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Wie Paare Große Unterschiede Meistern Können

Mein Partner und ich sind so unterschiedlich. Unsere Unterschiede führen immer wieder zu Konflikten. Viele Paare zweifeln, ob ihre Liebe und ihre Beziehung ihre charakterlichen oder kulturellen oder auch äußerlichen Gegensätze vertragen kann. Studie zeigt, welche Gemeinsamkeiten Paaren guttun und womit Sie Unterschiede ausgleichen – oder sie lieben lernen

Große Unterschiede oder viele Gemeinsamkeiten?

Beispielweise fühlen sich viele introvertierte Menschen zu extravertierten Menschen hingezogen. Sie lassen sich anstecken von deren Neugierde auf neue Kontakte, finden Talente und Verhaltensweisen interessant, die sie selbst nicht haben und erleben deren Stärken als Ergänzung zu eigenen Schwächen. Das ist auch das Geheimnis, ob Gegensätze sich nun anziehen oder abstoßen: Werden sie als Ergänzung empfunden, also als etwas, das einen selbst und die Partner als Paar bereichert, dann sind sehr anziehend. Sind die Unterschiede jedoch sehr groß und so fern der eigenen Wahrnehmung, dass sie bedrohlich wirken, dann stoßen sie ab.

Wie groß darf der Unterschied von Partnern sein?

Gemeinsamkeiten sind wichtig, damit wir uns geborgen und sicher fühlen, also ein Partner, der unsere Lebensziele und Werte teilt. Unterschiede darf (und sollte es) aber auch geben. Denn dann hat das Paar einfach mehr Möglichkeiten auf Veränderungen von innen und außen zu reagieren. Je unterschiedlicher die Partner umso wichtiger ein ähnlicher Kommunikationsstil, um Unterschiede zu benennen und gegenseitiger Respekt vor der Andersartigkeit der Gedanken und Verhaltensweisen des Partners.

Das Bild von den Werkzeugkoffern

Ich vergleiche Unterschiede der Partner mit Werkzeugkoffern mit Werkzeugen für Veränderungen, die von innen und außen auf jede Beziehung einwirken. Ganz und gar ähnliche Partner bringen jeweils einem mit den gleichen Tools gefüllten Werkzeugkasten mit. So können beide alleine und autonom ohne Unterstützung des anderen mit ihren Werkzeugen reagieren. Ein Paar mit großen Unterschieden hingegen bringt zwei Werkzeugkoffer mit unterschiedlichen Werkzeugen mit. Sie haben also mehr Möglichkeiten, auf unterschiedliche Veränderungen zu reagieren. Sie müssen dazu nur entweder die Tools des Partners zu verwenden lernen oder den Partner seine Werkzeuge verwenden lassen. Klingt banal, braucht aber im Alltag Mut und Respekt. Denn welches Paare hat nicht schon darüber gestritten, welcher Lösungsweg wohl der richtige wäre und nicht selten scheint es den Partnern ja auch so, dass alleine ihr Lösungsweg der richtige wäre.

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Bei welchen Punkten sollte man sich als Paar definitiv einig sein?

Vertraut fühlen wir uns, wenn der Partner ähnliche Wertevorstellungen hat, einen ähnlichen Kommunikationsstil hat und vergleichbare Lebensziele anstrebt. Das mindert das Konfliktpotenzial und macht das tägliche Aushandeln von Kompromissen sehr viel leichter und angenehmer. Und nur, wenn dies funktioniert, haben Partner langfristig das Gefühl, ihre Beziehung wäre wert in sie zu investieren. Unterschiede frustrieren hier, sie stellen die Frage: Lohnt es sich überhaupt, immer wieder mit dem Partner um Unterschiede zu ringen? Dadurch verschwindet der Optimismus, den jede Partnerschaft benötigt.

Welche Konflikte sind bei einem Paar mit großen Unterschieden vorprogrammiert?

Sehr viele Paarkonflikte lassen sich auf den Nenner herunter brechen: „Würdest du mich wirklich lieben, dann würdest du tun, was ich mir von dir wünsche.“ Ungleiche Paare haben meistens auch unterschiedliche Wege, um einen Konflikt zu lösen. Die Gefahr ist also groß, dass ein Streit schnell von der Sachebene auf die persönliche Ebene wechselt, also ein anderer Lösungsweg dazu führt, dass der Partner persönlich abgewertet wird. „Du bist doch einfach nicht klug genug …“ Aber diese Dynamik kennt vermutlich jedes Paar, auch das, das sich sehr ähnlich fühlt. Je größer die Unterschiede, umso größer muss der gegenseitige Respekt sein.

Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass ähnliche Werte, ähnliches Kommunikationsverhalten und ähnliche Bedürfnisse für eine langfristige Beziehung ausschlaggebend sind. Daraus schließt sich, dass das soziale Umfeld wie Bildung, Status, Milieu, die prägenden Einfluss auf diese Faktoren haben, ebenfalls sehr wichtig sind. Und im Gegenzug sind andere Faktoren wie Aussehen oder Körpergröße unwichtig sind. Es kommt vor allem darauf an, wie die Partner den Unterschied erleben: Fühle ich mich im Vergleich zum Partner unattraktiv, dann wird ein geringer Selbstwert dazu führen, dass ich eifersüchtig und misstrauisch werde, sobald ihm jemand ein Kompliment macht. Bin ich mit selbst aber im Reinen, dann erlebe ich das Kompliment für den Partner auch als Kompliment für mich. Eine Einordnung nach Unterschieden halte ich deshalb für schwierig. Es ist eher eine Einordnung nach Selbstwert und gefühlter Bedrohung durch Unterschiede. Wer überzeugt ist, dass Unterschiede eine Beziehung zum Scheitern bringen werden, der wird erstens eine solche Beziehung nicht eingehen und zweitens würde er vermutlich auch genau das erleben. Jedoch nicht wegen des Unterschiedes, sondern wegen der eigenen Unsicherheit.

Kann es gut gehen, wenn Partner ungleich sind?

Aber ja, ungleiche Paare haben eine Chance. Die meisten wissen ja von Anfang an über die Unterschiede und wollen dennoch oder genau deshalb eine Beziehung eingehen. Wenn wir also davon ausgehen, dass wir wissen, worauf wir uns einlassen, dann ist es leicht von Anfang an über Unterschiede zu diskutieren und zu verhandeln. Viele Paare jedoch, die anfangs denken, sie seien einander unglaublich ähnlich, erkennen oft nach Jahren, dass sie sich geirrt haben und kommen dann mit dieser Veränderung nicht zurecht und die Beziehung scheitert.

Jeder denkt, ich bin anders als alle anderen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber, dass alle anderen anders sind als man selbst. Im Beziehungsalltag bedeutet dies zu respektieren, dass der Partner einige Dinge anders sieht, bewertet und deshalb aufgrund seiner Erfahrungen anders reagiert. Aber klar zieht da jeder auch seine Grenzen: wenn Verhaltensweisen des Partners als schmerzhaft erlebt werden, dann muss man vielleicht auch zugestehen, dass man nicht zueinander passt.

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Kann man schon vor der Ehe erkennen, ob die Verbindung gelingen kann?

In den ersten sechs Monaten der Verliebtheit nehmen Menschen den Partner so wahr, wie es ihnen ihre Gefühle und Hormone erlauben. Positives wird verstärkt, negatives wird weggeblendet. Das ist auch gut so, denn zum Öffnen, sich aufeinander Einlassen gehört viel Mut und die Euphorie der ersten Anziehungskraft erleichtert das. Erst nach ein bis zwei Jahren lässt sich nachhaltiger sagen, ob ein Paar harmonieren kann. Helfen können beispielsweise die Tests von Partneragenturen wie ElitePartner, Parship oder eHarmony. Hier werden zahlreiche für eine Beziehung wichtige Aspekte gemessen und verglichen und die bilden durchaus eine verlässliche Tendenz ab. Auch Professor John Gottman hat in seinem berühmten LoveLab eine Formel entdeckt, mit der er mit einer über 90 prozentigen Wahrscheinlichkeit vorhersagen kann, ob ein Paar zusammen bleibt. In der Modern Love School biete ich einen Onlinetest an, der eine solche Beziehungs-Anamnese abbildet.

Große Unterschiede und nicht lösbare Konflikte

Die meisten Konflikte einer Beziehung sind nicht so lösbar, dass beide Partner gleichermaßen zufrieden sind mit einem Kompromiss. Wie ein Paar genau mit diesen Konflikten umgeht, das zeichnet aus, wie sie später ihre Ehe führen werden: großzügig oder egoistisch, nachtragend oder verzeihend, miteinander oder gegeneinander. Jeden Kompromiss, jede Verhandlung muss ein Paar wie Liebende gestalten und nicht wie Gegner. Es ist erstaunlich, wie feindselig Paare werden können in Krisen – obwohl sie doch eigentlich als Team an einem Strang ziehen könnten.

Oft entsteht aus dem verbissenen Ringen um nicht lösbare Konflikte eine Forderungs-Rückzugsdynamik, in der ein Partner, aus Furcht nicht gehört zu werden, immer lauter und drängender wird, und der andere, um nur nichts Falsches zu sagen oder zu machen, lieber verstummt, sich zurückzieht und jede Auseinandersetzung vermeidet. Aus einer solchen Dynamik finden viele Paare alleine nicht mehr einen Ausweg. Doch es sind nicht wirklich die Unterschiede, die ihnen den Alltag erschweren, es ist diese sich rasch festigende Dynamik, die wie ein gemeinsamer Gegner von beiden Partnern als paar bekämpft werden muss. Allerdings ist aber die erste und häufigste Reaktion, jeweils den Partner und seine unterschiedliche Persönlichkeit als Gegner zu sehen und diesen zu bekämpfen. Das verstärkt jedoch nur die Dynamik und löst sie keineswegs. In der Emotionsfokussierten Paartherapie wird bspw. versucht, genau diese Dynamik zu verändern.

Welche Themen sind in der Partnerschaft wichtig?

Je nach Umfrage wünschen sich Paare in Deutschland vor allem einen ähnlichen Humor, ähnliche Leidenschaft, ähnliche Werte, ähnliche Kommunikationsstile und ähnliche Lebensziele. In der Praxis scheint es aber nicht ganz so wichtig, dass die Partner gleich ticken in allen Bereichen, es geht vielmehr darum, wie gut sie sich ergänzen in ihren Unterschieden und wie respektvoll sie mit diesen Unterschieden umgehen. Die Partner müssen nicht die gleichen Ziele im Leben haben, aber sie sollten die jeweiligen Ziele kennen und sich auf dem Weg dorthin unterstützen. Wenn man sich kennenlernt, möchte man alles vom anderen erfahren und kann gar nicht genug wissen. Diese Neugierde aufeinander zu bewahren und daraus Optimismus zu schöpfen für die gemeinsame Beziehung, ist wichtiger als permanente Harmonie. Dazu gehört intensiver Austausch über Wünsche und Fantasien, Hoffnungen und Ängste. Liebe ist eine tägliche Entscheidung. Die kann man nur treffen, wenn man überzeugt ist, dass sich die Investition ineinander lohnt – trotz aller Rückschläge, die dazugehören.

Studie: Ranking der wichtigsten Faktoren für eine stabile Partnerschaft:

  Gesamt In Partnerschaft
Lebende
Singles
1. Ähnlicher Lebensplan 79% 79% 78%
2. Ähnliches Wertesystem 77% 76% 78%
3. Ähnliches Verhältnis zum
Umgang mit Geld
69% 69% 69%
4. Finanzielle Sicherheit 56% 59% 53%
5. Ähnliche Hobbys 56% 53% 59%
6. Gleiches Bildungsniveau 51% 47% 56%
7. Einverständnis durch die
Familie
49% 48% 49%
8. Ähnlicher sozialer
Hintergrund
49% 48% 49%
9. Einverständnis durch
Freunde / den
Freundeskreis
42% 37% 48%
10. Ähnlicher Tagesrhythmus 41% 38% 45%
11. Ähnliche politische
Ansichten
28% 28% 28%
12. Ähnlicher religiöser
Hintergrund
25% 26% 24%

Hinweis: Mehrfachnennung möglich

N = 1.000 Personen, Studie: Parship

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paartherapeut, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist in seinem Fachbereich einer der meist zitierten Experten im deutschsprachigen Raum. Seit über 15 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise und Gründer der Modern Love School .

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