
Mehr Selbstbewusstsein bei der Partnerwahl
Eigentlich könnten sich die Singles hierzulande glücklich schätzen: niemand redet ihnen in ihre Partnerwahrl hinein. Weder haben die Familienangehörigen der frühren Generationen sie bereits im Schulalter an die Kinder von Freunden und Bekannten verschachert noch können die Eltern ihr Veto einreichen, wenn der neue Schwiegersohn den falschen Job hat.
Eine aktuelle Studie von PARSHIP zeigt nun, dass die Entscheidungsfreiheit für einige Singles auch einen Haken hat: ihnen fehlt nun der Blick eines Außenstehenden, die Bestätigung, dass die eigene Partnerwahl richtig war. Das ist verständlich, denn natürlich würden wir gerne auch die große Liebe versichern gegen allen Unbill, den die Partnerschaft so mit sich bringt.
Dieses Studienergebnis ist kein Reifezeugnis, denn es zeugt von einer großen Verunsicherung. Möglicherweise hat das etwas mit einem Verlust von Selbstbewusstsein zu tun, vielleicht mit einem scheinbaren Überangebot oder es handelt sich um einen vorgeschobenen Grund, der von der eigenen Bindungsangst ablenken soll.
Meine Großeltern sagten gerne: "Zeige mir deine Freunde und ich sage dir, wer du bist!" Darin steckt neben einem offensiven Vertrauen in die eigene Menschenkenntnis auch der (berechtigte) Zweifel, dass wir in jeder Situation uns für das Beste für uns entscheiden. Doch deshalb die freie Partnerwahl aufgeben wollen? Rational schwer nachvollziehbar und so vermute ich, dass diesen Singles der Partnerwahlmarkt mittlerweile so viel Angst bereitet, dass sie jemanden benötigen, der ihre Hand nimmt. Ein großartiges Geschäftsfeld für Coaches und Therapeuten - aber sollte man nicht eher wieder lernen, auf sich selbst zu hören? "Wenn du das Gefühl hast, da stimmt was nicht, dann stimmt da auch etwas nicht", sagten meine Großeltern auch häufig und diese Haltung finde ich empfehlenswert. Natürlich sind wir im Rausch von Verliebttsein nicht so richtig reflektierend und der Blick von Freunden und Familie auf neue Bekanntschaften ist hilfreich und wichtig, aber bitte: lassen wir uns nie die Partnerwahl aus den eigenen Händen nehmen. Wenn nicht wir, wer soll wissen, wer zu uns passt, welche Partnerschaft uns glücklich macht?
PARSHIP-Studie zeigt: Die große Mehrheit verlässt sich bei der Partnersuche auf die Urteilskraft von nahestehenden Personen / Die traditionelle Ehestiftung hält trotzdem kaum jemand für ein erfolgversprechendes Modell
Freie Partnerwahl und romantische Liebe gelten heute in der westlichen Welt als Normalität. Doch obwohl arrangierte Partnerschaften passé sind, glauben nur 12 Prozent der Deutschen, allein am besten zu wissen, wer zu ihnen passt. Die Mehrheit vertraut dagegen bei der Partnerwahl auf die Urteilskraft von Außenstehenden: So hört rund jeder Zweite auf die Einschätzung von Freunden. Jeder Dritte ist überzeugt, die Geschwister oder Eltern könnten sehr gut beurteilen, ob es passt. Auch persönlichen Coaches oder Therapeuten traut immerhin jeder sechste Befragte zu, bewerten zu können, ob die eigene Partnerwahl tatsächlich aussichtsreich ist. So das Ergebnis einer bevölkerungsrepräsentativen Studie von PARSHIP unter mehr als 1.000 Personen zwischen 18 und 65 Jahren.
Wem vertrauen Deutsche bei der Partnerwahl:*
Gesamt
1. Freunde: 48 %
2. Geschwister: 35 %
3. Eltern: 31 %
4. Persönlicher Coach / Therapeut: 16 %
5. Bekannte: 14 %
6. Online-Partneragenturen mit wiss. Test: 9 %
7. Arbeitskollegen: 8 %
8. Andere Verwandte: 7 %
9. Klassische Partnervermittler: 6 %
10. Andere: 4 %
* Hinweis: Mehrfachnennung möglich; N = 1.000 Personen
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