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So Gut Tut Kuscheln: Das Unterschätzte Glück

So gut tut Kuscheln: das unterschätzte Glück

Warum erfolgreiche und glückliche Paare so viel Kuscheln und warum uns körperliche Nähe so guttut! Als unsere Vorfahren noch nicht sprechen konnten, haben sie bereits kommuniziert. Sich aneinander zu kuscheln, tut gut. Kuscheln ist die uralte Art zu sagen: Du bist okay.

Kuscheln als Liebesbeweis – und zum Stressabbau

Darum tut kuscheln gut:

  • Kuscheln ist die uralte Art zu sagen: Du bist okay
  • Kuscheln schafft Bindung auf hormoneller Ebene
  • Paare, die mehr kuscheln, haben auch mehr Sex

Sich aneinander zu kuscheln, tut gut. Das weiß jeder. Denn kuscheln beruhigt. Dennoch wird kuscheln unterschätzt. Viele Paare erleben kuscheln nicht mehr als Zeichen der Zuneigung und der Zusammengehörigkeit sondern als Vorspiel zum Vorspiel. Dabei sind gerade die nicht zielgerichteten Zärtlichkeiten eine Möglichkeit, sich fallen zu lassen und zu erleben, angenommen zu werden. Und wo das „müssen“ wegfällt, kann sich Liebe – und auch Sex – frei entfalten.

Als unsere Vorfahren noch nicht sprechen konnten, haben sie bereits kommuniziert. Mit ihren Körpern. Mit ihren Händen. Wir begreifen durch anfassen. Wenn wir jemandem erlauben uns anzufassen, drücken wir damit aus: Du bist okay. Ich lasse deine Nähe zu. Ich mag dich. Ich fühle mich wohl in deiner Nähe.

Die Biologie schafft Bindung durch Kuscheln

Wenn wir uns nahe kommen und berühren, beginnen die Bindunsghormone ihre Arbeit. Oxytocin beispielsweise, jenes durch aktuelle Forschungen berühmt gewordene Hormon, das auch als Kuschelhormon bekannt ist.

Oxytocin sorgt für Mutter-Kind-Bindung ebenso wie für das lebenslange Gefühl von Liebe und – wenn es wegfällt – von Vermissen. Babys hören auf zu schreien, wenn sie in den Arm genommen werden. Erwachsene beruhigen sich nach einem Streit durch eine innige Umarmung.

Stammesgeschichtlich ist Kuscheln eine solch alte Kommunikationsform, dass unser Gehirn ohne Umwege über die Regionen, in denen der Verstand analysiert, mit einem entspannten „oh, wie schön!“ reagiert. Worte sind da unnötig, denn Kuscheln sagt einfach alles, was nötig ist um Nähe und Bindung auszudrücken.

Kuscheln in der Sexualtherapie

Paare, die einen Mangel an Beziehungssex beklagen, haben häufig zuvor unter Leistungsdruck gelitten. Sie haben sich vielleicht mit Paaren verglichen, die angeblich fünf Mal die Woche die Laken zerwühlen. Oder sie haben lange versucht, ihren Kinderwunsch zu erfüllen und erleben Sex nur noch als etwas, das zu einem Ziel führen muss. Ähnlichen Erfolgsstress erleben Paare, die ihren Sex als nicht mehr aufregend empfinden und versuchen, mit neuen Techniken, mit Spielsachen oder Erfahrungen außerhalb der Zweierbeziehung Lust und Erregung zu steigern.

Kuscheln kann hier therapeutisch wirken. Beispielsweise wenn sie – im Rahmen einer Paarberatung oder eines Coachings – für eine gewisse Zeit ganz auf Sex verzichten und stattdessen mit Kuscheln als Kontakt und Kommunikation ersetzen. Das gemeinsame Erleben des angenommen werdens, der Steigerung des Selbstwertgefühls und der Selbstwahrnehmung führen fast immer dazu, dass zunächst die Paarzufriedenheit steigt – und irgendwann auch die Sexualität wieder intenisv und befriedigend erlebt wird. Diese Paare erfahren leine Trennung mehr von Zärtlichkeit, Vorspiel und Sex. Kuscheln ist Sexualität – nicht zielgerichtet auf Erregung oder Fortpflanzung, sondern als Intimität, die Freude und ja auch Lust vermittelt.

Täglich 15 Minuten Kuscheln

Berührungen machen glücklich und schaffen Bindung. 15 Minuten Kuscheln katapultieren regelrecht die Freude aneinander und der gemeinsamen Beziehung nach oben. Zu diesem Ergebnis kamen gerade gleich mehrere Forscher rund um Toronto.

Deshalb: fassen Sie sich an. Überwinden Sie die Barrieren und zeigen Sie Ihre Zuneigung körperlich und erleben Sie wieder, wie gut es tut zu erfahren, dass man angefaßt werden möchte, dass der Partner das Bedürfnis hat, Sie anzufassen. Ein Ego-Booster, der länger anhält als sexuelle Befriedigung, die eher das iTüpfelchen darstellt als das eigentliche Ziel.

Umarmungen und Kuscheln als Versöhnungsritual

Glückliche Paare nutzen die Wirkung von Umarmungen auf den Kreislauf und die Psyche, um sich nach einem Streit wieder anzunähern. Beispielsweise kann ein Ritual zur Versöhnung sein, sich mindestens 60 Sekunden lang in den Arm zu nehmen. Das klingt für viele Paare zunächst sehr widersprüchlich. Sie wollen erst einmal für sich sein und finden die Vorstellung von körperlicher Nähe eher abschreckend.

Dabei sorgt die Umarmung gerade wieder für die Nähe, die den Partnern in der Konfliktsituation gerade fehlt. Betrachten Sie einmal die Ursache von Konflikten: Warum streiten Paare? Weil sie Distanz fürchten. Sie haben Sorge, die Verhaltensweisen des Partners würde bedeuten, dass sie nicht mehr geliebt werden oder sich in ihm völlig getäuscht haben und nicht mehr lieben können. Der Gedanke hinter den meisten Streits lautet ja: „Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann …“ Es geht also um Angst vor dem Verlust der Zuneigung durch den Partner und diese Angst sorgt für mehr Distanz – obwohl beide Partner sich ja eigentlich mehr Nähe wünschen.

Nähe schaffen – statt Distanz zu vergrößern – löst Konflikte.

Weil alle Menschen Nähe und Bindung suchen, ist Distanz der Grund für Untreue und Affären, denn wer in der Beziehung Distanz erlebt, der sucht – und findet – irgendwann Nähe bei anderen Personen; bei Arbeitskollegen, denen man sich anvertrauen kann, bei einer zufälligen Bekanntschaft, die ein Gefühl von Nähe verspricht.

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise