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Mein Partner Redet Nicht Mit Mir!

Ihr Partner spricht nicht mit Ihnen? Paare, die sich nichts zu sagen haben, trennen sich eher früher als später. Eine positive Gesprächskultur ist das Fundament jeder Liebe.

Es gibt einen Rat, den jeder, von der besten Freundin bis zum Paar-Therapeuten, gerne gibt: „Sprecht miteinander!“ So einfach – eigentlich. Doch in der Praxis erlebe ich: Wenn es so leicht wäre, würde das Paar nicht um Rat bitten.

In solchen Situationen gilt es, sich anzusehen, wie das Paar miteinander spricht, wie es streitet und wie es sich wieder versöhnt. Therapeuten-Vorbild Prof. Gottman hat in seinem LoveLab hierfür ein ebenso verständliches wie aussagekräftiges Modell entwickelt, das heute weltweit von Beratern eingesetzt wird und das Paare auch einfach zuhause miteinander probieren können.

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Was Gespräche vermitteln

Das freundliche Gespräch

Die Partner wenden sich einander zu. Sie signalisieren Aufmerksamkeit, äußern Zustimmung, fragen nach, äußern Gefühle und geben eigene Gedanken preis. Sie loben sich und betonen Gemeinsamkeiten. Das führt zu einer Vertiefung der Bindung und ist Basis einer dauerhaften Beziehung.

Das neutrale Gespräch

Die Partner wenden sich ab. Sie gehen nicht auf Appelle oder Aufforderungen ein, übergehen Gemeinsamkeiten und vernachlässigen Anerkennung und Lob. Sie tauschen sich nicht über ihre Gefühle aus und hören auf, den Partner an Gedanken und Stimmungen teilhaben zu lassen. Langfristig führt dieses Verhalten zum Ende der Beziehung. Allerdings lässt sich das durchaus noch ändern, wenn beide Partner sich bemühen wollen.

Das feindliche Gespräch

Die Partner gehen aufeinander los. Sie greifen an und wehren ab. Sie verallgemeinern, sie überziehen und zeigen wenig oder keine Wertschätzung füreinander und für die gemeinsame Beziehung. Ihre Gefühle und Emotionen stauen sich immer weiter auf bis sie explodieren. Sie kränken sich gegenseitig und reagieren auf Kränkungen mit weiteren Verletzungen. Eine Beziehung mit einer derartigen Streitkultur wird ohne umgehende Paarberatung oder Paar-Therapie kurz- oder mittelfristig auseinandergehen. Möglicherweise ist sie sogar bereits zerbrochen.

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Wie Sie Ihre Gesprächskultur verbessern können

Wenn Partner kommunizieren, wünschen sie sich Aufmerksamkeit. In einer festen Beziehung bitten die Partner durch das, was sie sagen und tun, um Unterstützung und Verständnis. Solche Bitten werden in der Beratung „Aufforderungen“ genannt. Die offensichtlichen Aufforderungen kennt und versteht jeder. „Würdest du bitte die Heizung anmachen?“ ist eindeutig.

Doch jeder Satz, den wir mit einem anderen Menschen wechseln, verfügt über verschiedene Informationsebenen, und eine davon ist ein Appell. „Mir ist kalt“ ist nicht nur eine Zustandsbeschreibung sondern ebenso Aufforderung an den Partner, dagegen etwas zu unternehmen. Nur wer aufmerksam ist, wird einen solchen Appell verstehen und darauf reagieren können. Das kann und sollte trainiert werden.

Denn wer dauerhaft solchen Aufforderungen nicht nachkommt erzeugt beim Partner Frust. „Er versteht mich nicht“ ist der Beginn. Dann folgt die Frage: „Komme ich wirklich an erster Stelle?“. Schließlich der Zweifel, ob die Investition in die Partnerschaft lohnenswert ist. Also eine Spirale von schlechten Gedanken, die sich auf Dauer zu einem großen, leider negativen Bild des Partners zusammenfügen.

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Lob und Anerkennung

Ihre bevorzugte Liebessprache ist Lob und Anerkennung. Wenn Ihr Partner Ihnen das Gefühl von Dankbarkeit gibt, Sie wahrnimmt und Ihnen zeigt, dass er/sie stolz auf Sie ist, dann fühlen Sie sich geliebt. Auch Ermutigung tut Ihnen gut, wenn Sie mit sich selbst oder einer Aufgabe hadern. Wenn Ihr Partner die Liebessprache Lob und Anerkennung bevorzugt, dann seien Sie achtsam im Alltag, um auch kleinere Dinge zu bemerken, die Ihr Partner für Sie tut und loben Sie ihn/sie dafür. Besonders nachhaltig ist Lob vor anderen. Wissenswertes über Lob und Anerkennung: Häufig ist der Wunsch nach Anerkennung von anderen verbunden mit früheren Verletzungen des Selbstwertgefühls. Um weniger auf Lob und Anerkennung angewiesen zu sein gilt, den eigenen Selbstwert zu stärken und zu überprüfen, ob Zufriedenheit nicht auch stärker aus der eigenen Haltung heraus erreicht werden kann.
Zweisamkeit

Ihre bevorzugte Liebessprache ist Zweisamkeit. Wenn Ihr Partner Ihnen Zeit schenkt, Sie miteinander etwas unternehmen können. Zweisamkeit herrscht, wenn Paare etwas gemeinsam tun, einander mit Aufmerksamkeit begegnen und Sie einander kennenlernen in verschiedenen Situationen. Wenn Ihr Partner die Liebessprache Zweisamkeit bevorzugt, dann ist wichtig, dass Sie Verabredungen einhalten, pünktlich sind und Störungen wie Smartphone und Internet meiden. Investieren Sie in einen Babysitter, denn zur Zweisamkeit gehört, sich ganz aufeinander einzulassen. Wissenswertes über Zweisamkeit: Menschen, denen Zweisamkeit sehr wichtig ist, fühlen sich häufig nicht wahrgenommen oder nur als Option und nicht als Priorität. Der Grat zum Wunsch immer im Mittelpunkt zu stehen, ist manchmal schmal.
Geschenke

Ihre bevorzugte Liebessprache sind Geschenke. Wenn Ihnen Ihr Partner Ihre Wünsche erfüllt, dann fühlen Sie sich geliebt. Bei Geschenken kann es sich um Überraschungen handeln oder auch um Aufmerksamkeiten, also wenn Ihr Partner sich an Ihre Wünsche erinnert und diese dann selbsttätig erfüllt. Wer jemanden beschenkt, der beschäftigt sich mit dem anderen. Ein Geschenk ist das Symbol dieser Gedanken. Wenn Ihr Partner die Liebessprache Geschenke bevorzugt, dann sollten Geschenke keine seelenlosen Mitbringsel sein, die nicht mit ihm/ihr zu tun haben. Nicht ausreichend sind Geschenke, die nur zu bestimmten Anlässen wie Valentinstag, Geburtstag oder Jahrestagen gewährt werden. Freiwilligkeit ist besonders wichtig! Wissenswertes über Geschenke: Ein schlecht ausgewähltes Geschenk ist das Schlimmste für einen Partner, der die Liebessprache Geschenke spricht. Denn damit zeigen Sie in dessen Wahrnehmung, dass Sie ihn nicht gut kennen – und das kann dazu führen, dass die Liebe und die Beziehung in Frage gestellt werden.
Hilfsbereitschaft

Ihre bevorzugte Liebessprache ist Hilfsbereitschaft. Sie wünschen sich Gefälligkeiten, die Ihr Partner nicht auf Aufforderung, sondern freiwillig aus Liebe für sie tut. Das können sehr oft auch Haushaltsaufgaben sein. Wenn Ihr Partner die Liebessprache Hilfsbereitschaft spricht, dann ist jede Handreichung eine Liebesbekundung. Gut möglich, dass er Sie immer wieder auffordert, Sie zu unterstützen. Geliebt fühlt er/sie sich jedoch nur dann, wenn Sie nicht so lange warten, bis Sie gebeten werden zu helfen. Wissenswertes über Hilfsbereitschaft: "Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann würdest du ...", ist eine Forderung, auf die kaum ein Partner positiv reagieren wird. Daraus entsteht rasch eine Forderungs-Rückzug-Dynamik, die beide Partner mehr trennt als vereint. Auch Hilfsbereitschaft funktioniert als Liebessprache auf Augenhöhe nur, wenn sie freiwillig erfolgt.
Intimität

Ihre bevorzugte Liebessprache ist Intimität. Wenn Ihr Partner Ihnen körperliche Nähe gibt, wozu ebenso Zärtlichkeiten wie Sex zählen. Mit Berührungen zeigen Menschen, dass sie den anderen annehmen, dass sie ihn gerne anfassen, dass sie ihn akzeptieren, wie er ist. Wenn Ihr Partner die Liebessprache Intimität bevorzugt, dann ist für ihn/sie Sex nicht nur Leidenschaft und Lust, sondern vor allem Nähe und Bindung. Sex-Verzicht bedeutet dann Liebesentzug und sollte nicht als Machtinstrument missbraucht werden. Wissenswertes über Intimität: Körperliche Nähe tut gut. Nicht nur der Seele. So reduziert eine Umarmung von mehr als 30 Sekunden bereits nachweisbar Stress, lässt den Blutdruck sinken und sorgt für die Produktion von Bindungshormonen wie Oxytocin. Sexsucht als Extrem lässt oft darauf schließen, dass der Betroffene sich selbst für wenig liebenswert hält und Bestätigung durch besonders viel Intimität erhofft.

Trainieren Sie Ihre Aufmerksamkeit

Achten Sie auf das, was Ihr Partner sagt

Zeigen Sie ihm, dass Sie zugehört haben und gehen Sie darauf ein. Nein, ein zustimmendes Brummen genügt nicht!

Reagieren Sie auf einfache Bitten

Warten Sie nicht darauf, bis sie/er Sie ein zweites Mal darauf anspricht. Legen Sie das Smartphone gleich weg. (Das gilt ebenso, wenn Sie die Bitte nicht erfüllen möchten.)

Zeigen Sie ernsthaftes Interesse

Bestätigen Sie Ihren Partner durch Anerkennung und Lob. „Das hast du gut gemacht!“ signalisiert, dass Sie den Erzählungen aus dem Büro zugehört haben und dass Sie sich in Gedanken nahe sind.

Pflegen Sie Smalltalk

Sprechen Sie auch über gewöhnliche Dinge; lesen Sie sich vor, was Sie bei Facebook gelesen haben. Finden Sie Gesprächsebenen zwischen Grundsatzfragen („Wie sieht unsere gemeinsame Zukunft aus?“) und Versorgungsthemen („Wir brauchen Toilettenpapier“).

Initiative – Die Fortführung der Aufmerksamkeit

Sie kann „Star Wars“ nichts abgewinnen, er weiß nicht, weshalb wer Manoloh Blanik ist. Verschließen Sie sich nicht. Spielen Sie mit. („Ich habe da diesen runden Roboter als ferngesteuertes Spielzeug gefunden. Würde dir das Spaß machen?“ oder „In der FAZ ist ein Interview mit deinem Lieblings-Schug-Designer“) Das erfordert Einfühlungsvermögen, Fantasie und Google und ist ein Bestätigungs-Booster.

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Kommunikations-Übungen aus der Praxis

Das unverzichtbare Ritual: Schatz, wie war dein Tag?

Das beste Übungsfeld ist der tägliche Austausch. So banal sich das anhört – Sie können Ihrer Beziehung dadurch viel Gutes tun. Nahezu alle erfolgreichen Paare haben dieses Gespräch ritualisiert. Lassen Sie keinen Tag vergehen, an dem Sie nicht Ihren Partner nach seinen Erlebnissen und Eindrücken gefragt haben. Es geht weniger darum minutiös zu berichten, was Sie getan haben. Tauschen Sie sich darüber aus, wie es Ihnen dabei ergangen ist, was Sie dabei fühlten.

Was wollen Sie noch erreichen? Die Zeitstrahl-Intervention

Eine Übung, um mehr über die Pläne, Wünsche und Hoffnungen Ihres Partners zu erfahren. Sie malen einen Zeitstrahl und zeichnen auf, wo Sie sich in einer Woche, in einem Monat, in einem Jahr, in fünf Jahren … sehen. Unterteilen Sie in Wünsche, die Sie als Kind hatten, die Sie in der Ausbildung hatten und die Sie heute haben. Sie werden erstaunt sein, was Sie erfahren. Und was Sie gemeinsam mit Ihrem Partner noch möglich machen können.

Sex ist ebenfalls Kommunikation – und ein wundervolles gemeinsames Hobby

Paare mit gemeinsamen Interessen bleiben länger zusammen. Die Begeisterung für etwas wirkt ansteckend. Eigentlich liegt es nahe, dass Partner Sex als gemeinsames Hobby erleben. Tun sie aber – meistens – nicht. Dabei ist Sex als Hobby ziemlich kostengünstig, weil Sie alles mitbringen, was es dafür braucht. Aber es spricht auch nichts gegen einen Hobbykeller, wenn Sie mögen. Reservieren Sie Beziehungszeit für Ihr Hobby ein. Und natürlich: sprechen Sie über Ihr Hobby. Ein guter Start funktioniert mit „Think Love“ von Ulrich Clement, ein Buch mit 200 indiskreten Fragen, die garantiert Lust auf mehr machen.

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paartherapeut, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist in seinem Fachbereich einer der meist zitierten Experten im deutschsprachigen Raum. Seit über 15 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise und Gründer der Modern Love School .

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