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Liebe Ich – Oder Bin Ich Emotional Abhängig?

Liebe ich – oder bin ich emotional abhängig?

Emotionale Abhängigkeit. Ein Thema, das ich in der Paarberatung häufig erlebe. Die wichtigste Erkenntnis dabei ist: Emotionale Abhängigkeit ist keine Liebe. Emotionale Abhängigkeit und Liebe sind grundverschiedene Dinge. Machen Sie den Test, ob Sie emotional abhängig sind. Mit Video.

Woran Sie emotionale Abhängigkeit erkennen können

Wie erkennen Sie emotionale Abhängigkeit? Wenn Sie selbst betroffen sind, möglicherweise gar nicht. Ich möchte Ihnen ein Beispiel nennen. Ein Paar kommt in die Beratung, sie führen seit fünf Jahren eine On-Off-Beziehung. Es stellt sich heraus, immer wieder vernachlässigt er sie, denkt nur an sich, zieht sein eigenes Ding durch – ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse. Sie droht mit Trennung, zwei Mal beendet sie die Beziehung tatsächlich, aber nach wenigen Monaten kehrt er zurück, reuevoll, entschuldigt sich, macht Versprechungen, sie lenkt ein und das Paar kommt wieder zusammen.

Von außen betrachtet, fragen Sie vielleicht: Weshalb macht sie das nur?

Fragen wir sie. Ihre Antwort darauf lautete: „Weil er die Liebe meines Lebens ist. Ich weiß, wir gehören zusammen. Er ist nun einmal so. Aber das nehme ich in Kauf, um mit ihm zusammen zu sein. Für die Liebe muss man auch Opfer bringen. Und irgendwann wird er verstehen, dass ich die Einzige für ihn bin und aufhören, fremdzugehen.“

Wer Liebe benötigt und braucht, macht sich emotional abhängig

Diese Antwort mag überraschen. Sie klingt selbstlos (und genau das ist sie auch – aber nicht im Guten). Sie provoziert die Frage: Ist diese Haltung tatsächlich Liebe? Zunächst fühlt es sich für die Betroffene so an. Und das bedeutet: Es ist, wie es ist.

Doch mit Blick von außen wird die Diskrepanz der gelebten Beziehung zu den eigenen Wünschen ganz klar deutlich. Möglicherweise wird ihr Bindungssystem aktiviert durch die Bemühungen, die sie erbringen muss, um die Beziehung am leben zu erhalten. Ziemlich sicher hat die Klientin ein ängstliches Bindungsverhalten. Dahinter verbirgt sich ein schwer angeschlagenes Selbstwertgefühl, das verhindert, dass sie sich selbst schützt vor Verletzungen. Das geht soweit, dass sie selbst die Erklärungen bereit hält, wenn er sie schlecht behandelt. Sie gibt sich selbst die Schuld und lässt damit zu, dass er sie immer mehr verletzen kann.

Würde es sich um körperliche Gewalt handeln, die ihr angetan wird, wäre viel eindeutiger für die Betroffene, was sie mit sich geschehen lässt. Vermutlich würde ihr Selbstschutz aktiviert werden. Doch weil es sich um psychische Gewalt handelt, klingt eine solche Bereitschaft zur bedingungslosen Liebe beinahe … romantisch.

Doch das ist sie nicht. Die Haltung, eine dysfunktionale Beziehung zu glorifizieren, ist gefährlicher Selbstbetrug.

Keine Frage: Liebe macht glücklich. Liebe ist es wert, zu investieren, Liebe ist es wert, Kompromisse einzugehen. Nur: wann ist der Wunsch nach Liebe nicht mehr wohltuend, wann ist er ein Zwang? Wann sind Sie gefangen in einer emotionalen Abhängigkeit?

Machen Sie den Test: Sind Sie in einer emotionalen Abhängigkeit?

Eine emotionale Abhängigkeit ist keine Liebe. Dieser mehrstufige Persönlichkeitstest erfasst Ihre Beziehungsdynamik.

Eine emotionale Abhängigkeit ist keine Liebe. Dieser mehrstufige Persönlichkeitstest erfasst Ihre Beziehungsdynamik.

 

Ist es wirklich Liebe oder gefangen in einer emotionalen Abhängigkeit?

Eine emotionale Abhängigkeit ist wie eine Sucht und Grund für typisches Suchtverhalten

Emotionale Abhängigkeit ist keine Frage des Geschlechts. Wohl sagen häufiger Frauen als Männer, dass sie betroffen sind, aber das kann auch daran liegen, dass Männern dies oft weniger bewusst ist. Männer deuten Verlustangst oft um in Sorge um Betrug. Sie verdächtigen ihre Partnerinnen beispielsweise, dass sie untreu wären, obwohl es keinen Anlass gibt. Emotionale Abhängigkeit zeigt sich beispielsweise auch in Kontrollverhalten, rasender Eifersucht und dominantem Besitzverhalten. Typisch wäre eine Drohung Ihres Partners, dass Sie ohne ihn nie wieder glücklich werden könnten.

In Beziehungen befürchtet der emotional Abhängige, ohne den anderen hilflos zu sein. Der Satz: „Du bist alles, was ich habe“, ist genau genommen kein Zeichen von Liebe, sondern ein Hilferuf. Denn der Partner soll eine Leere füllen, die man spürt, weil man mit sich selbst – und seiner Rolle im Leben – nicht im Reinen ist.

Wie bei anderem Suchtverhalten durchlebt der Betroffene von emotionaler Abhängigkeit Phasen der Selbstüberschätzung, der Selbstzweifel, der Erklärung- und Beschwichtigungsversuche, des Selbstbetruges und der aggressiven Verteidigung des Suchtverhaltens.

Emotionale Abhängigkeit lösen

Das Loslassen von starken Verlustängsten ist meist ein Prozess, der nur mit externer Hilfe möglich ist. Denn die Ursachen liegen in frühkindlichen Erfahrungen, in der eigenen Haltung gegenüber dem so genannten „Inneren Kind“ und möglichen schweren Verletzungen des Selbstwertgefühls in früheren Beziehungserfahrungen – das geht nicht einfach von alleine weg.

Suchen Sie sich Unterstützung, wenn Sie befürchten, Sie sind betroffen. Es genügt leider nicht, die Beziehung zu beenden, in der Sie so unglücklich sind. Ohne Unterstützung und Veränderung Ihres Selbstwertes werden Sie ziemlich sicher von einer emotionalen Abhängigkeit in die nächste geraten. Und das Leben ist zu kurz für solche Beziehungen.

Emotionale Abhängigkeit ist nicht romantisch, emotionale Abhängigkeit ist keine Liebe, denn Liebe ist freiwillig, Liebe ist ein Geschenk.

Woran erkennt man, ob eine Beziehung zu Ende ist?

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise