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Spionieren Im Smartphone Des Partners?

Im Handy des Partners spionieren: Umfragen zufolge haben fast alle Deutsche das schon getan. Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser?

Manche beschäftigen sich so viel mit ihrem Smartphone, dass der Partner geradezu eifersüchtig auf das Gerät wird. Selbst wenn es nicht so weit gehen muss: Ganz sicher aber weckt so viel Beschäftigung Interesse. Was macht er / sie da eigentlich? Mit wem textet er / sie? Welche Seiten im Web besucht er / sie? Und von wem war eigentlich die E-Mail, die gestern Nacht eintraf? Geht er / sie fremd?

Viele Paare lassen ihre Smartphones offen liegen. Die Partner kennen die PIN-Nummern – sofern die Geräte überhaupt gesichert sind – und eine Kontrolle wäre theoretisch jederzeit möglich. Die macht aber niemand. Oder?

Menschen, die sich sicher in ihrer Beziehung fühlen und einen eher sicheren Bindungsstil haben, werden nicht schnell eifersüchtig und sehen selten Bedrohungen, wo keine sind. Unsichere-ängstliche Typen hingegen haben vielleicht in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht, sind von Haus aus eifersüchtig und brauchen Kontrolle. Die greifen dann durchaus mal zu und lesen den Chat-Verlauf. Andere Paare kommunizieren vielleicht nicht ausreichend, so dass das Spionieren im Smartphone das tägliche Ritual „Schatz, wie war Dein Tag?“ ersetzt.

Ich erlebe in der Beratung häufig, dass sich der Verdacht auf Untreue oder eine Affäre durch Spionieren im Handy bestätigt hat. Der betrogene Partner fühlt sich in seinem Handeln bestätigt – selbst wenn er meistens zugibt, dass „man sowas eigentlich nicht macht“.

Heikel wird es, wenn es beim Verdacht bleibt und ein wirklicher Beleg von Untreue nicht gefunden wurde. Der unsichere Partner grübelt weiter und bleibt in vielen Fällen in einer Spirale von Misstrauen und Eifersucht hängen. Irgendwann konfrontiert er dann den vermeintlich untreuen Partner mit dem Verdacht oder den Indizien. Der reagiert darauf vorhersehbar mit dem Argument, „seine Privatsphäre zu verletzen , sei ein schlimmer Vertrauensbruch!“ Der Streit eskaliert, Vorwürfe treffen auf Vorwürfe und ich habe selten erlebt, dass in dieser Situation tatsächlich ein Seitensprung oder eine Affäre gestanden worden wäre. Vielleicht weil niemand untreu war, vielleicht weil es einfach zu einladend ist, die Diskussion zu verlagern und dem eigentlichen Vorwurf auszuweichen.

Ich habe in der Beratung häufiger erlebt, dass Beziehungen durch Misstrauen zerstört worden als durch Seitensprünge. Einfach weil sich viele Verdachtsmomente nicht bestätigen lassen und das Vertrauen dennoch nicht wiederhergestellt werden konnte. Und eine Beziehung ohne Vertrauen ist sinnlos.

Immer der Falsche – Unbewusste Beziehungsmuster erkennen

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Immer der Falsche – Unbewusste Beziehungsmuster erkennen
Sie sind romantisch und perfektionistisch
Ihre Überzeugungen, wie Ihr Partner sein soll und was eine Beziehung ausmacht, sind stark ausgeprägt. Sie wissen, was Sie wollen und nur wenn Sie ganz sicher sind, den Richtigen gefunden zu haben, lassen Sie sich auf Ihr Gegenüber ein. Weil Sie auf Ihre Gefühle hören und viel investieren, haben Sie zahlreiche schmerzhafte Enttäuschungen erlebt. Auch deshalb wollen Sie sich ganz sicher sein, dass Sie keinesfalls an den Falschen geraten. Wenn Sie nicht voll und ganz entflammt und verliebt sind, hat ein Kontakt bei Ihnen keine Chance. Sie wünschen sich nicht unbedingt die Liebe auf den ersten Blick, aber Sie sind überzeugt, dass es anfangs schon richtig Peng! machen muss, sonst wird sich daraus nichts entwickeln können. Sie haben dieses Glück auch bereits erlebt – doch danach zerbrach es, weil Sie ausgenutzt, belogen oder betrogen worden sind. Verliebtheit und Liebe sind jedoch ganz unterschiedliche Dinge. Liebe wächst und entsteht. Gemeinsam. In einer Beziehung wird mit der Zeit die Zuneigung stärker und gibt immer mehr Sicherheit und Geborgenheit. Peng! ist ein Feuerwerk, das rasch verpufft. Geben Sie auch Kontakten eine Chance, die nicht ganz perfekt sind. Sie sind es auch nicht, aber vielleicht passen Sie dennoch – oder gerade deshalb – perfekt zusammen!
Ihr Selbstwert ist verletzt und gering
Sie fühlen sich nicht wirklich liebenswert. Vielleicht ist dies eine Folge von Prägungen Ihrer Kindheit. Möglich dass Sie immer wieder erlebt haben, dass Sie nicht gut genug wären, dass Sie wertlos oder nicht liebenswert wären. Vielleicht hat aber auch Ihre Beziehungshistorie Sie glauben lassen, dass Sie nicht anziehend, attraktiv oder intelligent genug wären, um nicht betrogen zu werden. Sie fühlen sich oft alleingelassen, dabei empfinden Sie eine große Sehnsucht nach Geborgenheit und einer vertrauensvollen Bindung, die Ihnen das Gefühl gibt, bedingungslos geliebt zu werden. Aus dieser Position der Schwäche heraus sind vermeintlich starke Partner für Sie besonders interessant. Partner, die etwas ausstrahlen, die begehrt werden, denn davon wünschen Sie sich etwas ab, das würde Sie bestätigen und gut fühlen lassen. Doch diese Partner sind meist in Wirklichkeit gar nicht so stark, wie sie scheinen. Sie haben im Gegenteil oft Selbstzweifel, gegen die sie ein Mittel kennen: Anerkennung von anderen. Deshalb suchen, finden und wählen diese Menschen Partner, die sich ihnen zuliebe sehr viel Mühe geben, die bereit sind, sich für sie anzupassen und zu verändern. Die Folge: Sie werden erneut verletzt und verlieren erneut Selbstvertrauen. Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, müssen Sie Ihr Selbstwertgefühl stärken. Nennen Sie es Ihr Inneres Kind, das erst heilen muss, damit Sie wieder furchtlos und mutig stark werden. Denn dann werden Sie nicht länger Menschen anziehen, die aus Ihrer Schwäche ihre eigene Stärke ziehen und Ihre Energie "aussaugen" und Sie wie eine leere Hülle zurücklassen, wenn Sie keine Kraft mehr haben – oder sogar aggressiv, manipulativ oder gewalttätig werden, wenn Sie sich aus deren Einfluss zurückziehen wollen. Möglicherweise gelingt Ihnen dies auch nur mit Unterstützung. Dann lassen Sie sich helfen, denn das Leben ist zu kurz für unglückliche Beziehungen.
Sie verhindern Nähe bewusst oder unbewusst
Sie wünschen sich eine Beziehung – aber Sie fürchten sich auch vor ihr. Denn Sie sind – vielleicht nur insgeheim – überzeugt, dass Nähe und Offenheit vor allem zu Verletzungen führt. Dieses Phänomen wird auch aktive oder passive Beziehungsverweigerung genannt. Der aktive Beziehungsverweigerer weiß recht genau, dass er niemanden so nah an sich herankommen lassen möchte, dass dieser ihn verletzen könnte. Er muss keinen solchen Test machen, deshalb ist wahrscheinlicher, dass Sie zu den passiven Beziehungsverweigerern gehören. Das mag für Sie überraschend klingen, denn eigentlich sehnen Sie sich doch so sehr nach Nähe und Zuneigung. Aber Sie sind perfekt darin geworden, diese Nähe zu sabotieren, so dass nicht einmal Sie wirklich bemerken, welche Muster ablaufen. Es kann beispielsweise sein, dass Sie sich nur einlassen mit Menschen, die Ihnen von Vornherein versichern, nur an Ihnen allein und an einer langfristigen Beziehung interessiert zu sein. Damit verhindern Sie, dass Sie sich nicht vergeblich bemühen und große Gefühle sich entwickeln können. Doch Sie erreichen damit, dass Ihr Kontakt sich unter Druck gesetzt fühlt und sich zurückzieht. Vielleicht erfüllt aber auch niemand Ihre hohen Ansprüche. Lieber bleiben Sie allein, als dass Sie Kompromisse und Risiken eingehen würden. An allen etwas auszusetzen zu haben, ist eine sehr effektive Methode, niemanden an sich heranzulassen und ein Zeichen von tiefen Verletzungen, die sie höchstwahrscheinlich in Ihrer Kindheit erlebt haben. Aber Sie sind jetzt erwachsen, Sie können anders reagieren, Sie können sich wehren, Sie können ganz anders verhandeln, nämlich auf Augenhöhe! Sie müssen einem Partner eine Chance geben, wenn Sie eine Beziehung eingehen wollen. Mit seinen Forderungen und Verhaltensweisen können Sie heute ganz anders umgehen als früher.

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Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise

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