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Feiges Dating-Phänomen Stashing: Wenn Ihr Neuer Schwarm Sie Versteckt

Feiges Dating-Phänomen Stashing: Wenn Ihr neuer Schwarm Sie versteckt

Was es mit Stashing auf sich hat und warum ohne Mut keine Beziehung funktionieren kann. Noch vor wenigen Jahren stammte der neue Kontakt irgendwie immer aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis, heute muss er erst dort integriert werden. Wie sehr verändert Online Dating unseren Mut, Nähe zuzulassen?

Sie sind frisch verliebt. Die Zeit zu zweit fühlt sich wundervoll an, sehr innig, sehr nah, nur Sie und Ihr Schwarm. Es fällt Ihnen erst später auf, aber irgendwann stellen Sie fest, dass Sie noch niemanden aus seinem/ihrem Umfeld kennengelernt haben. Keine Freunde, Arbeitskollegen oder Familienmitglieder. Der Verdacht in Ihnen wächst, dass dies beabsichtigt ist und Sie fragen sich: „Werde ich versteckt? Warum? Bin ich nicht gut genug? Schämt er/sie sich für mich? Meint er/sie es überhaupt ernst mit uns?“

Stashing: Ein Dating-Phänomen aus Feigheit

In Umfragen sagen die meisten Singles, es sei ihnen schon wichtig, was Freunde und Familie zum neuen Schwarm sagen würden, aber beeinflussen würden sie sich eigentlich nicht lassen. Den Partner vor der Familie zu verbergen, wird gerade in Berichten als „Stashing“ bezeichnet, ein englischer Begriff, der von „to stash“ stammt: verstecken.

Der Grund für diese plötzliche Explosion von Neubenennung altbekannter Dating-Phänomene (Ghosting, Benching, Love Bombing …) hat nach meiner Beobachtung vor allem einen Grund: Liebe zu riskieren fällt vielen Singles zunehmend schwerer. Online Dating verändert heute die erste Kontaktaufnahme zunehmend. Es braucht einfach weniger Mut, ein Herz zu senden oder ein Like zu drücken, als einer Person unmissverständliches Interesse zu zeigen – und dabei zu riskieren, eine reale, schmerzhafte Rückweisung zu erfahren. Und alle neuen Dating-Phänomene scheinen dies gemeinsam zu haben: Angst. Angst zu sagen, dass es wohl nicht miteinander klappen wird, dass man einen anderen, viel versprechenderen Kontakt verfolgen will oder davor, nicht genug Anerkennung zu erhalten.

Den Partner vor Freunden und Familie verstecken: Stashing

Stashing ist ganz sicher kein neues Phänomen. Seit es nicht mehr Standard ist, dass er sie fürs Date bei den Eltern abholt, hat der Zwang zur Vorstellung doch sehr nachgelassen. Wenn man es macht, dann freiwillig und als Zeichen von Wertschätzung. Verstecken kann man den Partner jedoch auch vor Freunden oder überhaupt jeder Öffentlichkeit. Manche Singles klagen, außer Sofa und Bett hätten sie vom Lebensraum des neuen Kontaktes gar nichts kennengelernt. Keine Bar, kein Restaurant, kein Club – dank Lieferservice und Streaming-Diensten. Und das ist dann doch ein recht neues Phänomen. Die meisten Kontakte vor Dating Apps wurden über Freunde, den Arbeitsplatz, die Freizeit, also im weitesten Sinne innerhalb des sozialen Netzwerkes, geknüpft. Es war zuvor kein Massenphänomen Menschen kennenzulernen, die man sonst nie getroffen hätte. Das bedeutet: noch vor wenigen Jahren stammte der neue Kontakt irgendwie immer aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis, heute muss er erst dort integriert werden. Dieses Vorstellen erfordert Mut, denn die zarte Pflanze Verliebtheit übersteht selten einen eisigen Kritikguss, wenn alle Freunde die Augen verdrehen oder per Textnachricht fragen, ob „das wirklich dein Ernst wäre?“ Die Angst vor Zurückweisung durch ausbleibende Anerkennung ist gewaltig, weil Online Dating sie ein Stück weit überflüssig gemacht hat. Wer diesen Mut zu Beginn des Kennenlernens nicht aufbringen musste, scheint für spätere Herausforderungen leider nicht gut gerüstet zu sein.

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise

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