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Zwei Sofortmaßnahmen bei heftigem Streit

Sie haben sich mit Ihrem Partner gestritten? Sie wissen nicht mehr weiter? Zwei bewährte Sofortmaßnahmen aus der Paartherapie, um Verletzungen zu verhindern.

01. Vertagen Sie die Auseinandersetzung
02. Verändern Sie die Rahmenbedingungen Ihrer Auseinandersetzung

01. Vertagen Sie die Auseinandersetzung

Angriff führt zu Gegenangriff oder Flucht. Das ist ein evolutionäres Programm, das sich nicht über die Vernunft richtig steuern lässt. Denn bevor das menschliche Gehirn so entwickelt war wie heute, mussten unsere Vorfahren – rasch und ohne jede Verzögerung – auf Gefahren reagieren können. Wir sind die Nachfolger derer, die solche gefährlichen Situationen gemeistert und überlebt haben. Deshalb ist unser Reaktionsvermögen evolutionär ein Erfolgskonzept: Fühlen wir uns bedroht, reagieren wir mit Gegenangriff oder Flucht. Diese Entscheidung treffen wir nicht bewusst und es bedarf größter Willensanstrengung und Training, in solchen Momenten dem Verstand und nicht dem „Reptiliengehirn“ zu gehorchen.

Jede Kritik – auch die des geliebten Menschen – löst in uns ein Stückweit diesen Reflex aus. Der Körper schaltet in Alarmbereitschaft und macht sich bereit, dem vermeintlichen Angriff zu begegnen. Das bedeutet, die Muskeln verspannen sich, der Herzschlag erhöht sich, der Blutdruck steigt, Stresshormone übernehmen die Kontrolle …

Mit dieser Vorstellung der Abläufe in Ihrem Körper wird Ihnen vielleicht verständlicher, weshalb es eine schlechte Idee ist, gestresst und aufgeregt zu streiten. Sie werden in dieser Verfassung keine Lösung finden. Vertagen Sie Ihre Auseinandersetzung. Sofort.

Mögliche Sätze, die Sie nun sagen können:

  • „Ich bin zu aufgeregt, um mich mit dir zu streiten. Ich möchte eine Lösung finden, dazu muss ich aber zunächst meine Gedanken wieder fassen können.“
  • „Du scheinst mir zu aufgeregt, um dich mit mir zu streiten. Ich möchte unser Gespräch vertagen, bis wir beide ruhiger geworden sind.“
  • „Ich möchte jetzt die Stresskarte ziehen! Lass uns erst zur Ruhe kommen, bevor wir weiter sprechen.“

02. Verändern Sie die Rahmenbedingungen Ihrer Auseinandersetzung

Wenn Sie zurückblicken, werden Sie sicher feststellen, dass mancher Streit unnötig war. Vielleicht erinnern Sie sich nicht einmal mehr an den Anlass, sondern nur noch an die Verletzungen, die dadurch entstanden sind.

Jedes Paar hat in seiner Beziehung nur eine gewisse Anzahl an wirklich heftigen, bösen Auseinandersetzungen, die es gut verarbeiten kann. Im Gegensatz zu klärenden Auseinandersetzungen mit erfolgreichen Veränderungen als Ergebnis, sind solche Streits Kräfte zehrend, sie verletzen und sie beschädigen jedes Mal mehr Ihre Bindung und letztlich Ihre Beziehung. Nach einem dieser Streits werden Sie sich trennen wollen und nach einem dieser Streits werden Sie sich tatsächlich trennen. Danach gibt es keinen Weg zurück. Deshalb stellen Sie Regeln auf, wo und wann Sie sich streiten, damit Sie möglichst wenige spontane Auseinandersetzungen führen. So mancher Anlass ist längst vergessen, wenn Sie sich dann tatsächlich treffen. Auf jeden Fall sind die Emotionen abgekühlt und Sie können sachlicher und respektvoller miteinander sprechen. Wie ein Team, das Sie ja schließlich bilden mit Ihrem Partner.

Mögliche Regeln für Auseinandersetzungen:

  • Vereinbaren Sie, dass Sie nur einmal am Tag, beispielsweise Abends zwischen 19  und 20 Uhr streiten. Ausnahmslos alle Auseinandersetzungen dürfen nur dann stattfinden. Vereinbaren Sie eine kurze, überschaubare Zeitspanne. Was Sie nicht schaffen, wird auf den nächsten Tag verschoben.
  • Vereinbaren Sie, dass Sie nur auf dem Balkon, in der Küche, im Gartenhaus oder Abstellraum mit der Waschmaschine streiten. Ausnahmslos alle Auseinandersetzungen dürfen nur dort stattfinden. Je ungewöhnlicher der Ort, umso mehr wird die neue Umgebung Ihre Gefühle auch neu sortieren und einordnen. Möglicherweise wird es Ihnen sogar lächerlich vorkommen, nun an diesem Ort zu streiten.

Mit diesen Sofortmaßnahmen können Sie keine Auseinandersetzung lösen. Aber Sie verändern bereits etwas an Ihrer Kommunikation. Jede noch so kleine Veränderung sorgt dann dafür, dass sich Ihre Streitkultur verändert.

Vergessen Sie nicht, sich nach Ihrem Streit zu versöhnen!

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