Mingles – Eine Beziehung Zwischen Single-Dasein Und Partnerschaft

Mingles – zusammen oder nicht?

Mingle – ein Beziehungsmodell mit größtmöglicher Freiheit bei geringster Verbindlichkeit. Nicht Single, nicht Beziehung. Paarberater Eric Hegmann über den Trend zur Halbbeziehung im Interview

Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff „Mingles„?

Der Kunstbegriff Mingles beschreibt eine Beziehungsform, die zwischen Single und Partnerschaft steht. Das Paar lebt in der Regel nicht in einem Haushalt, pflegt eine nicht exklusive sexuelle Beziehung und verbringt gemeinsame Zeit. Solche Halbbeziehungen sind deshalb auf den ersten Blick so verführerisch, weil sie die Vorteile von Partnerschaft mit denen des Singledaseins zusammenführen: einerseits Freiheit, andererseits ein Rahmen von Vertrautheit und Geborgenheit. Die Schattenseite ist die fehlende Verbindlichkeit.

Warum ist diese Form der „Beziehung“ so beliebt?

Es ist eine Beziehungsform der verbindlichen Unverbindlichkeit: Verantwortung ja, aber nur bis zu einem selbstdefinierten Punkt. Gesellschaftlich mit selbst gewählten Beziehungsmodellen heute großzügiger umgehen, schließen die Mingles die Lücke zwischen Affäre, Fuckbuddies und offener Beziehung. Wenn ein Paar mit dieser Absprache glücklich leben kann, genießt es die Vorzüge all dieser Modelle und verzichtet auf die Nachteile. In der Realität handelt es sich aber doch häufig um eine Variante des Singledaseins zwischen zwei Partnerschaften. Und ein Partner wünscht sich nichts mehr als Nähe und Kuscheln.

Was ist der Unterschied zwischen „Fuck Buddies“ und „Mingles“?

Nicht wirklich viel. Mingles klingt aber weniger sexuell orientiert und tatsächlich ist eine solche Halbbeziehung nicht allein aufs Bett ausgerichtet. Die Partner unternehmen auch Dinge, verbringen Zeit miteinander – aber eben immer nur, wenn ihnen beiden danach ist. Mit möglichst großer Flexibilität und wenig Planung und keiner Planungssicherheit.

Was ist der Vorteil einer solchen Form der Beziehung?

Zwei Drittel der Deutschen sehnen sich nach einer Partnerschaft und die große Liebe. Aber Familienplanung erfolgt heute immer später, nämlich erst Ende 20, Anfang 30. Bis dahin möchten sich viele nicht fest binden, auch weil sie Ausbildung und finanzieller Absicherung durch Job und Karriere als wichtiger empfinden. Hinzu kommt der Wunsch, sich Auszuprobieren in verschiedenen Beziehungsmodellen. Als Mingle verfüge ich über ein soziales Netz und maximale Freiheit – das scheint auf den ersten Blick ideal.

Als Coach erlebe ich es doch meist so, dass irgendwann ein Partner sich verliebt und Interesse an einer festen Bindung entwickelt, während der andere nach einem vermeintlich besseren Kandidaten Ausschau hält.

Was sind das für Menschen, die sich für diese Form der Beziehung entscheiden?

Zunächst sind es Menschen, die die Regeln ihrer Partnerschaft selbst bestimmen und miteinander definieren wollen ohne auf Konventionen und Erwartungen anderer zu achten. Mingles leben eben ein alternatives Beziehungsmodell, das vor allem Menschen mit hohem Bedürfnis an Flexibiltät in zwischenmenschlichen Kontakten interessiert. Sicher haben viele von ihnen einen vermeidenden oder zögerlichen Beziehungsstil oder sind aktive oder passive Beziehungsverweigerer.

Die Gründe als Mingle zu leben sind individuell von der Lebensphase abhängig und können zwischen Bindungsangst, fehlenden Rollenvorbildern und Entscheidungsproblemen liegen. Vielleicht ist aber auch einfach der passende Partner noch nicht dabei gewesen oder es geht um einen Übergangspartner bis zur nächsten „festen“ Partnerschaft.

Mingles sind nicht grundsätzlich beziehungsunfähig

Ich denke nicht, dass Mingles grundsätzlich bindungsunfähig sind. Die meisten eint die Hoffnung auf eine harmonische und beständige Partnerschaft – nur eben irgendwann in der Zukunft und nicht mit dem Übergangspartner.

Ich bin überzeugt dass es Anderen nicht zusteht, ein freiwilliges Beziehungsmodell unter Erwachsenen, das ein Paar glücklich macht, zu be- oder gar zu verurteilen. Allerdings bin ich überzeugt, dass Mingles in der Regel nur für Übergangsphasen zusammen kommen, weil sich fast alle Menschen nach Verbindlichkeit sehnen.

Mingles leben ein alternatives Beziehungsmodell zwischen Affäre, Fuckbuddy und exklusivem Dating. Es gibt kein Lehrbuch für diese Beziehungsform und jedes Paar muss individuelle Regeln bestimmen, innerhalb derer beide glücklich leben.

Jeder muss für sich entscheiden, ob diese Beziehungsform freiwillig gewählt wurde, ob sie eine Übergangsphase füllen soll oder sogar Beziehungsverweigerung oder Beziehungsangst dahinter stecken.

Ein Mingle genießt die Vorteile von Single-Dasein und Beziehung

Mingle – Das sind die Beziehungsregeln

  1. Der Beziehungsstatus Mingle ist freiweillig

Um als Mingle glücklich zu sein, muss von beiden Partnern das Beziehungsmodell freiwillig gewählt sein. Die Halbbeziehung geht garantiert schief, wenn einer diese nur eingeht, weil er Angst hat, den anderen sonst ganz zu verlieren.

  1. In guten aber nicht in schlechten Zeiten

Mingle-Partner erzählen sich nicht ihre Probleme sondern genießen die Zeit miteinander. Wer Alltagssorgen teilen will, sollte dies beim Freundeskreis tun.

  1. Nicht verlieben

Die Partner müssen ehrlich ihre aktuellen Bedürfnisse abgleichen. Immer wieder. Sollte sich doch einer im Mingle-Alltag verlieben muss das ehrlich angesprochen werden.

  1. Getrennte Wohnungen

Wohnliche Distanz ist eine Voraussetzung für das unverbindliche Zusammensein. Mingles wollen ja gerade den Beziehungsalltag vermeiden und können deshalb auch nicht in einer WG leben.

  1. Keine Eifersucht

Mingles führen in der Regel keine monogame oder exklusive sexuelle Beziehung sondern eine offene, die auch andere intime Partner ermöglicht. Eifersucht ist ein deutliches Signal, dass die Wünsche und Erwartungen an den Partner verbindlich werden.

  1. Kein Anspruchsdenken

Jeder Samstag gehört dem Mingle-Partner? Nein. Man trifft sich, wenn beiden danach ist. Gerade die größtmögliche Flexibilität macht schließlich die Mingle-Beziehung aus. Außerdem erwarten die Partner sich in guter Stimmung und nicht, um Probleme lösen zu müssen.

  1. Keine Forderungen

Mingles gehen nur ein Mindestmaß an Verpflichtung ein. Theoretisch kann jeder tun und lassen, was er möchte und jederzeit damit aufhören oder die Regeln des Zusammenseins ändern.

  1. Keine Zukunftsplanung

Eine Beziehung macht aus, dass sich beide Partner für ein gemeinsames Ziel entscheiden. Mingles tun genau dies nicht, denn sie legen sich nicht fest. Mingles stellen sich nicht gegenseitig bei ihren Eltern oder den Kollegen als Partner vor. Das wäre ein deutliches Signal, dass einer auf eine Entwicklung des Beziehungsstatus Mingle auf Partnerschaft hofft.

  1. Kein schlechtes Gewissen machen

Wenn der Mingle-Partner kurzfristig Pläne umwirft: keine Vorwürfe und kein schlechtes Gewissen machen. Dennoch sollte man den anderen nicht erst in letzter Sekunde informieren, wenn der Verabredung etwas dazwischen kommt.

  1. „Ich liebe Dich!“ geht nicht

Nach einer aktuellen Studie von Parship sagt ein Drittel der Deutschen diesen Satz, wenn sie sicher sind, dass sie auch an einer Beziehung interessiert sind. Ein Liebesbeweis ist das Aus der Mingle-Beziehung. Entweder wird dann daraus mehr oder sie muss beendet werden, damit nicht einer im Liebeskummer endet.

Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise