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Gefangen In Einer Emotionalen Abhängigkeit?

Gefangen in einer emotionalen Abhängigkeit?

Nicht jede Liebe tut gut. Wie Sie eine toxische Paar-Dynamik erkennen. Warum niemand eine dysfunktionale Beziehungen retten kann. Und was Sie machen sollten, wenn Sie feststellen, dass Ihr Partner Borderliner oder Narzisst ist. Mit Video.

Bindungsverhalten reicht von ängstlich bis vermeidend. Manche Menschen suchen Nähe, andere benötigen Distanz, manche haben die Erfahrung gemacht, dass sie sich Liebe verdienen müssen, andere fürchten, in einer Beziehung ihre Selbstbestimmung aufgeben zu müssen. Vereinfacht kann man sich das vorstellen wie ein Kontinuum, an dessen beiden Enden die extremen Ausprägungen liegen. Jeder Mensch neigt, je nach Prägung in der Kindheit, nach den individuellen Beziehungserfahrungen und auch in Kombination mit der jeweiligen Bezugs- oder Beziehungsperson zu einem bestimmten Bindungsverhalten, das sich zwischen ängstlich, sicher und vermeidend einordnen lässt.

Sicheres Bindungsverhalten klingt zunächst gut und erstrebenswert. Statistisch haben dieses etwa 50 Prozent der Bevölkerung, je nachdem, welcher Studie man vertrauen mag. Diese Typen leben meist in Beziehungen, sind selten oder nur sehr kurz Single und aus diesem Grund für die übrigen Menschen, die etwa hälftig einen ängstlichen und einen vermeidenden Bindungsstil haben (abzüglich einer Sonder- und Mischformen, auf die ich später eingehen möchte), kaum erreichbar. Stattdessen treffen bei der Partnersuche eben die ängstlichen und vermeidenden Typen aufeinander, weil sie sich gegenseitig anziehen. Mehr über diese Paar-Dynamik lesen Sie in dem Beitrag „Der Einfluss unseres Bindungsverhalten auf die Partnerwahl“.

Menschen mit extremen Ausprägungen ihres Bindungsverhalten sind häufig in toxischen Beziehungen. Sie leiden unter ihrem Bindungssystem, weil es sie zu Co-Abhängigen macht. Die Sympathie der meisten Menschen liegt eher bei den ängstlichen Bindungstypen, weil die sich bemühen, weil die geben und geben – um dann von den vermeidenden Bindungstypen abgewiesen und auf Distanz gehalten zu werden. Wer einmal versucht hat, eine Beziehung mit einem vermeidenden Typen zu führen, weiß, wie anstrengend und erschöpfend dies sein kann. Ich möchte jedoch möglichst wertfrei betrachten, was zwischen diesen Typen geschieht, den sowohl die ängstlichen wie auch die vermeidenden Bindungstypen leiden unter einem geringen Selbstwertgefühl, Verlustangst und Bindungsangst sind die zwei Seiten derselben Medaille. Vor einigen Jahren arbeiteten viele US-Therapeuten mit den Begriffen aktive und passive Beziehungsverweigerer (Steven Carter, Julia Sokol). Sie wollten damit aufzeigen, dass sich Bindungsangst auch zeigen kann dadurch, dass viele ängstliche Bindungstypen sich nur auf vermeidenden Bindungstypen einlassen können – schließlich sind die unerreichbar und eine Beziehung mit ihnen ist wenig realistisch. Es besteht also keine Gefahr, dass die nur scheinbar erwünschte und erstrebte Nähe jemals eintritt.

Woran erkennen Sie, dass Sie unbewusst Angst vor Nähe haben?

  • Sie „geraten“ immer an die Falschen, die sich nicht binden wollen
  • Sie finden unerreichbare Partner besonders aufregend
  • Sie finden Menschen, die sich für Sie interessieren, eher „langweilig“
  • Die „netten“ Frauen und Männer parken Sie in der „Friendzone“
  • Sie finden 1000 Erklärungen, warum „Mistkerle“ so schlimm eigentlich gar nicht sind
  • Wenn Sie eine Beziehung eingehen, erkennen Sie nach drei bis sechs Monaten unerträglich viele Macken an Ihrem Partner
  • Ihre Euphorie für einen Partner stirbt, sobald Eltern, Familie oder Freunde Ihre Partnerwahl bestätigen

Woran erkennen Sie, dass Ihr Partner ein Problem mit seinem Bindungsverhalten hat?

Ich warne dringend davor, alle Menschen mit auffälligem und extrem widersprüchlichen Bindungsverhalten sofort in die Schubladen „Borderliner“ oder „Narzisst“ zu stecken. Menschen mit Persönlichkeitsstörungen benötigen Hilfe. Aber jenseits des ausgeprägten Krankheitsbildes gibt es Menschen mit „narzisstischen oder Boderline-Anteilen“, mit denen Sie höchstens eine emotional Abhängigkeit erleben, aber keine Beziehung auf Augenhöhe führen können.

Woran Sie Menschen mit Boderline-Anteilen erkennen

  • Sie kennen keine inneren Grenzen, alles ist entweder schwarz oder weiß
  • Sie suchen keinen Partner, sie suchen einen Wirt
  • Anfangs sind sie zu gut, um wahr zu sein
  • Sie idealisieren ihren Partner und reagieren enttäuscht und aggressiv, wenn ihre Erwartungen enttäuscht werden
  • Sie neigen zu irrwitzig langen Briefen
  • Sie leiden unter vielen körperliche Krankheiten
  • Sie können autoaggressiv sein
  • Sie geben sich nie zufrieden und benötigen immer mehr
  • Sie erleben häufig depressive Phasen
  • Sie sind häufig fantastische Liebhaber, weil sie beeindrucken und den Partner an sich binden wollen
  • Wenn Sie Ihre Dominanz abgeben müssen, werden sie aggressiv
  • Sie haben starke narzisstische Züge
  • Sie füttern bei ihrem Partner immer wieder Angst, Schuldgefühle und Verpflichtungen
  • Sie benötigen Drama, um die Leere zu füllen
  • Sie kehren zurück und melden sich immer wieder

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise

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