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Digitaler Salon Am Humboldt Institut Für Internet Und Gesellschaft

Digitaler Salon am Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Liebe im Netz. Das Humboldt Institut in Berlin hatte mich eingeladen. Von der Talkrunde gibt es eine Video- und eine Audio-Aufzeichnung.

Im Vorfeld hatten die Gäste einige Fragen erhalten, die ich hier beantworten möchte.

Wie stellt ihr euch die Zukunft des Datings vor?


Die Grenzen werden sich noch mehr vermischen. Ist das Anschreiben über WhatsApp oder Snapchat eines Freundes von Freunden, den man auf einer Party gesehen hat, offline oder online-Dating? Werden Wearabels signalisieren, ob wir in Flirt- oder Dating-Laune sind? Oder wird uns Augmented Reality verraten, wer Single ist? Alles, was Sie sich vorstellen können, wird es geben.

Wie werden sich (traditionelle) Kennenlern- und Beziehungsmodelle verändern?

Das Bedürfnis nach der einen großen AMEFI-Liebe, also Alles mit Einem für Immer wird nach meiner Beobachtung sogar größer. Die Freiheiten der Sexuellen Revolution interessieren aktuell nicht so viele junge Menschen, scheint mir. Insofern werden alle Dating-Formen daran gemessen werden, ob sie das jeweilige Bedürfnis ihrer Nutzer erfüllen können. Sei es Liebe oder Sex. Letztlich wird ja im Netz zunächst nur ein Kontakt hergestellt. Das Kennenlernen oder näher Kennenlernen verläuft in den gewohnten Wegen und Phasen. Ein Muster heißt häufig: Nach sechs Wochen suche ich lieber etwas, das besser passt.

Wie und wo haben sie sich bereits verändert?


Das Internet ist heute nach Freundeskreis und Arbeitsplatz bereits Platz 3 der Kuppler. Vor zehn Jahren war das noch die Freizeit. Für mich zeigt das ganz gut, dass viele Formen des Dating im Internet auch eine Freizeitbeschäftigung geworden sind. Auch logisch, denn wir verbringen immer mehr Zeit im internet. Es ist vermutlich sogar gut, dass wir dann auch wenigstens dort Liebe und Beziehungen finden können, wenn wir uns schon so viel dort aufhalten.

Haben wir es hier mit der völligen Ökonomisierung der Liebe zu tun?

Natürlich wird mit Liebe Geld verdient. Mit unserem Bedürfnis, begehrenswert zu sein. Mode, Kosmetik, Fitness, Bildung – alles wirbt mit Sex und Liebe. Ich selbst verdiene mein Geld, indem ich Menschen helfe, die einen großen Leidensdruck bei der Partnersuche oder in ihrer Partnerschaft haben.

Die eigentliche Ökonomisierung der Liebe ist aber doch die Ehe als Bildung einer Wirtschaftsgemeinschaft, um dem Nachwuchs den Besitzstand vererben zu können. Ökonomisierung der Liebe ist für mich auch das Hinaufheiraten in einen besseren gesellschaftlichen Status. Das ist heute eher nebensächlicher geworden. Wir leben in einer Zeit der völligen Überromantisierung der Liebe. Einer Disneyfizierung von Liebe, wo es um ein idealisiertes Ziel von ewiger Liebe und Treue aber weniger um echte, reale Beziehungsmodelle geht. Paare können heute ihre Beziehungsform völlig frei verhandeln. Sie tun es nur nicht.

Online-Dating als konsequente Fortführung von Selbstoptimierung und Ökonomisierung? Ist das nur traurig oder einfach die nächste Stufe unseres Cyborg-Daseins?


Es ist, was Sie daraus machen. Am Ende gibt es keine gute und schlechte Liebe, es gibt nur glückliche und unglückliche Paare und Verhaltensweisen, die Partner unglücklich machen. Dabei ist völlig unerheblich, wie die Partner zusammen gekommen sind. Es gibt allerdings erste Studien, die den Partneragenturen die stabileren Beziehungen bescheinigen. Das mag daran liegen, dass die Liebe auf den ersten Blick, dieses absolute Disney-Ideal eben doch meist sexuelle Anziehungskraft ist.

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise

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