Immer Wieder Verliebt In Einen Unerreichbaren Partner: Pech Oder Muster?

Immer wieder verliebt in einen unerreichbaren Partner?

Er oder sie ist unerreichbar: vergeben oder abweisend, kann sich nicht entscheiden oder will sich nicht binden. Wenn Ihnen das immer wieder passiert, liegt das möglicherweise an Ihrer Partnerwahl.

Im Sat.1. Frühstücksfernsehen habe ich über Muster gesprochen, die unglücklich machen.

Immer wieder das gleiche Muster: Der Typ ist bereits vergeben, verheiratet oder will schlicht und einfach gar nichts von mir! Was ist los, wenn ich immer wieder auf die Nase falle?

Entweder man hat wirklich Pech – das gibt es – oder man sucht sich diesen Typ immer wieder raus. In der Beratung höre ich häufig den Satz: „Ich gerate nur an die Falschen“. Das ist aber so nicht ganz richtig. Die wählt man sich schon selbst aus, weil man die attraktiv findet.

Was macht die unerreichbare Person – Mann oder Frau – denn so attraktiv?

Mit einer unerreichbaren Person läßt sich die beste Beziehung der Welt führen – in der Vorstellung. Denn eine wirkliche Beziehung wird es ja nicht geben. Menschen, denen das immer wieder passiert, nennen manche Psychologen „passive Beziehungsverweigerer“. Also Personen, die Nähe suchen, aber gleichzeitig Angst vor Nähe haben. Unbewusst sorgen sie durch ihre Auswahl der Partner dafür, dass sich zwar das Verliebtsein einstellt, aber eine Beziehung nicht möglich ist.

Warum holt man sich immer wieder Verletzungen ab, weil es partout dieser eine sein soll, der aber gar nicht für mich bereitsteht?

Weil in der Fantasie zunächst die Hoffnung besteht, man könne den Partner ja noch von sich überzeugen. Oder ihn aus der falschen Beziehung retten. Oder ihn ändern. Das klappt aber alles nicht.

Was sagt die ewig falsche Auswahl über mich?

Natürlich ist das individuell. Manchmal hat es mit einem geringen Selbstwertgefühl zu tun. Also mit der Annahme: Glück habe ich gar nicht wirklich verdient. Manchmal ist es aber eben eine unbewusste Furcht vor Nähe und Bindungsangst. Viele Betroffene retten sich in Erklärungen über das Beuteschema wie: „Männer / Frauen sind eben so und so …“ Es bringt aber in diesem Moment, hier und jetzt, niemanden einen Schritte weiter, was Evolutionspsychologen über Partnerwahl in der Steinzeit heraus gefunden haben. Ebenso wenig wie die Schuldzuweisung an die Eltern, die ja die Bindungshaltung stark beeinflusst haben. Ein solches Muster ist kein Schicksal. Da lässt sich dagegen steuern. Mit zu hohen Ansprüchen hält man sich Menschen übrigens auch auf Distanz. „Die sind alle nicht gut genug“ zeigt nur, dass man die passenden Partner nicht bemerkt hat. In Berlin sind nach Umfragen mindestens die Hälfte der Einwohner Singles. Die sind doch nicht alle „nicht gut genug“ füreinander. Da lässt sich gewiss einiges erreichen, wenn man die eigenen Suchkriterien hinterfragt. Und deshalb muss man seine Ansprüche auch noch lange nicht aufgeben.

Woran erkenne ich, dass da jemand ist, der für mich da sein will? Also das Gegenteil des unerreichbaren Traumpartners?

Das ist jemand, der mich annimmt und an sich heran lässt und nicht jemand, der mich wegstößt. Das ist eigentlich sehr einfach. Nur in der Situation des Verliebtseins oder der Schwärmerei oft schwer zu erkennen.

Wie weit sollte die Kompromiss-Bereitschaft gehen, wie viele Ansprüche muss man für eine Beziehung aufgeben – ohne sich selbst aufzugeben?

Wenn es um unerreichbare Partner geht sind Kompromisse meist sehr schmerzhaft. Das ist verlorene Zeit, in der man Menschen kennen lernen könnte, die ein echtes Interesse haben.

Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise