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Wohin Mit Den Erinnerungen?

Wenn eine Beziehung beendet ist, dann bleiben immer auch Dinge zurück, die an die Beziehung erinnern. Sollte man diese aufheben oder weggeben?

Einpacken? Wegwerfen? Spenden? Was tun mit den Erinnerungen an die vergangene Beziehung und den Ex-Partner? Das ist wohl vor allem davon abhängig, welcher Art die Erinnerungen an die Beziehung sind und in welcher Phase der Trennung man sich befindet. Ist der Liebeskummer sehr stark, dann gehören Erinnerungsstücke verpackt und aus Reichweite und dem Blick. Denn jede Erinnerung sorgt dafür, dass die Entzugserscheinungen der Liebe zurückkommen. Wer mit dem Rauchen oder dem Trinken aufhören will, der setzt sich dazu nicht in einen verqualmten Weinkeller. Erinnerungsstücke können die Trennungsphase um Monate und Jahre in die Länge ziehen. Aber natürlich gibt es auch Beziehungen, an die man sich gerne erinnert.

Erinnerungsstücke sind eine Art Tagebuch

Das gerahmte Foto vom Urlaub an der Küste, die Kuscheldecke, die ein Weihnachtsgeschenk war, die nie benutzten Laufschuhe … Solche Erinnerungsstücke sind Gedankenstützen. Abrufbare Momente, mit denen wir Emotionen verbinden, die uns glücklich und fröhlich gemacht, vereint und geborgen gefühlt haben. Bei der Erinnerung werden Gehirnregionen angesprochen und stimuliert, die dafür sorgen, dass wir zurückliegende Situationen erneut spüren und wahrnehmen können. Erinnerungsstücke können deshalb unbeschreiblich wertvoll sein. Vielleicht haben wir nach 30 Jahren schon ganz viel einer geliebten Person vergessen, doch wenn wir uns mit einer solchen Gedankenstütze an sie erinnern, dann ist sie plötzlich wieder bei uns, wenn auch nur für einen Moment. Es sind die Erinnerungen, die unbezahlbar sind, nicht die Gegenstände.

Woher rührt das Bedürfnis, wenn man diese Dinge aufheben will?

Ist man dann noch nicht über das Ende der Beziehung hinweg? Zunächst kurz nach einer Trennung wünschen sich die meisten Menschen, dass alles doch wieder so wird wie zu Beginn der Verliebtheitsphase. Da wird geträumt, gehofft und vielleicht auch geschönt. Erinnerungsstücke helfen dabei, denn grundsätzlich hebt man nun einmal eher Dinge auf, mit denen man Schönes verbindet als Schmerzhaftes. Mit der Zeit werden diese Gegenstände jedoch oft vor allem schmerzhaft wahrgenommen, weil sie an den Verlust erinnern. Zur Phase der Neuorientierung nach einer Trennung gehört, loszulassen. Wer also Erinnerungsstücke aufheben will, möchte die Gedanken an eine Person und Situationen mit ihr nicht vergessen. Das kann ebenso heilsam wie verletzend sein.

Was spricht dafür, dass man Erinnerungsstücke behält?

Eine ganze Menge, wenn am Ende der Verarbeitung der Beziehung nämlich zurückbleibt, dass bei allen Widrigkeiten, die zur Trennung geführt haben, die schönen Momente doch überwogen haben. Aber wer beispielsweise schlimm betrogen und verletzt wurde, der räumt Erinnerungsstücke am besten mindestens zeitweise weit weg – oder entsorgt sie zum Selbstschutz gleich ganz.

Wie viel Erinnerung verträgt die neue Partnerschaft?

Sollte man den neuen Freund/Freundin mit den Dingen konfrontieren – oder gar davon fern halten? Es ist verständlich, wenn sich der neue Partner durch einen Schrein von Erinnerungsstücken bedroht oder zumindest wenig respektiert und gewertschätzt fühlt. Andererseits ist Verlustangst etwas, um das sich derjenige kümmern muss, der Verlustangst verspürt. Und was sind schon ein paar Bilder und Möbel beispielsweise gegen gemeinsame Kinder, die der lebende Beweis sind, dass das Paar einmal in Liebe vereint war? Zum Erwachsenwerden gehört auch dazu zu akzeptieren, dass der neue Partner ein Leben vorher hatte. Diese Erfahrungen haben ihn zu der Person gemacht, die man nun lieben kann. Es ist ein Zeichen vom eigenem verletzten Selbstwert, die Vergangenheit des neuen Partners nicht anerkennen zu können.

Wie einigt man sich, wer nach dem Ende der Beziehung, was behält?

Das ist nur möglich in fairen Tauschgeschäften. Das heißt, es geht nicht darum, dem Partner etwas heimzuzahlen oder ihn bestrafen zu wollen, sondern um eine Abschlussbilanz auf Augenhöhe. Das ist nach einer schmerzhaften Trennung nicht leicht und möglicherweise ist hierfür eine Mediation nötig oder eine andere externe Unterstützung wie eine Paarberatung, wenn ein Paar sich nicht einigen kann. Doch bevor es zum Streit kommt, sollten Sie sich fragen: Will ich tatsächlich alle Erinnerungen, die ich mit diesem Gegenstand verbinde, immer wieder durchleben? Verspüre ich dadurch Freude oder Schmerz? Was Sie verletzt, das sollten Sie nicht behalten wollen.

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Immer der Falsche – Unbewusste Beziehungsmuster erkennen
Sie sind romantisch und perfektionistisch
Ihre Überzeugungen, wie Ihr Partner sein soll und was eine Beziehung ausmacht, sind stark ausgeprägt. Sie wissen, was Sie wollen und nur wenn Sie ganz sicher sind, den Richtigen gefunden zu haben, lassen Sie sich auf Ihr Gegenüber ein. Weil Sie auf Ihre Gefühle hören und viel investieren, haben Sie zahlreiche schmerzhafte Enttäuschungen erlebt. Auch deshalb wollen Sie sich ganz sicher sein, dass Sie keinesfalls an den Falschen geraten. Wenn Sie nicht voll und ganz entflammt und verliebt sind, hat ein Kontakt bei Ihnen keine Chance. Sie wünschen sich nicht unbedingt die Liebe auf den ersten Blick, aber Sie sind überzeugt, dass es anfangs schon richtig Peng! machen muss, sonst wird sich daraus nichts entwickeln können. Sie haben dieses Glück auch bereits erlebt – doch danach zerbrach es, weil Sie ausgenutzt, belogen oder betrogen worden sind. Verliebtheit und Liebe sind jedoch ganz unterschiedliche Dinge. Liebe wächst und entsteht. Gemeinsam. In einer Beziehung wird mit der Zeit die Zuneigung stärker und gibt immer mehr Sicherheit und Geborgenheit. Peng! ist ein Feuerwerk, das rasch verpufft. Geben Sie auch Kontakten eine Chance, die nicht ganz perfekt sind. Sie sind es auch nicht, aber vielleicht passen Sie dennoch – oder gerade deshalb – perfekt zusammen!
Ihr Selbstwert ist verletzt und gering
Sie fühlen sich nicht wirklich liebenswert. Vielleicht ist dies eine Folge von Prägungen Ihrer Kindheit. Möglich dass Sie immer wieder erlebt haben, dass Sie nicht gut genug wären, dass Sie wertlos oder nicht liebenswert wären. Vielleicht hat aber auch Ihre Beziehungshistorie Sie glauben lassen, dass Sie nicht anziehend, attraktiv oder intelligent genug wären, um nicht betrogen zu werden. Sie fühlen sich oft alleingelassen, dabei empfinden Sie eine große Sehnsucht nach Geborgenheit und einer vertrauensvollen Bindung, die Ihnen das Gefühl gibt, bedingungslos geliebt zu werden. Aus dieser Position der Schwäche heraus sind vermeintlich starke Partner für Sie besonders interessant. Partner, die etwas ausstrahlen, die begehrt werden, denn davon wünschen Sie sich etwas ab, das würde Sie bestätigen und gut fühlen lassen. Doch diese Partner sind meist in Wirklichkeit gar nicht so stark, wie sie scheinen. Sie haben im Gegenteil oft Selbstzweifel, gegen die sie ein Mittel kennen: Anerkennung von anderen. Deshalb suchen, finden und wählen diese Menschen Partner, die sich ihnen zuliebe sehr viel Mühe geben, die bereit sind, sich für sie anzupassen und zu verändern. Die Folge: Sie werden erneut verletzt und verlieren erneut Selbstvertrauen. Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, müssen Sie Ihr Selbstwertgefühl stärken. Nennen Sie es Ihr Inneres Kind, das erst heilen muss, damit Sie wieder furchtlos und mutig stark werden. Denn dann werden Sie nicht länger Menschen anziehen, die aus Ihrer Schwäche ihre eigene Stärke ziehen und Ihre Energie "aussaugen" und Sie wie eine leere Hülle zurücklassen, wenn Sie keine Kraft mehr haben – oder sogar aggressiv, manipulativ oder gewalttätig werden, wenn Sie sich aus deren Einfluss zurückziehen wollen. Möglicherweise gelingt Ihnen dies auch nur mit Unterstützung. Dann lassen Sie sich helfen, denn das Leben ist zu kurz für unglückliche Beziehungen.
Sie verhindern Nähe bewusst oder unbewusst
Sie wünschen sich eine Beziehung – aber Sie fürchten sich auch vor ihr. Denn Sie sind – vielleicht nur insgeheim – überzeugt, dass Nähe und Offenheit vor allem zu Verletzungen führt. Dieses Phänomen wird auch aktive oder passive Beziehungsverweigerung genannt. Der aktive Beziehungsverweigerer weiß recht genau, dass er niemanden so nah an sich herankommen lassen möchte, dass dieser ihn verletzen könnte. Er muss keinen solchen Test machen, deshalb ist wahrscheinlicher, dass Sie zu den passiven Beziehungsverweigerern gehören. Das mag für Sie überraschend klingen, denn eigentlich sehnen Sie sich doch so sehr nach Nähe und Zuneigung. Aber Sie sind perfekt darin geworden, diese Nähe zu sabotieren, so dass nicht einmal Sie wirklich bemerken, welche Muster ablaufen. Es kann beispielsweise sein, dass Sie sich nur einlassen mit Menschen, die Ihnen von Vornherein versichern, nur an Ihnen allein und an einer langfristigen Beziehung interessiert zu sein. Damit verhindern Sie, dass Sie sich nicht vergeblich bemühen und große Gefühle sich entwickeln können. Doch Sie erreichen damit, dass Ihr Kontakt sich unter Druck gesetzt fühlt und sich zurückzieht. Vielleicht erfüllt aber auch niemand Ihre hohen Ansprüche. Lieber bleiben Sie allein, als dass Sie Kompromisse und Risiken eingehen würden. An allen etwas auszusetzen zu haben, ist eine sehr effektive Methode, niemanden an sich heranzulassen und ein Zeichen von tiefen Verletzungen, die sie höchstwahrscheinlich in Ihrer Kindheit erlebt haben. Aber Sie sind jetzt erwachsen, Sie können anders reagieren, Sie können sich wehren, Sie können ganz anders verhandeln, nämlich auf Augenhöhe! Sie müssen einem Partner eine Chance geben, wenn Sie eine Beziehung eingehen wollen. Mit seinen Forderungen und Verhaltensweisen können Sie heute ganz anders umgehen als früher.

Persönlichkeitstest: Woran bin ich mit ihm?

Kein „Liebestest“, sondern eine seriöse Einschätzung der Beziehungspersönlichkeit Ihres neuen Partners. In meiner Arbeit liegt ein Schwerpunkt auf dem Bindungsverhalten und den negativen Überzeugungen und Glaubenssätzen, die zu Ängsten und zu Schutzstrategien vor erneuten Verletzungen führen. Darauf basierend habe ich den Test entwickelt: Woran bin ich mit ihm? Ist er der Falsche oder der Richtige? Er ermöglicht Ihnen Antworten auf die Fragen: Was treibt ihn an? Was macht ihn glücklich? Wonach strebt er? Denn wenn Sie dies wissen, dann können Sie entscheiden, ob sich das für Sie langfristig gut anfühlen wird.

Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise

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