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Instagram Und Die Liebe

Instagram und die Liebe

Wie sehr zerstören unrealistische Inszenierungen der Liebe unsere Beziehungsfähigkeit? Neue Studien lassen vermuten, dass unsere Partnerschaften unter dem schönen Schein schweren Schaden nehmen

Sind Sie bei Instagram?

Vermutlich. Und warum auch nicht? Urlaubsbilder von Freunden, Momentaufnahmen von Familienmitgliedern und immer wieder überraschende und inspirierende Aufnahmen, die anregen können, Sofa und Wohnung zu verlassen und gemeinsam die Welt zu erkunden. Alles super also?

Leider nein. Vor allem, wenn Sie jung sind und / oder wenig Beziehungserfahrung gemacht haben. Weil die vielen glücklichen Paare auf Instagram Ihnen gar nicht gut tun, wie immer wieder Studien zeigen. Und das ist schade. Denn wer sieht nicht gerne schöne Bilder?

Wieso können eigentlich schöne Bilder so deprimierend wirken?

Einige Beobachter vermuten die Professionalisierung einiger Instagramer als Hauptgrund. Traumwelten, in die man flüchten kann, sehen gut aus und haben viele Follower. Wer Instagram auf irgendeine Weise nutzt, um auf seine Dienstleistung oder sein Produkt hinzuweisen, macht dies deshalb möglichst massenkompatibel. Also vermeintlich authentisch, aber in Wahrheit gestellt. Fake.

Das tolle Bild des turtelnden Paares am Strand ist eine Momentaufnahme. Sie verschweigt die (lange) Anreise, die Versuche, das beste Licht- und Schattenspiel einzufangen, das Stativ, das im Sand versinkt und den Streit über den richtigen Kussmund. Das macht es doppelt deprimierend, wenn man ein solches Bild selbst schießen will. Das fühlt sich nämlich ernüchternd an. Spätestens beim Zoff mit dem Partner wird klar, dass kein Foto solchen Aufwand wert ist. Wie einfach schien es früher, als man mit Vorfreude auf das Erlebnis an einen Strand gefahren ist – und nicht nur in eine Kulisse für ein Shooting.

Sie alle kennen die Bilder der Instagram-Paare, die sich durch die schönsten Plätze der Welt an ihren Händen ziehen. Hier Bali, dort das Tadj Mahal, beim Sonnenbaden, Bergsteigen und Städte-Tripp. Wenn Sie diese Bilder in ihrer Timeline sehen, dann müssen Sie ein extrem positiv aufgeladenen Selbstwert haben, um nicht zu denken: „Das will ich auch!“ Und weil wir nun einmal soziale Medien gerade nicht nutzen, wenn es uns richtig gut geht, sondern wenn wir uns durch einen Dopamin-Kick ein Glücksgefühl besorgen wollen, denken wir sogar eher noch negativer: „Warum habe ich das nicht? Was läuft falsch bei mir?“ Wir zweifeln an uns, an unserem Partner, an unseren Lebenszielen und Möglichkeiten. Und dann versuchen wir, einem künstlichen Ideal nachzueifern, um mithalten zu können und uns besser zu fühlen. Ich nenne diesen Effekt die „Disneyfizierung der Liebe“.

Die romantischen Bilder und die rosa Insta-Liebe hat auch Schattenseiten. Ich erlebe immer wieder Singles und Paare in der Praxis, die sich unter Druck gesetzt fühlen, eine perfekte Liebe leben zu messen. Die an ihrer Beziehung und ihrer Partnerwahl zweifeln, weil die Realität anders ist als die schöne Bilderwelt.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Wohl die meisten Menschen können unterscheiden zwischen Inszenierung und Realität. Es ist wie bei jedem Gift die Dosis, die den Unterschied macht. Es gibt Studien, die den Einfluss von Werbemotiven auf unseren Selbstwert untersucht haben und ich vermute, dass es kaum einen Unterschied macht, ob wir von klassischen Anzeigenmotiven in Magazinen reden oder von Instagram-Motiven, die solchen Werbeaktionen längst den Rang abgelaufen haben, weil sie auch noch von Algorithmen gesteuert explizit für uns ausgespielt werden. Als Ergebnis einer Untersuchung des „Love Lab“ unter Führung von Professor John Gottman haben Douglas und Rachel Abrams folgende Zahlen veröffentlich:

Frauen sehen zwischen 400 und 600 Werbeanzeigen pro Tag. Eines von elf Motiven transportieret eine eindeutige Aussage wie weibliche Schönheit aussehen sollte: Figur, Haltung, Mimik, Gestik, Aussehen, Kleidung, MakeUp … Sämtliche „Wie sich Frauen verhalten sollten“-Motive kommen dann noch dazu: glücklich, aktiv, freundlich, liebevoll, fürsorglich … Im Alter von etwa 60 Jahren hat eine Frau über 6 Millionen Botschaften gesehen, die ihr ein sehr konkretes Bild vermittelt haben, wie sie zu sein hat. Das alleine ist schon gruselig, aber es wird schlimmer: Keine dieser Botschaften ist realistisch erreichbar. Alle Models werden heute in der Bildbearbeitung perfektioniert, wie es kein Mensch nun einmal ist.

Und das ist nur die Wirkung von Anzeigen. Instagram ist deshalb – für Werbetreibende – so erfolgreich, weil die Grenze zwischen Anzeige und Wirklichkeit schwer zu erkennen ist. Was ist gestellt, was ist spontan? Was wurde von einem Sponsor bezahlt und was ist wirklich ein persönlicher Tipp? Dass Tipps von Freunden oder Bezugspersonen erheblich wirkungsvoller sind als die von einer Firma steht außer Frage. Was machen solche Tipps mit uns, wenn sie nicht nur unser Konsumverhalten beeinflussen wollen, sondern ganz tief in unsere Gefühle und Wünsche eingreifen, nämlich in unser Bindungsverhalten?

Wie viel Sehnsucht ist Motivation und Ansporn? Wo beginnen Frustration und Selbstzweifel?

Ausschlaggebend ist der Selbstwert. Ist der hoch, dann treibt der Anblick von perfekten Körpern Sie beim Sport an, Sie geben sich mehr Mühe, Sie fühlen sich herausgefordert – und das erleben Sie als etwas Schönes, Anregendes. Sie kümmern sich nicht darum, dass Sie natürlich mit Mitte 40 nicht mehr den Körper eines 20jährigen Modells haben können.

Ist Ihr Selbstwert aber verletzt worden und plagen negative Glaubenssätze Sie, dann fühlen Sie sich unsicher. Sie zweifeln an sich, an ihren Qualitäten und hadern, ob Sie es überhaupt wert sind, geliebt zu werden. Vielleicht steigern Sie sich dadurch derart in Selbstoptimierung, dass Sie sich und das Ziel ganz aus den Augen verlieren, weil Sie letztlich nur anderen gefallen wollen – oder Sie blocken vielleicht alles ab, verkriechen sich zuhause, verstecken sich vor den eigenen und den Blicken der anderen, um nur nie wieder verletzt zu werden durch Ablehnung oder Zurückweisung.

Und gerade weil uns das Internet und Soziale Medien häufig eine Sicherheit vorgaukeln (beispielsweise ein Tinder-Match, das uns die Angst vor einem Korb nehmen soll), wodurch wir dann die Zurückweisung noch schmerzhafter erleben, befürchte ich, dass die meisten Menschen eben doch immer wieder Verletzungen des Selbstwertes erfahren, was zu einer Spirale negativer Erfahrungen führt, die das Erleben der eigenen Unzulänglichkeit immer weiter verstärken. Die Folge sind Misstrauen, Rückzug, Distanz zum gesellschaftlichen Leben.

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Wie Social Media unsere Liebe verändert

Hier können Sie ein Interview mit mir für den Deutschlandfunk über den Einfluss von Instagram und Co auf unsere Beziehungen hören.

Sollen Sie jetzt Ihren Instagram-Account löschen?

Nein. Social Media hat positive Aspekte und die sollten Sie nutzen und genießen. Aber Sie sollten sich bewusst werden, dass es Nebenwirkungen gibt. Wir setzen unsere Kinder vor „Die Schöne und das Biest“, wohl wissend, dass sich im wahren Leben ein gewalttätiges Monster eben nicht durch Aufopferung in einen liebevollen Beziehungspartner verwandeln wird und vertrauen darauf, dass nicht eine Botschaft einen Menschen in eine emotionale Abhängigkeit treiben wird. Zurecht. Ach ja, und natürlich bin ich auch bei Instagram.

Die Mythen der Liebe

Seit wir sprechen können, haben wir uns Mythen über die Liebe erzählt. Sie prägten schon immer unsere Vorstellungen vom Beziehungsglück und unsere Erwartungen an den Partner, mit dem dies umsetzbar wäre. Diese Märchen und Legenden übernehmen wir und geben wir weiter. Das ist unbestritten.

Geschichten haben Kraft. Lagerfeuer oder Smartphone: wo ist der Unterschied? Neu ist die Fülle an Geschichten auf der einen und die Redundanz und Vereinfachung auf der anderen Seite. Inszenierungen in den sozialen Medien folgen heute überwiegend einer kommerziell geschuldeten, einheitlichen und lebensfremden Dramaturgie. Liebe, dieses wunderbare Gefühl der Zusammengehörigkeit, ist selten mehr als die Zurschaustellung von Sehnsucht und Leidenschaft. Menschen investieren immer mehr Lebenszeit, um davon zu träumen, dass die Liebe noch mehr zu bieten hat als das, was man zuhause erlebt.

Mich treibt die Frage um: Wenn die romantische Bewegung aus dem 19. Jahrhundert das Ideal der Liebesheirat begründet hat und dabei immerhin die Tausende Jahre alte Zweckehe schrittweise ablöste, was wird die heutige mediale Rundumversorgung mit ihren Liebesgeschichten Beziehungen verändern? In welchem Tempo? Welche Probleme tun sich auf, wenn auf der einen Seite die Prinzen Angst haben, etwas zu verpassen und andererseits die Prinzessinnen fürchten, nicht zu bekommen, was sie sich wünschen? Wie verändert sich unsere Bindungshaltung durch fehlende reale und zunehmend fiktive Rollenvorbilder?

Wir werden erleben, was mit Menschen passiert, deren Partnersuche-Tipps aus „Sex and the City“ stammen, deren Beziehungs-Tipps von Instagram-Kalenderweisheiten und deren Sex-Stellungen aus der Pornografie. Wie gelingt es Paaren zwischen Banalisierung der Liebe in romantischen Komödien, einer Timeline voller Marketing und Vermarktung von Beziehungsglück und schließlich der Überdramatisierung von Liebesdramen in gescripteten TV-Formaten das Gespür für echte, nicht fiktionale Gefühle zueinander zu bewahren? Ist das überhaupt möglich? Und wie wird das, wenn sich zur VR Brille der sensorische Ganzkörperanzug gesellt und wir ganz und gar in fiktiven Welten leben – und lieben – können?

Das Unperfekte an uns selbst macht Angst, weil wir denken, wir würden dadurch die Chance auf das Perfekte aufgeben müssen. Und dabei wissen wir ganz genau, dass es Perfektion eigentlich nicht gibt. Ich glaube fest und aufrichtig an glückliche Beziehungen. Dass sie möglich sind. Aber wir müssen uns auf sie einlassen mit all unseren Schwächen und Sorgen und Nöten.

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise