Was Macht Eigentlich Wirklich Attraktiv?

Was macht eigentlich attraktiv?

Damit zwei Menschen sich verlieben können, braucht es Sympathie. Und die ist nicht abhängig von Modell-Maßen, sondern eher von Freundlichkeit, Achtsamkeit und Verbindlichkeit.

Im Sat1 Frühstücksfernsehen habe ich über die Bedeutung von Attraktivität bei der Partnersuche gesprochen. Es kommt nicht nur auf Äußerlichkeiten an, um eine Person anziehend zu finden.

Eric Hegmann: Symphathie ist wichtiger als Aussehen!

Eric Hegmann: Symphathie ist wichtiger als Aussehen!

Woraus speist sich Attraktivität? Wann werden Menschen von anderen als attraktiv wahrgenommen?

Zur Attraktivität gehören zahlreiche Faktoren. Da gibt es zunächst Äußerlichkeiten, die von den meisten Menschen als anziehend empfunden werden. Das sind beispielsweise symmetrische Gesichtszüge und Proportionen. Allerdings ist der kleine Makel oft interessanter als Perfektion. Hinzu kommen Prägungen in der frühen Kindheit durch Bezugspersonen. Sehr vereinfacht könnte man sagen: Wer uns damals gut getan hat, hat einen Bonus und den erhalten dann auch Menschen, die dieser Person ähneln. Hinzu spielen frühere Beziehungserfahrungen eine Rolle. Außerdem werden wir von unserem sozialen und kulturellen Umfeld geprägt und wir lassen uns von Modewellen mittragen. Mal ist bei Männern glatt rasiert angesagt, dann wieder ist der Holzfäller-Look mit Bart und langen Haaren modern. Aussehen selbst ist also nur ein Stückweit konstant attraktiv. Hinzu kommen interessante Dynamiken wie das direkte Umfeld. Eine Person, die von vielen Menschen begehrt wird, wirkt dadurch begehrenswerter.

Sie möchten sofort attraktiver wirken? Lächeln Sie!

In Studien wurde belegt, dass ein offenes Lächeln sympathischer macht als Modell-Look. Und letztlich verlieben wir uns nur in einen Menschen, der uns sympathisch ist. Wenn dann noch sexuelle Anziehungskraft hinzukommt, kann sich das wie die Liebe auf den ersten Blick anfühlen. Es gibt also viele Formen von Attraktivität und das ist die Chance für alle, die nicht zu den 2 Prozent der Super-Hübschen gehören.

Wie wichtig ist Attraktivität bei der Partnersuche? 

Schwärmerei für besonders hübsche Menschen gibt es, aber deshalb sind diese Personen nicht gleich als Partner attraktiv. Wir fühlen uns mehrheitlich Menschen zugezogen, die vergleichbar attraktiv sind wie wir. Das ist eine tolle Sache für alle, die so mittelmäßig, also normal attraktiv sind wie die große Mehrheit. Die haben deshalb die größte Auswahl.

Ist Attraktivität IMMER subjektiv?

Jein. Nein, weil es Merkmale gibt, die nahezu alle Menschen attraktiv finden. Das Mädchenschema beispielsweise ist wohl tief verankert. Das sind große Augen, eine kleine Nase: findet jeder niedlich. Forscher vermuten, weil Babys eben so aussehen und wir dadurch sofort angenehme, beschützende Gefühle entwickeln. Das überträgt sich sogar auf Tiere. Alle lieben Pandas.

Ja, weil die Prägungen in unserer Kindheit einen großen Einfluss auf uns haben. Das kann soweit gehen, dass wir hübsch finden, was unsere Eltern hübsch fanden. Als Kinder hinterfragen wir zunächst nicht, was wir sehen und erleben. Was unsere Eltern machen, erleben wir als wahr und richtig. Und natürlich prägen uns die Erfahrungen später. Die erste Liebe beeinflusst fast jeden.

Kann man sich ernsthaft in jemanden verlieben, den man unattraktiv finden?

In der Liebe ist alles möglich. Und tatsächlich ist Sympathie entscheidender als Aussehen. Aber jemanden hässlich UND sympathisch zu finden, kommt selten vor. Zur Liebesbeziehung gehört auch erotische Anziehung. Die muss allerdings nicht auf klassische Schönheitsattribute beschränkt sein.

Kann es auf Dauer gut gehen, wenn man seinen Partner nicht attraktiv findet?

Sex ist ein wichtiges Bindungsmittel einer Partnerschaft. Wir wissen aus der Forschung zum so genannten Kuschelhormon Oxytocin, dass die Paarbindung durch Botenstoffe, die beim Sex produziert werden, gefestigt wird. Oxytocin ist da nur eines davon, allerdings ein sehr mächtiges. Es bindet beispielsweise Mutter und Kind, es sorgt für Entscheidungen, die wir „nüchtern“ nie gefällt hätten und es kommt regelrecht zu Entzugserscheinungen, wenn es plötzlich ausbleibt. Das ist dann schwerer Liebeskummer.

Physische Attraktivität ist ja relativ, aber wie sollten arbeitslose Männer bei einem Date mit der Frage umgehen, was sie beruflich machen? 

Vor einigen Jahrzehnten galt ganz klar: Frauen suchen einen Mann auf, besser noch über Augenhöhe. Männer auch auf, eher unter Augenhöhe. Das hat sich gewandelt. Es geht vor allem um ein gleiches Niveau. Ein arbeitsloser Mann kommt deshalb für eine berufstätige Frau nur in Frage, wenn er sie mit anderen Qualitäten überzeugt. Der erfolglose Künstler punktet möglicherweise durch sein Werk, selbst wenn er damit keinen Cent verdient. Übrigens wählen auch Männer heute eher eine Partnerin mit vergleichbarem Status. Akademiker heiraten nahezu nur Akademiker. Was bleibt also dem Arbeitslosen Mann auf der Partnersuche: Er muss auf anderer Ebene überzeugen, in irgendetwas außergewöhnlich sein. Wer also ohne Job auf Partnersuche geht sollte anders belegen, dass er engagiert ist, dass er zielstrebig sein und für sich sorgen kann.

Viele Menschen reagieren total verwirrt, wenn sie sich in jemanden verknallen, den sie eigentlich unattraktiv finden. Woher kommt diese große Unsicherheit in Bezug auf das eigene Empfinden? 

Ich nenne das die Folgen der Disneyfizierung der Liebe: Viele gefühlten Vorbilder heute sind fiktiv. Entweder werden sie dramaturgisch interessanter gemacht als echte Menschen eigentlich sind, Hollywood-Schauspieler leben auch nur ein ganz normales, oft eben auch langweiliges Leben und müssen einkaufen und sauber machen. Die paar Stars, die alles an Bedienstete geben können sind kein Maßstab. Viele Menschen verlieren zunehmend den Blick zur Realität durch permanentes Selbstmarketing auf Instagram, Facebook und YouTube. Wenn die sich dann in einen Menschen verlieben, der echt ist, sehen sie oft erstmals wieder jemanden ohne Filter, Photoshop und perfekt ausgeleuchteter Maske. Es ist traurig, dass Wirklichkeit für viele Menschen unattraktiv geworden ist.

Wer sich wundert, sich in einen vorgeblich unattraktiven Menschen verliebt zu haben, stellt oft fest, dass er sich von seinem bisherigen Beuteschema gelöst hat. Das sind keine unattraktiven Typen sondern nur andere, als die, mit denen man lange Jahre schlechte Erfahrungen gemacht hat – sonst wäre man ja mit denen zusammen. Der Bruch mit einem über Jahre erfolglosen Beuteraster führt oft zu stabilen, harmonischen Beziehungen, weil es eben doch auf die inneren Werte ankommt.

Wie finden Männer, die auf andere nicht attraktiv wirken, eine Partnerin? Können Sie einige Tipps zusammenstellen, wo diese Männer suchen sollten und wie sie sich verkaufen sollten, um auf sich aufmerksam zu machen?

Seit über zehn Jahren bin ich für die Partneragentur Parship tätig. Ich habe unzählige Profile gesehen und Erfolgsstorys von Paaren, die sich gefunden haben, erhalten. Weil die meisten Menschen von sich auf andere schließen, nehmen Männer oft automatisch an, sie hätten keine Chance, wenn sie nicht super attraktiv sind. Dabei projizieren sie nur ihre Wahrnehmung auf andere.

  • Der Mann sollte der Frau das Gefühl geben, sie sei seine Priorität eins. Dann kann sie ihm vertrauen.
  • Er sollte ihr zeigen, dass er sie begehrenswert findet. Frauen lassen sich eher nicht mit Männern ein, die kein erotisches Interesse an ihnen zeigen.
  • Er sollte in etwas besonders gut, wenn nicht sogar der Beste sein. Vermutlich ein evolutionäres Erbe des Wettbewerbes der Männer um eine Partnerin.
  • Wenn er nicht für etwas brennt, kann er sie nicht mitreißen. Das darf sogar ein schräges Hobby sein. Hauptsache, er ist mit Leidenschaft dabei. Das signalisiert, dieser Mann kann sich begeistern.
  • Er sollte den Eindruck machen, dass er sie vor Schaden bewahren kann. Allerdings darf er sie nicht verängstigen. Wenn sie befürchtet, er würde seine Kraft gegen Sie richten, flüchtet sie.
  • Er sollte einen ähnlichen Humor haben wie sie. Das sorgt für Vertrautheit und ist gleichzeitig ein Indiz für Intelligenz. Das signalisiert, er kann Konfliktsituationen auch kreativ lösen.
  • Er braucht einen optimistischen Blick auf die Zukunft allgemein und die gemeinsame Zukunft im Besonderen. Jeder möchte das Gefühl, auch in zehn Jahren mit seinem Partner noch Freude erleben zu können. Einen Pessimisten und Miesepeter küsst niemand gern.
  • Gleichzeitig soll der Mann authentisch sein. Macho-Gehabe als Überspielen von mangelndem Selbstwert ist auf Dauer ein Liebeskiller. Der Bad Boy ist sexuell anziehend für eine kurze Zeit. Für die Familiengründung suchen Frauen einen Partner, dem Sie vertrauen können.

Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise