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So Sehr Leiden Menschen Unter Einsamkeit

So sehr leiden Menschen unter Einsamkeit

Eine vereinsamte Gesellschaft? Volkskrankheit Einsamkeit? Immer mehr Menschen vereinsamen, obwohl – oder vielleicht wegen – der neuen, digitalen Kommunikationswege 

Nach einer Studie von Parship und Innofact fühlt sich mehr als jeder zehnte Deutsche häufig einsam. Besonders Singles und jüngere Menschen leiden unter dem Gefühl alleine zu seine. Der Psychiater und Autor Manfred Spitzer beschreibt in seinem Buch “Einsamkeit. Die unerkannte Krankheit” aktuelle, welche weitreichenden Folgen das Gefühl der Verlassenheit haben kann.

Gerade wenn es um Partnersuche und die Versingelung der Gesellschaft geht (immerhin haben wir 16,8 Millionen Singles in Deutschland, von denen sich die große Mehrheit einen Beziehungspartner wünscht), ist es durchaus angezeigt, sich die Ursachen und die Folgen anzusehen. Ein Blick beispielsweise nach Japan konfrontiert den westlichen Betrachter, der im Zeitalter der Überromantisierung oder wie ich es nenne, der Disneyfizierung der Liebe, lebt, mit einem erschreckenden Pragmatismus. Dort ist eher Ernüchterung über die Liebe zu spüren, dafür gibt es die Möglichkeit, digitale Gefährten wie Tamagotchis in Apps zu daten und zu umgarnen.

Alleinsein ist kein Makel, macht aber krank

Alleinsein ist heute kein Makel, jeder darf seinem persönlichen Lebensentwurf folgen, doch gerade weil Beziehungsglück heute das höchste Gut geworden ist, wird Alleinsein auch als persönliches Scheitern bewertet. Manfred Spitzer ordnet in seinem Buch zahlreiche Studien ein und zeigt auf, wie weitreichend die Folgen von Einsamkeit sind. Hirnforscher behaupten, Einsamkeit und Schmerz sind an denselben Stellen im Hirn verankert, das heißt, Einsamkeit kam tatsächlich schmerzen.

Die drei häufigsten Faktoren für das Gefühl von Einsamkeit sind nach der Studie von Parship

  • die Entfernung zu Familie und Freunden (22 Prozent),
  • zu wenig Freizeit, zum Beispiel durch Beruf oder Familie (21 Prozent)
  • zu wenig finanzielle Mittel (22 Prozent).

So geben 51 Prozent der Menschen mit einem Nettoeinkommen von unter 1.500 Euro an, sich mindestens ab und an isoliert zu fühlen. Bei Deutschen mit einem Nettoeinkommen von über 3.800 Euro ist es nur jeder Vierte (25 Prozent).

Einsamkeit kann ansteckend sein

Singles sehen den Hauptgrund für ihre Einsamkeit darin, dass sie keinen passenden Partner haben (45 Prozent). Aber immerhin 14 Prozent der Deutschen in Beziehungen fühlen sich verlassen, weil sie sich in einer unglücklichen Partnerschaft befinden. Auch die eigene Schüchternheit steht fast jedem Fünften (17 Prozent) im Weg. Bei Senioren im Alter von 70 bis 79 Jahren ist auch die schlechte körperliche Verfassung für ein Gefühl der Isolation verantwortlich (19 Prozent).

Ein überraschendes Ergebnis: Mit steigendem Alter sinkt der Grad der Einsamkeit. Während sich ganze 61 Prozent der 18- bis 29-Jährigen zumindest hin und wieder einsam fühlen, sind es nur 17 Prozent der 70- bis 79-Jährigen. Mit Kindern im Haus ist zwar immer viel los, aber der Nachwuchs hat kaum Einfluss darauf, wie häufig man sich alleine fühlt (einsam mit Kindern: 45 Prozent; einsam ohne Kinder: 39 Prozent).

Einsamkeit kann tödlich sein

Wer einsam ist, erkrankt häufiger als andere an Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Depressionen und Demenz. Einsamkeit ist zudem ansteckend und breitet sich wie eine Epidemie aus – nicht nur Singles und Alleinstehende sind davon betroffen, sondern auch Verheiratete! Einsamkeit ist die Todesursache Nummer eins in den westlichen Ländern, so Manfred Spitzer in seinem Buch “Einsamkeit – die unerkannte Krankheit”.

Brauchen wir ein Ministerium für Einsamkeit?

In Großbritannien wird ein Ministerium für Einsamkeit eingeführt. In Deutschland würden sich 22 Prozent ein solches Ministerium ebenfalls wünschen. Besonders Jugendliche leiden unter Einsamkeit, was an der Urbanisierung und Digitalisierung liegen könnte.

Aber sind es die digitalen Medien, die einen wirklichen Kontakt unter Menschen verhindern und so Einsamkeit erzeugen – oder ist es die Art der Nutzung? Unbestritten ist sicher, wer Single ist und Instagram vielen Pärchen-Accounts folgt, ständig mit Liebesglück (auch wenn dieses inszeniert wurde) konfrontiert wird, erlebt ganz gewiss keine Hochgefühle dadurch. Wahrscheinlicher ist Frustration, vielleicht sogar Neid und ganz sicher ein Gefühl von Alleinsein. Studien haben bereits gezeigt, dass wer aus Langeweile und Frust heraus soziale Medien nutzt, danach noch frustrierter ist als zuvor.

Tipps gegen das Gefühl der Einsamkeit

  1. Stärken des Selbstwertes

    Viele negative Glaubenssätze und Überzeugungen unterstützen die Einsamkeit. Gedanken wie “niemand ist für mich da”, “niemand versteht mich”, verstärken die Isolation. Dagegen lässt sich steuern mit Übungen zur Stärkung des Selbstwertgefühls, um sich wieder liebenswürdig zu fühlen.

  2. Anderen helfen

    Ein Ehrenamt beispielsweise führt dazu, dass man sich wieder geschätzt fühlt und Anerkennung und Dankbarkeit spürt. Das zeigt, wie wichtig man sein kann für andere Menschen und gibt Zuversicht, weil man sich wieder wertvoll fühlt. Aber in Maßen, es darf nicht zur Aufopferung werden.

  3. Nimm Kontakt auf

    Soziale Medien sind nicht per se schädlich, es kommt darauf an, was man daraus macht. Dating Apps beispielsweise nur als erste Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu verstehen und umgehend in realen Austausch zu wechseln, vergrößert den Bekanntenkreis. Wer nicht gleich Daten will, kann beispielsweise eine Nachbarschafts-App ausprobieren.

  4. Keine Angst vor Unternehmungen allein

    Fühlen Sie sich eine wenig wie ein Entdecker und erkunden Sie Orte, die Sie noch nicht kennen. Seien Sie Ihre eigene Expedition. Sie werden sich fühlen wie ein Forscher und kommen aus Ihrem Schneckenhaus heraus.

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Woran scheitert Ihre Kontaktaufnahme meistens?

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise