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Mein Partner Ist Gefühlskalt. Was Steckt Dahinter?

Manchen Menschen fällt schwer, Gefühle zu zeigen. Andere scheinen gar keinen Zugriff auf ihre Emotionen zu haben oder zuzulassen. Was tun, wenn die Gefühle erkalten? Kann man eine Beziehung führen mit einem gefühlskalten Partner?

Hilfe, mein Partner ist gefühlskalt

In der Paarberatung erlebe ich häufig den Vorwurf: „Du bist völlig gefühlskalt geworden.“ Worauf häufig der kritisierte Partner antwortet: „Du wusstest doch von Anfang an, dass ich nicht so der romantische Typ bin. Du weißt doch, dass ich dich liebe. Wäre ich sonst mit dir zusammen?“ Haben solche Paare noch eine Chance?

Während Pragmatismus in der Beziehung und beim Reagieren auf Veränderungen und Konflikte durchaus seinen Platz finden sollte, braucht die Liebe Nähe und Zuwendung. Wir wünschen uns nicht nur einen Menschen an unserer Seite, der uns unterstützt, wir suchen jemanden, der uns die Welt und uns selbst aus seinen Augen zeigt, voller Zuneigung, Verständnis und Neugierde. So wie wir alles vom Partner erfahren wollen, so hoffen wir, geht es ihm ebenso.

Liebe zeigt sich in der Art der Kommunikation der Partner, wobei es dabei nicht allein um Worte geht. Glückliche Paare zeichnet eine zugewandte Kommunikation aus. Sie geben mehr preis, als nötig wäre, sie denken mit und weiter, wenn sie versuchen, einander Freude zu bereiten, sie versetzen sich in den Partner, um zu fühlen, was er fühlt.

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Gefühlskalte Beziehung: Was tun, wenn die Gefühle erkalten

Wer vom Partner nicht mehr gespiegelt wird, erlebt den Verlust der Bindung. Beobachten Sie ein Kind, das seiner Mutter etwas zeigen möchte, das es gesehen hat. Es möchte mit ihr sich verbunden fühlen. Denn wenn die mit ihren Augen sieht, was das Kind entdeckt hat, besteht für einen wunderbaren Moment eine Verbindung, die spürbar macht: Da ist jemand, der gerade das empfindet, was ich empfinde. Ich bin wichtig. Ich bin wertvoll. Ich bin nicht allein.

Es ist zugewandte Kommunikation, wenn die Mutter den Wunsch nach Bindung erkennt, achtsam ist und diesen Moment mit ihrem Kind teilt und vielleicht noch hinzufügt: „Ja, das ist sehr schön. Das erinnert mich daran, was wir gestern gesehen haben. Wollen wir und das morgen genauer ansehen?“ Zugewandte Kommunikation sorgt für sichere Bindung, ohne Verlustangst, ohne Bindungsangst.

Erwachsene suchen Bindung auf Augenhöhe, aber sie suchen sie ganz genauso wie Kinder. Wenn sie sich gegenseitig erzählen, was sie gelesen haben, wenn sie sich tagsüber Textnachrichten und Bilder senden, um einander Freude zu bereiten, wenn sie sich spontan Geschenke machen, weil sie etwas gefunden haben, das ihren Partnern gefallen könnte. Sie denken füreinander mit. Sie bestätigen sich gegenseitig durch ihre Aufmerksamkeit.

Gefühlskalt: Wenn Männer oder Frauen keine Gefühle haben

Das Kind, das von seiner Mutter nicht beachtet wird, gibt zunächst nicht sofort auf. „Mama, sieh doch! Schau doch mal! Mama!“ Es wird vielleicht lauter werden und sogar am Arm ziehen und auf etwas deuten. Vielleicht wird es sogar weinen, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Und auch das wiederholt sich in Beziehungen. Erwachsene nutzen ein ganzes Repertoire an Verhaltensweisen, um sich der Achtsamkeit des Partners zu vergewissern. Sie zupfen nicht am Ärmel, aber halten Hände, sie kitzeln sich, sie umarmen sich, sie erzählen einander ihre Erlebnisse des Tages – sie versuchen Bindung zu schaffen. Scheitern sie, weil der Partner sich abwendet, nicht auf sie eingeht und keine eigenen Ambitionen zeigt, Nähe zu suchen, dann spüren sie Gefühlskälte.

Ein sehr schmerzhaftes Gefühl, denn es steht für Verlust von Bindung. Der Mensch als soziales Wesen stirbt in der Isolation. Unsere Instinkte reagieren auf Trennung so heftig, weil evolutionär das Alleingelassen werden den sicheren Tod bedeutete. Deshalb ist Liebeskummer so schmerzhaft. Ein gefühlskalter Partner ist emotional die Vorstufe einer endgültigen Trennung. Das sind Signale, dass eine Beziehung am Ende ist.

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Beziehung führen mit einem gefühlskalten Partner

Nicht jeder Mensch wünscht sich dieselbe Nähe. Manche sind distanzierter als andere, manche können es nicht eng genug haben. Manche benötigen bestimmte Situationen und Umstände, um Intimität zuzulassen, manche streben nach nichts anderem, als solche Situationen zu schaffen, weil sie ohne Nähe zu verkümmern befürchten. Die Bindungstheorie unterscheidet Menschen in Gruppen nach ihrem Bedürfnis nach Nähe oder Distanz. Das Bindungssystem hat einen enormen Einfluss auf die Partnerwahl. Es führt beispielsweise unsichere, ängstliche Typen, die Angst vor dem Verlust von Nähe haben zusammen mit vermeidenden Typen, die fürchten, ohne Distanz ihre Autonomie und Selbstbestimmung zu verlieren. Nach meiner Erfahrung erscheinen viele bindungsängstliche Menschen den verlustängstlichen Menschen als gefühlskalt – weil sie ihre unterschiedlichen Bedürfnisse nicht vereinen können.

Erkenne, ob jemand gefühlskalt ist: Test

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Wie eindeutig sind seine Signale?

Sein Wunsch nach Autonomie

Er hält Distanz

Sein Umgang mit Ihren Schwächen

Beharren auf seinen Grenzen

Seine Vorstellung von Beziehung

Seine Wünsche und seine Regeln

Hält sich seine Absichten offen

Hat Ihr Partner – vielleicht unbewusst – Bindungsangst?
Ihr Partner leidet ziemlich sicher nicht unter Bindungsangst
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Ihr Partner unter Bindungsangst leidet, wenn er sich so verhält, wie Sie ausgewählt haben.
Ihr Partner leidet möglicherweise unter Bindungsangst
Nach Ihren Angaben lässt sich nicht genau sagen, ob Ihr Partner unter Bindungsangst leidet. Eine Tendenz besteht, doch sie ist nicht besonders stark ausgeprägt. Sie ist allerdings erkennbar.
Ihr Partner leidet mit großer Wahrscheinlichkeit unter Bindungsangst
Ihr Schwarm oder neuer Kontakt oder Partner ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein vermeidender Beziehungstyp. Das bedeutet, dass er stark von Bindungsangst geprägt ist. Auch er wünscht sich Liebe und Bindung – jedoch schränkt seinen Wunsch nach Nähe immer der Drang nach Autonomie und Selbstverantwortung ein. Auf keinen Fall möchte er sich aufgeben in einem Wir einer Beziehung, sondern sein Ich bewahren. Dieses Ich ist geprägt von einem verletzten Selbstwert, deshalb fällt es ihm so schwer, weitere Verletzungen zuzulassen. Da Nähe verletzbar macht, wählt er die Distanz als Schutzstrategie. In extremen Ausprägungen können vermeidende Bindungstypen keine Kritik zulassen oder sich Grenzen setzen lassen, ohne mit einer Vielzahl von Gegenangriffsstrategien jegliche weitere Verletzung des Ichs zu verhindern. Wenn Sie immer wieder Beziehungen mit Partnern mit Bindungsangst eingehen wollen, dann besteht die große Möglichkeit, dass Sie ein ängstlicher Bindungstyp sind, der von Verlustangst geprägt ist. Denn zwei vermeidende Typen finden selten eine gemeinsame Basis für eine Partnerschaft. Wohingegen sich vermeidende und ängstliche Typen gegenseitig ergänzen und anziehen. Möglicherweise möchten Sie sich mit Ihrem Bindungssystem einmal näher beschäftigen, um aus einem schmerzhaften Muster auszubrechen.

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Was, wenn etwas Anderes hinter der Gefühlskälte steckt?

Die Gefühlskälte eines Partners kann aber auch andere Gründe als ein stark ausgeprägtes vermeidendes Bindungsverhalten haben, nämlich dass sich der Partner gedanklich bereits aus der Beziehung verabschiedet hat. In einem solchen Fall wird bei der Paarberatung in der anfangs geschilderten Situation die Antwort vermutlich lauten: „Ich möchte mich von dir trennen, mein größter Wunsch ist, unsere Beziehung zu beenden.“ Dann ist die Gefühlskälte Zeichen, dass die Bindung bereits aufgelöst wurde, aber die Trennung noch nicht vollzogen wurde.

Leider geschieht auch dies häufig in der Paartherapie. Dann sollte der Besuch beim Paarberater häufig die sichere Umgebung schaffen, in der ein Partner seinen Trennungswunsch formulieren kann. Es besteht also durchaus die Gefahr, dass Ihr gefühlskalter Partner tatsächlich abgeschlossen hat, dass er keine Bindung zulässt, weil er keine mehr empfindet. Manchmal können aber diese Tipps Ihre Beziehung retten.

Affären sorgen für Gefühlskälte und Distanz

Häufig ist Gefühlskälte Zeichen einer Affäre. Der nicht erreichbare Partner hat sich vielleicht Nähe außerhalb der Beziehung gesucht – und diese gefunden. Manchmal ist auch das schlechte Gewissen Anlass für die Distanz.

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paartherapeut, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist in seinem Fachbereich einer der meist zitierten Experten im deutschsprachigen Raum. Seit über 15 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise und Gründer der Modern Love School .

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