bei den Paaren und teilten sie in zwei Lager ein: die Meister, also die Paare, die noch glücklich verheiratet waren, und die Verlierer, also die Paare, die sich entweder getrennt hatten oder zwar zusammenblieben, aber unglücklich waren. Als er die Tonbänder dieser beiden Paartypen untersuchte, suchte er nach Unterschieden im Inhalt ihrer Gespräche. Worüber sprachen die „Master“, was die „Desaster“ nicht taten?

Test: Wie stark ist unsere emotionale Verbindung?

0%

Ich kann die Aufmerksamkeit meines Partners leicht erreichen

Mit meinem Partner kann ich mich sehr einfach auf emotionaler Ebene verbinden

Mein Partner zeigt mir, dass ich seine oder ihre ich höchste Priorität bin

In unserer Beziehung fühle ich mich nicht einsam oder ausgeschlossen

Mit meinem Partner kann ich meine tiefen Emotionen teilen

Wenn ich Nähe und Unterstützung benötige, kann ich mich auf meinen Partner verlassen

Mein Partner erkennt die Situationen, in denen ich seine oder ihre Nähe benötige

Wenn ich mich ängstlich oder sicher fühle, kann ich mich an meinen Partner wenden

Auch wenn wir streiten wissen wir: Wir gehören zusammen!

Ich fühle mich sehr wohl in der Nähe meines Partners

Ich kann meinem Partner nahezu alles anvertrauen

Auch wenn wir räumlich getrennt sind, verspüre ich eine emotionale Nähe

Ich bin mir ganz sicher, dass mein Partner sich Gedanken macht über meine Gefühle

Test: Wie stark ist unsere emotionale Verbindung?
Starke emotionale Verbindung
Sie sind auf einem guten Weg zu einer starken emotionalen Verbindung. Nach Ihren Antworten fühlen Sie sich überwiegend sicher in Ihrer Beziehung. Sie können sich auf Ihren Partner oder Ihre Partnerin verlassen. Sie fühlen sich überwiegend gesehen und gehört und wahrgenommen. Emotionale Bindung stärken ist ein andauernder Prozess. Aktuell gelingt Ihnen das ganz gut. Machen Sie weiter so! Quelle: Dr. Sue Johnson: The ARE Questionnary
Verbindung könnte stärker sein
Sie fühlen sich in Ihrer Beziehung nicht so häufig gesehen, gehört und wertgeschätzt, wie Sie sich das wünschen. Möglicherweise ist das ein Grund, weshalb immer wieder Konflikte entweder eskalieren oder vermieden oder vielleicht sogar totgeschwiegen werden. Je sicherer die emotionale Verbindung, umso konstruktiver ist jede Konfliktlösung. Denn wenn Konflikte eskalieren, dann geht es – nahezu – immer um emotionale Themen und nicht um Sachthemen. Quelle: Dr. Sue Johnson: The ARE Questionnary
YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Tipps für eine bessere Kommunikation in der Partnerschaft

In seinem Buch „The Relationship Cure“ schreibt Gottman: „Aber nachdem ich mir diese Bänder monatelang mit meinen Studenten angesehen hatte, dämmerte es mir. Vielleicht ist es nicht die Tiefe der Intimität in Gesprächen, die zählt. Vielleicht spielt es nicht einmal eine Rolle, ob Paare sich einig sind oder nicht. Vielleicht ist das Wichtigste, wie diese Menschen einander Aufmerksamkeit schenken, ganz gleich, worüber sie sprechen oder was sie tun.

Einfach ausgedrückt: Erfolgreiche Paare sind achtsam. Sie hören zu und legen ihr Handy weg, wenn der andere sprechen möchte. Jedes Gesprächsangebot, jede Bitte um ein Gespräch, nennt er ein „Bid“ (dt. Gebot). Und die Reaktion darauf, die lässt such unterteilen in

  • zugewandte
  • neutrale
  • abgewandte

Kommunikation. Was bedeutet das? Ich möchte ein Beispiel anführen, das ich auch immer in meinen Seminaren zitiere. Sie gehen spazieren, Ihnen ist kalt.

  • Nicht nur bemerkt Ihr Partner das, er schlägt auch gleich vor, ins nächste Café zu gehen und will Sie zu einem heißen Getränk einladen. Das ist zugewandte Kommunikation: aufmerksam, kreativ und fürsorglich.
  • Neutrale Kommunikation wäre, wenn Sie gleichgültig sagen, Ihnen ist kalt und er antwortet: „Ja, ziemlich frisch heute.“
  • Und abwertende, abgewandte Kommunikation wäre, würde er sagen: „Warum hast du dir nicht etwas Wärmeres angezogen, du bist wie ein Kleinkind, auf das ich aufpassen muss.“

Zusammengefasst: Zugewandte Kommunikation ist Bestätigung und Teilen von Emotionen. Neutrale Kommunikation bewegt sich dagegen eher auf dem Niveau „Ja, nein, vielleicht, ach so …!“ Und abgewandte Kommunikation klingt unabhängig vom Wortlaut irgendwie immer nach „Lass mich in Ruhe!“

So funktioniert Kommunikation in einer Beziehung

Auf der Grundlage dieser Forschungsergebnisse entwickelte Gottman einen der Kernsätze seiner Philosophie für den Aufbau erfolgreicher Beziehungen: Gesunde Paare machen ständig „Bids“, um sich miteinander zu verbinden – und sie erkennen sie und nehmen sie an.

Was ist ein „Bid“?

Gottman bezeichnet „Bids“ als „die grundlegende Einheit der emotionalen Kommunikation“. Gebote können klein oder groß, verbal oder nonverbal sein. Sie sind Aufforderungen, sich zu verbinden. Sie können die Form eines Ausdrucks, einer Frage oder eines körperlichen Einsatzes annehmen. Sie können lustig, ernst oder sexuell sein.

„Bids“ sind oft sehr subtil, weil Partner auch Angst spüren, sich verletzlich zu zeigen und bedürftig zu wirken. Es ist Furcht einflößend sich zu offenbaren: „Hey! Ich wünsche mir eine Verbindung!“ Also stellen viele Menschen irgendeine eine Frage, erzählen irgendeine Geschichte und reichen uns damit ihre Hand zur Verbindung an. Und hoffen, dass sie im Gegenzug eine Verbindung erhalten. Wird auf die nicht reagiert, dann ist das weniger niederschmetternd als eine Zurückweisung auf einen Appell wie: „Verbinde dich mit mir, bitte!“

Wie kann ich auf ein „Bid“ reagieren? Es gibt drei Möglichkeiten:

  • Zugewandt („Bid“ anerkennen)
  • Neutral („Bid“ ignorieren oder übersehen)
  • Ablehnend („Bid“ abwertend ablehnen)

Mein Partner versteht mich nicht! – Paarkommunikation und Streitkultur verbessern

Miteinander reden, Bindung schaffen und Konflikte lösen: Der Kommuni­kationskurs für mehr Liebe.

Jetzt Online Kurs ansehen

Mein Partner versteht mich nicht! – Paarkommunikation und Streitkultur verbessern

Warum ist eine gute Kommunikation in der Beziehung so wichtig?

Alles, was Partner im Alltag miteinander und füreinander tun, bildet die Grundlage für Vertrauen, emotionale Bindung, Leidenschaft und ein befriedigendes Sexualleben. Gottman fand einen entscheidenden Unterschied in der Art und Weise, wie Master und Disaster auf Angebote zur Verbindung reagieren. Im Love Lab wendeten sich Master in 86 % der Fälle einander zu. Desaster wendeten sich nur in 33 % der Fälle einander zu.

Was passiert, wenn „Bids“ ignoriert werden?

Wenn unser Partner unsere „Bids“ ablehnt, verinnerlichen wir diese Erfahrung. Unser Gehirn merkt sich, wie viele Gebote von unseren Partnern angenommen oder abgelehnt werden. Wenn unser Partner unsere Gebote ständig ablehnt, fühlen wir uns frustriert. Wir erleben Furcht, dass unsere Verbindung unsicher geworden sein konnte. Das erzeugt Stress. Und wir neigen dann dazu, unseren Partner zu kritisieren, was ihn in die Defensive drängt und zu einem Streit führen kann. An dieser Stelle verbinden sich die Theorien der Gottman Paartherapie mit der Emotionsfokussierten Paartherapie von Dr. Sue Johnson. Ich arbeite seit Jahren mit beiden Methoden in der Paartherapie.

Paare trennen sich bei näherem Hinsehen nicht wegen großer Streitereien oder Untreue. Viel häufiger ist es das Ergebnis von Distanz, die im Laufe der Zeit immer größer wird, weil die Partner immer wieder „Bids“ zurückweisen. Dies ist übrigens eine These, die auch die bekannte US amerikanische Therapeutin Esther Perel immer wieder betont, deren Online Programm für Paartherapeuten ich einige Jahre begleitet habe.

Was sind die Kommunikationsregeln für Paare?

Machen Sie jeden Tag viele kleine „Bids“. Seien Sie aufmerksam und wenden Sie sich den Angeboten Ihres Partners zu. Achten Sie auf seine Seufzer und sein Augenzwinkern. Stellen Sie Augenkontakt her, wenn er Ihnen eine Frage stellt. Gehen Sie auf ihn ein, wenn er Sie auf etwas hinweist. Beziehungen werden mit täglicher Aufmerksamkeit aufgebaut und gepflegt, nicht mit großen Gesten.

Wie oft sollte ich „Bids“ anbieten?

Bieten Sie oft. Meistern Sie die Kunst des kleinen Moments. Zeigen Sie, dass Sie sich interessieren. Schicken Sie vor einem Treffen eine Textnachricht. Hinterlassen Sie einen ermutigenden Zettel am Kühlschrank. Küssen Sie Ihren Partner, wenn er zur Tür hereinkommt – Gottman empfiehlt einen Kuss, der mindestens sechs Sekunden dauert.

„Bids“ können sehr kurz und einfach sein, aber sie haben eine große Wirkung. Das Wichtigste ist, dass Sie viele Gebote pro Tag machen, um Ihrem Partner zu zeigen, dass Sie eine Verbindung wollen. Glückliche Paare bieten ständig „Bids“. Sie werden erleben, Ihre gesamte Beziehung wird anders. Vielleicht erleben Sie, wie die Paartherapeutin Esther Perel sagen würde, „eine zweite Beziehung“ zueinander. Nehmen Sie sich die Zeit, mehr „Bids“ zu geben. Und achten Sie darauf, dass Sie auf die „Bids“ Ihres Partners achten. Und legen Sie Ihr Handy weg. Und hören Sie zu.

Quellen:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Eric Hegmann ist Paartherapeut, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht. Seit über 15 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise und Gründer der Modern Love School .

Warenkorb