Beziehung Retten Aber Wie

Diese Tipps können Ihre Beziehung retten

Welche Verhaltensweisen zeigen glückliche Paare, welche zeigen unglückliche? In diesem Programm nach den Studien des Paarforschers John Gottman müssen Sie nur sechs Stunden pro Woche aufwenden, um ihre Beziehung spürbar und nachhaltig zu verbessern

Die Forscher wollten nicht einfach nur eine Liste von einfachen und einprägsamen Beziehungstipps erstellen, sondern sie wollten herausfinden, welche Aktivitäten ein Paar dauerhaft positiv beeinflussen. Dabei geht es immer darum, dass die Partner Verbindungen und Kontakt untereinander herstellen. Gottman nennt diese Bemühungen „Bids for Connection“. Ein solcher „Bid for Connection“ ist der Blick morgens über den Smartphone-Rand ebenso wie das Teilen eines hilfreichen oder spannenden Artikels bei Facebook. Dieser hier eignet sich übrigens ganz besonders gut 😉

Kinder sagen ihren Eltern immer wieder durch ihre Fragen, durch das Deuten auf etwas Ungewöhnliches oder durch Zupfen am Ärmel: „Siehst du mich? Nimmst du mich wahr? Kannst du mir bestätigen, dass ich wichtig bin für dich?“ Erwachsene behalten diesen Wunsch nach Aufmerksamkeit, die ja auch Anerkennung und Wertschätzung bedeutet, bei. Lebenslang benötigen wir das Gefühl, dass wir von der Welt, die wir um uns herum wahrnehmen, ebenfalls wahrgenommen werden. Wir erleben im Alltag unsere Umwelt alleine, vielleicht sogar einsam, nur durch unsere Sinne. In der Liebe teilen wir diese Erfahrung mit einem anderen Menschen. Wir wollen sehen, was der Partner sieht. Wir möchten wissen, wie er die Welt wahrnimmt und welchen Platz wir in dieser – seiner – Welt einnehmen. „Bid for Connection“ ist keineswegs kindisch, es ist das menschliche Grundbedürfnis nach Bindung und nach Bestätigung. Eine Liebesbeziehung ist daher immerwährende Kommunikation der Partner auf verschiedenen Ebenen: verbal, körperlich und auch sexuell. Wir nehmen uns gegenseitig wahr und wir nehmen uns dadurch gegenseitig an und verhindern Beziehungsstress.

Die folgenden Aufgaben sind entstanden aus den Erzählungen von echten Paaren, die Professor Gottman uns seinen Forschern sagten, wann sie sich besonders verbunden fühlen und was sie unternehmen, um diese Bindung zu bewahren.

Beziehung retten mit diesen Tipps

Verabschiedungen

Ein Kuss, gerne auch innig und lang, verbunden mit einer Umarmung, ist hoffentlich Standard. Was Sie davor machen sollten: Einander erzählen, worauf Sie sich heute freuen und worauf Sie eher weniger Lust haben. Das kann der Besuch beim Zahnarzt sein oder das Gehaltsgespräch, aber ebenso der Vorsatz, in der Kantine das vegetarische Gericht zu versuchen. Die Übung soll Ihnen den Eindruck vermitteln, am Leben Ihres Partners teilzuhaben – und umgekehrt, dass dieser gedanklich bei Ihnen ist, obwohl Sie räumlich getrennt sind. Das ist kein Ersatz von Textnachrichten. Sie dürfen sich natürlich auch weiterhin aus dem Wartezimmer melden. Vielleicht kommt Ihnen Ihr Partner sogar zuvor. Das wird Ihnen garantiert ein Lächeln auf die Lippen zaubern und ein Gefühl von Verbundenheit schaffen.

Aufwand: 10 Minuten pro Woche (2 Minuten täglich an jedem der 5 Arbeitstage)

Wiedersehen

Nun aber unbedingt küssen, umarmen und sich der Gegenwart des Partners versichern durch Körperkontakt. Dann bereitet Heimkommen nämlich mehr Vorfreude. Bei einem Kuss von über 5 Sekunden sowie einer Umarmung von mehr als 15 Sekunden werden bereits Bindungshormone produziert, die uns dieses wohlige Gefühl von Geborgenheit geben. Sie konditionieren so Ihren Körper und Ihr Belohnungszentrum auf Ihren Partner. Sie trainieren gleichzeitig Dankbarkeit und Vermissen.

Danach, ob sofort oder etwas später entscheiden Sie nach Ihren individuellen Vorlieben, folgt das „Schatz, was hat dich heute bewegt?“-Ritual. 20 Minuten lang tauschen Sie sich aus, über Ihren Tag, über Ihre Erlebnisse, was Sie erfreut, was Sie genervt hat. Männern fällt häufig schwerer als Frauen, nicht nur über die Termine des Tages, sondern auch über die Gefühle dabei zu sprechen. Finden Sie hier den Weg, der Ihnen liegt. Wichtig ist, dass Sie immer den Eindruck haben, sie sind in dieser Zeit miteinander verbunden und können über alles sprechen.

Aufwand: 1 Stunde und 40 Minuten pro Woche (20 Minuten täglich an jedem der 5 Arbeitstage)

Lob und Anerkennung

Loben Sie sich für die Kleinigkeiten ebenso wie für die großen Gefallen, die Sie füreinander machen. So wie Applaus motiviert, treibt uns Wertschätzung an. Lob zeigt ganz deutlich, dass Ihr Partner Sie wahrgenommen hat, dass er aufmerksam verfolgt, was Sie tun, dass Sie nicht selbstverständlich sind für ihn. Hüten Sie sich davor, Selbstverständlichkeiten einzufordern.

Manche Partner in der Paarberatung empfinden gerade diesen Punkt als eine gewaltige Herausforderung. Sie haben oft über Jahre hinweg so wenig Aufmerksamkeit und Anerkennung erhalten, dass ihr persönliches Beziehungskonto tief im Minus steckt. Sie fühlen sich übervorteilt, vielleicht sogar ausgenutzt, auf jeden Fall nicht genügend für Ihre Mühen respektiert – und nun sollen sie ausgerechnet Dankbarkeit zeigen? Ja. Denn dadurch verändern Sie ein Muster und damit bewegt sich Ihre Beziehung in neue Regionen. Gerade wenn Sie dazu eigentlich nicht gern bereit sind oder sogar überzeugt, dass verdammt nochmal endlich Ihr Partner dran ist, Ihnen etwas Gutes zu tun. Führen Sie ein Dankbarkeitstagebuch, in das Sie täglich drei Dinge schreiben, wofür Sie Ihrem Partner dankbar sind. Suchen Sie die kleinen Momente und Situationen – denn Sie sollen sich nicht wiederholen!

Aufwand: 35 Minuten pro Woche (5 Minuten täglich an jedem der 7 Wochentage)
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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise