Die Kraft Des Guten Gesprächs. Eine Positive Gesprächskultur Ist Das Fundament Jeder Liebe.

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Die Kraft des guten Gesprächs. Paare, die sich nichts zu sagen haben, trennen sich eher früher als später. Eine positive Gesprächskultur ist das Fundament jeder Liebe.

Es gibt einen Rat, den jeder, von der besten Freundin bis zum Paar-Therapeuten, gerne gibt: „Sprecht miteinander!“ So einfach – eigentlich. Doch in der Praxis erlebe ich: Wenn es so leicht wäre, würde das Paar nicht um Rat bitten.

In solchen Situationen gilt es, sich anzusehen, wie das Paar miteinander spricht, wie es streitet und wie es sich wieder versöhnt. Therapeuten-Vorbild Prof. Gottman hat in seinem LoveLab hierfür ein ebenso verständliches wie aussagekräftiges Modell entwickelt, das heute weltweit von Beratern eingesetzt wird und das Paare auch einfach zuhause miteinander probieren können.

  1. Was Gespräche vermitteln

Das freundliche Gespräch

Die Partner wenden sich einander zu. Sie signalisieren Aufmerksamkeit, äußern Zustimmung, fragen nach, äußern Gefühle und geben eigene Gedanken preis. Sie loben sich und betonen Gemeinsamkeiten. Das führt zu einer Vertiefung der Bindung und ist Basis einer dauerhaften Beziehung.

Das neutrale Gespräch

Die Partner wenden sich ab. Sie gehen nicht auf Appelle oder Aufforderungen ein, übergehen Gemeinsamkeiten und vernachlässigen Anerkennung und Lob. Sie tauschen sich nicht über ihre Gefühle aus und hören auf, den Partner an Gedanken und Stimmungen teilhaben zu lassen. Langfristig führt dieses Verhalten zum Ende der Beziehung. Allerdings lässt sich das durchaus noch ändern, wenn beide Partner sich bemühen wollen.

Das feindliche Gespräch

Die Partner gehen aufeinander los. Sie greifen an und wehren ab. Sie verallgemeinern, sie überziehen und zeigen wenig oder keine Wertschätzung füreinander und für die gemeinsame Beziehung. Ihre Gefühle und Emotionen stauen sich immer weiter auf bis sie explodieren. Sie kränken sich gegenseitig und reagieren auf Kränkungen mit weiteren Verletzungen. Eine Beziehung mit einer derartigen Streitkultur wird ohne umgehende Paarberatung oder Paar-Therapie kurz- oder mittelfristig auseinandergehen. Möglicherweise ist sie sogar bereits zerbrochen.

  1. Wie Sie Ihre Gesprächskultur verbessern können

Wenn Partner kommunizieren, wünschen sie sich Aufmerksamkeit. In einer festen Beziehung bitten die Partner durch das, was sie sagen und tun, um Unterstützung und Verständnis. Solche Bitten werden in der Beratung „Aufforderungen“ genannt. Die offensichtlichen Aufforderungen kennt und versteht jeder. „Würdest du bitte die Heizung anmachen?“ ist eindeutig.

Doch jeder Satz, den wir mit einem anderen Menschen wechseln, verfügt über verschiedene Informationsebenen, und eine davon ist ein Appell. „Mir ist kalt“ ist nicht nur eine Zustandsbeschreibung sondern ebenso Aufforderung an den Partner, dagegen etwas zu unternehmen. Nur wer aufmerksam ist, wird einen solchen Appell verstehen und darauf reagieren können. Das kann und sollte trainiert werden.

Denn wer dauerhaft solchen Aufforderungen nicht nachkommt erzeugt beim Partner Frust. „Er versteht mich nicht“ ist der Beginn. Dann folgt die Frage: „Komme ich wirklich an erster Stelle?“. Schließlich der Zweifel, ob die Investition in die Partnerschaft lohnenswert ist. Also eine Spirale von schlechten Gedanken, die sich auf Dauer zu einem großen, leider negativen Bild des Partners zusammenfügen.

  1. Trainieren Sie Ihre Aufmerksamkeit

Achten Sie auf das, was Ihr Partner sagt

Zeigen Sie ihm, dass Sie zugehört haben und gehen Sie darauf ein. Nein, ein zustimmendes Brummen genügt nicht!

Reagieren Sie auf einfache Bitten

Warten Sie nicht darauf, bis sie/er Sie ein zweites Mal darauf anspricht. Legen Sie das Smartphone gleich weg. (Das gilt ebenso, wenn Sie die Bitte nicht erfüllen möchten.)

Zeigen Sie ernsthaftes Interesse

Bestätigen Sie Ihren Partner durch Anerkennung und Lob. „Das hast du gut gemacht!“ signalisiert, dass Sie den Erzählungen aus dem Büro zugehört haben und dass Sie sich in Gedanken nahe sind.

Pflegen Sie Smalltalk

Sprechen Sie auch über gewöhnliche Dinge; lesen Sie sich vor, was Sie bei Facebook gelesen haben. Finden Sie Gesprächsebenen zwischen Grundsatzfragen („Wie sieht unsere gemeinsame Zukunft aus?“) und Versorgungsthemen („Wir brauchen Toilettenpapier“).

Initiative – Die Fortführung der Aufmerksamkeit

Sie kann „Star Wars“ nichts abgewinnen, er weiß nicht, weshalb wer Manoloh Blanik ist. Verschließen Sie sich nicht. Spielen Sie mit. („Ich habe da diesen runden Roboter als ferngesteuertes Spielzeug gefunden. Würde dir das Spaß machen?“ oder „In der FAZ ist ein Interview mit deinem Lieblings-Schug-Designer“) Das erfordert Einfühlungsvermögen, Fantasie und Google und ist ein Bestätigungs-Booster.

  1. Kommunikations-Übungen aus der Praxis

Das unverzichtbare Ritual: Schatz, wie war dein Tag?

Das beste Übungsfeld ist der tägliche Austausch. So banal sich das anhört – Sie können Ihrer Beziehung dadurch viel Gutes tun. Nahezu alle erfolgreichen Paare haben dieses Gespräch ritualisiert. Lassen Sie keinen Tag vergehen, an dem Sie nicht Ihren Partner nach seinen Erlebnissen und Eindrücken gefragt haben. Es geht weniger darum minutiös zu berichten, was Sie getan haben. Tauschen Sie sich darüber aus, wie es Ihnen dabei ergangen ist, was Sie dabei fühlten.

Was wollen Sie noch erreichen? Die Zeitstrahl-Intervention

Eine Übung, um mehr über die Pläne, Wünsche und Hoffnungen Ihres Partners zu erfahren. Sie malen einen Zeitstrahl und zeichnen auf, wo Sie sich in einer Woche, in einem Monat, in einem Jahr, in fünf Jahren … sehen. Unterteilen Sie in Wünsche, die Sie als Kind hatten, die Sie in der Ausbildung hatten und die Sie heute haben. Sie werden erstaunt sein, was Sie erfahren. Und was Sie gemeinsam mit Ihrem Partner noch möglich machen können.

Sex ist ebenfalls Kommunikation – und ein wundervolles gemeinsames Hobby

Paare mit gemeinsamen Interessen bleiben länger zusammen. Die Begeisterung für etwas wirkt ansteckend. Eigentlich liegt es nahe, dass Partner Sex als gemeinsames Hobby erleben. Tun sie aber – meistens – nicht. Dabei ist Sex als Hobby ziemlich kostengünstig, weil Sie alles mitbringen, was es dafür braucht. Aber es spricht auch nichts gegen einen Hobbykeller, wenn Sie mögen. Reservieren Sie Beziehungszeit für Ihr Hobby ein. Und natürlich: sprechen Sie über Ihr Hobby. Ein guter Start funktioniert mit „Think Love“ von Ulrich Clement, ein Buch mit 200 indiskreten Fragen, die garantiert Lust auf mehr machen.

 

Eric Hegmann

Eric Hegmann ist Paarberater, Single-Coach und Autor. Er hat über ein Dutzend Bücher zu Liebe, Partnerschaft und Partnersuche veröffentlicht und ist einer der meist zitierten Dating- und Beziehungsexperten im deutschsprachigen Raum. Seit über 12 Jahren unterstützt er die Partneragentur Parship. Er ist Chefredakteur des Online Magazins beziehungsweise beziehungsweise